vergrößernverkleinern
Wolfsburgs Trainer Steve McClaren wurde 2010 mit Twente niederländischer Meister © imago

Steve McClaren hat viel Arbeit vor sich, genau wie Felix Magath. In Leverkusen bleibt man gelassen. Die Brennpunkte der Liga.

Von Julian Meißner

München - Spektakel garantiert: Beim Saisonauftakt in München hatte der VfL Wolfsburg noch in letzter Minute eine Niederlage kassiert, am zweiten Spieltag verspielte die Elf von Steve McClaren gegen Mainz dann tatsächlich einen Drei-Tore-Vorsprung.

Die "dümmste Niederlage" der VfL-Geschichte erkannte die "Wolfsburger Allgemeine" daraufhin.

Vor lauter Verzückung über die Verpflichtung Diegos und dessen prächtiger erster Halbzeit im grün-weißen Dress versagten die Niedersachsen im zweiten Abschnitt kollektiv. Der Trainer hatte so etwas zuvor "noch nicht erlebt" und beklagte "mentale und charakterliche Probleme".

Größte Baustellen im Kader: Innenverteidiger Simon Kjaer (21) muss seine Tauglichkeit für die Bundesliga noch unter Beweis stellen, Zvjezdan Misimovic geht mit seiner Unzufriedenheit hausieren.

Diego und er, das gehe nicht zusammen, hatte der Bosnier schon vor der Unterschrift des Brasilianers klargestellt.

Zumindest diese Baustelle könnte der VfL bald beseitigt haben, Misimovic soll laut "Bild" bereits vor dem Vertragsabschluss mit Galatarasay Istanbul stehen. 209112(DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse) Ausgang offen.

SPORT1 blickt auf weitere Brennpunkte der Bundesliga.

Bayer Leverkusen:

Sicher, schwarze Tage wie beim 3:6 der Leverkusener gegen Mönchengladbach kommen vor - und das nicht allzu oft. Aber die Art und Weise, wie Bayer sich von den "Fohlen" abkochen ließ, stimmt doch bedenklich.

Zumal Neuzugang Michael Ballack, als neuer Leitwolf der Werkself eingeplant, bei seinem Heimdebüt überhaupt keine Zugang zum Spiel fand und in der 63. Minute ausgewechselt wurde.

Trainer Jupp Heynckes rechtfertigte sich: "Es war so ein Spiel, in dem man alle hätte auswechseln können. Dennoch habe ich Michael Ballack ausgewechselt. Er braucht noch Spiele, und er braucht Fitness. Ich denke, ich habe genau das Richtige getan."

Sportchef Rudi Völler meinte: "Heute haben alle so gespielt, als hätten sie gerade drei Monate Verletzungspause hinter sich."

FC Schalke 04:

Nach dem bösen Fehlstart mit zwei Niederlagen ist die Stimmung auf Schalke explosiv.

Dem gerade abgeflauten Kampf des Trainers gegen die Fans folgt der Kampf der Fans gegen einen Spieler: Ex-BVB-Profi Christoph Metzelder bekam den Frust der königsblauen Anhänger beim Heim-Debüt in der Liga deutlich zu spüren. Der formschwache Defensivmann wurde beim 1:2 gegen Hannover wüst beschimpft.

[kaltura id="0_0zj7fvz2" class="full_size" title=" Ein bizarres Spiel "]

Und Magath tat wenig, um seinen Abwehrchef in Schutz zu nehmen. "Er wurde geholt, um die Abwehr zu stabilisieren. Das funktioniert momentan nicht", sagte der S04-Coach: "Er hat sich verunsichern lassen."

Auch Raul als zweiter prominenter Neueinkauf erfüllt die Erwartungen bislang nicht.

Als Schalke 1987/1988 das letzte Mal mit zwei Niederlagen in die Bundesliga-Saison startete, stieg man ab. Davon ist S04 natürlich weit entfernt, aber Magath droht bei seinem Umbau-Projekt nun ein immer schärferer Gegenwind.

