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Bayern mit Franck Ribery (r.) und Miroslav Klose verlor in Kaiserslautern mit 0:2 © getty

Van Gaal und Hoeneß haben bei den Bayern einen gewissen Übermut ausgemacht. Zudem bereiten die Defensive und Robben Sorgen.

Von Christian Stüwe

München - Manchmal kann es auch eine Wohltat sein, dass sich die Fußball-Welt schneller zu drehen scheint, als der Rest des Globus.

Am Freitag verlor Rekordmeister FC Bayern noch überraschend bei Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern, am Samstag wurden die Münchner von Ministerpräsident Horst Seehofer empfangen und von den Fans bejubelt - schon richtet sich der Blick wieder in die Zukunft.

Kaiserslautern sei ein "Ausrutscher" gewesen, ein "Betriebsunfall", erklärten die Bayern-Spieler, als sie am Samstag in der bayerischen Staatskanzlei für die Leistungen der Vorsaison geehrt wurden.

In diesem Saal würden "normalerweise die großen ungekrönten und gekrönten Könige der Welt" empfangen, bemerkte Seehofer.

Und als (Fußball-)Könige würden die Bayern gerne zurückkehren, den vergangene Saison knapp verpassten Champions-League-Titel nach München holen.

Weit von der Top-Form entfernt

Doch von der beeindruckenden Form des Frühjars ist das Team von Louis van Gaal ein ganzes Stück entfernt. Präsident Uli Hoeneß machte zeitweise gar "Überheblichkeit" bei seinem Team aus.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Fast sinnbildlich steht dafür Thomas Müller. Der 20-Jährige war der Shootingstar der vergangenen Saison, bei der WM wurde er zum Helden.

Am Freitagabend vergab er die große Chance zur Führung, übersah dabei zwei Mitspieler und wurde dafür von van Gaal öffentlich hart kritisiert.

Hinrunden-Aus für Robben

Während Müller diesen Rückschlag aber einigermaßen schnell verdauen dürfte, hat es mit Arjen Robben einen anderen Hauptdarsteller der vergangenen Erfolgs-Saison schlimmer erwischt.

Der Niederländer wird mit seiner Muskelverletzung länger ausfallen, als zunächst angenommen. "Es ist mehr als fraglich, ob Arjen in der Hinrunde noch eingesetzt werden kann", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger der "Bild".

[kaltura id="0_7srjujzg" class="full_size" title=" Wir ziehen nicht den Schwanz ein "]

Defensive als Sorgenkind

Doch das Hauptproblem der Bayern, das zeigte der Auftritt in Kaiserslautern einmal mehr, liegt in der Defensive.

Innerhalb von 66 Sekunden erzielten die "Roten Teufel" zwei Treffer, beim ersten Tor ließen sich mehrere Bayern-Verteidiger ausspielen, beim zweiten trat Holger Badstuber am Ball vorbei.

"Wenn man zwei Tore kassiert, kann die Abstimmung in der Hintermannschaft nicht richtig gestimmt haben", ärgerte sich Philipp Lahm, selber nicht schuldlos beim 0:1.

Badstuber gab sich selbstkritisch. "Klar darf mir so etwas nicht passieren", sagte sich der 21-Jährige: "Lautern hatte außer drei Torchancen nichts zu bieten. Und zwei davon waren drin. Das ist verdammt bitter."

Demichelis bleibt

Die Innenverteidigung mit Daniel van Buyten und dem jungen Badstuber wirkt verwundbar, die Alternativen sind rar gesät.

Breno ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht fit, Martin Demichelis, der den Klub eigentlich verlassen wollte, gehörte in Kaiserslautern wieder nicht zum Kader.

Der Argentinier hat seine Wechselgedanken allerdings ad acta gelegt und will sich dem Konkurrenzkampf stellen. "Ich bleibe beim FC Bayern und werde mit Stolz und Ehrgeiz kämpfen", kündigte der argentinische Nationalspieler am Montag in Buenos Aires an.

Veto gegen Gomez-Wechsel

Auch Anatolyi Tymoshchuk soll bleiben, der ebenfalls hinten spielen kann. Und Stürmer Mario Gomez erteilte Sportdirektor Christian Nerlinger ebenfalls eine klare Wechsel-Absage. 241095(DIASHOW: Die Planspiele des FC Bayern)

Für die anstehenden Aufgaben in der Champions League muss vor allem die Defensive deutlich mehr Stabilität gewinnen.

Großteil der Spieler wieder auf Länderspielreise

Schon beim glücklichen Auftaktsieg gegen Wolfsburg hatte van Gaal einen gewissen "Übermut" bei seinem Team ausgemacht und damit in die gleiche Kerbe wie jetzt Hoeneß geschlagen.

Diese Flausen gilt es den Spielern nun auszutreiben. Das Problem dabei ist allerdings, das van Gaal kaum Gelegenheit hat, mit seiner kompletten Mannschaft zusammenzuarbeiten.

Ein Großteil der Spieler geht nun wieder auf Länderspielreise, schon die Vorbereitung wurde durch die WM empfindlich gestört.

Deshalb vermutet van Gaal, dass seine Mannschaft erst Ende Oktober oder gar im November ihre eigentliche Leistungsfähigkeit zeigen könne.

Englische Woche gegen Bremen und Rom

So viel Zeit bleibt den Münchner aber nicht. Denn nach der Länderspielpause warten schwere Prüfungen auf die Bayern.

Die erste englische Woche der noch jungen Saison steht an, die Gegner sind Werder Bremen und der AS Rom.

Für Übermut oder Überheblichkeit dürfte da kein Platz sein.

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