Und ob die Last-Minute-Transfers Klaas-Jan Huntelaar und Jose Manuel Hurado sofort einschlagen, muss sich erst zeigen.

VfB Stuttgart:

Der VfB ist Tabellenletzter, das als alleiniger Fakt ist schon einmal alarmierend genug. Dass Sportdirektor Fredi Bobic nach dem 1:3 gegen Dortmund eine "harmlose Einstellung" seiner Kicker beklagen muss, sollte wirklich zu Denken geben.

Man muss sich zudem fragen, ob die Abgänge der Leistungsträger Sami Khedira und Jens Lehman kompensiert werden können.

Die Schwächen in der Offensive soll Mauro Camoranesi, dessen Transfer nach SPORT1-Informationen perfekt ist, beheben, aber Trainer Christian Gross hat gerade in der Defensive den Schlüssel noch nicht gefunden.

Serdar Tasci kam zwar endlich zu seinem Saisondebüt, wirkte aber neben Georg Niedermeier (SPORT1-Note 6) hilflos.

Fazit: Hätte der VfB nicht mit viel Spucke das Weiterkommen in Pokal und Europa League gesichert, müsste Gross wohl ernsthaft um seinen Job bangen.

Hamburger SV:

Tabellarisch ist der HSV mit zwei Siegen voll auf Kurs, Ruud van Nistelrooy verzückt Verein und Fans. Doch hinter den Kulissen brodelt es.

Der Grund: Angeblich wollen die Hanseaten Mladen Petric loswerden, auch der Spieler selbst ist nicht zufrieden. Der Kroate schmorte bei der Eintracht 90 Minuten auf der Bank und sprach zuletzt öffentlich von einem Wechsel.

HSV-Trainer Armin Veh setzt neben "Van the Man" auf Paolo Guerrero. Und als der Peruaner in Frankfurt ausgewechselt wurde, kam nicht Petric, sondern Tomas Rincon. Veh spricht von einer "normalen Konkurrenzsituation", doch langfristig dürfte die Harmonie unter der jetzigen Konstellation leiden.

"Im Normalfall passiert nichts mehr", sagt Veh bezüglich des Endes der Transferperiode am Dienstag: "Aber im Fußball kann man nichts ausschließen."

Petric weilt nun beim kroatischen Nationalteam - gut möglich, dass er nicht nach Hamburg zurückkehrt.

1. FC Köln:

Zwei Spiele, zwei Niederlagen, 3:7 Tore - der FC hat einen klassischen Fehlstart hingelegt. Vor allem die Defensive präsentierte sich bislang kaum Erstliga-tauglich. Kein Team kassierte mehr Treffer.

Das Zweikampfverhalten seiner Spieler beim 2:4 in Bremen ließ Coach Zvonimir Soldo den Kragen platzen. "Solche Blackouts sind unentschuldbar", schimpfte der Kroate über seine Abwehr um Miso Brecko: "Dass junge Spieler Fehler machen, ist okay. Aber das sind Nationalspieler. Wir sind bei jedem Gegentor in Überzahl und lassen die machen." Vor allem die Innenverteidiger Kevin McKenna und Kevin Pezzoni wirkten gegen Werder überfordert.

Nach der Länderspielpause tritt der freche Aufsteiger St. Pauli beim FC an, nicht gerade ein leichter Gegner. Zumal das Selbstbewusstsein der Rheinländer nun gen Null tendiert. Soldo: "Unsere größten Defizite sind im Kopf."

Youssef Mohamad hatte schon am ersten Spieltag mit dem schnellsten Platzverweis der Bundesliga-Geschichte für unrühmliche Schlagzeilen gesorgt und ist gegen die Hamburger gesperrt. Pedro Geromel und Andrezinho dürften ins Team rücken.

"Die Qualität der Mannschaft ist ausreichend", sagt Manager Michael Meier.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel