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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
"Mich interessieren nur die Vereinbarungen zwischen Bruchhagen und mir." © getty

Ausgerechnet gegen die Bayern muss Frankfurt nachlegen im Abstiegskampf. Wie, das verrät Coach Funkel im Interview mit Sport1.de.

Von Christian Paschwitz

München/Frankfurt - Mit Eintracht Frankfurt krebste Friedhelm Funkel schon tief in der Abstiegszone. Wie schon des Öfteren in den vergangenen vier Jahren.

Und wieder mal musste der am Main bei vielen Fans umstrittene Coach um seinen Job bangen.

Dann gab's zwei turbulente Last-Minute-Siege gegen Karlsruhe und in Cottbus, und plötzlich kann Funkel wieder durchatmen.

Nun kommt es zum Duell gegen den FC Bayern (ab 19.30 Uhr LIVE) - den alten und neuen Meister, wie Funkel im Gespräch mit Sport1.de meint.

Zudem spricht der 54-Jährige über die "Funkel-raus-Rufe", die Ziele in dieser Saison und die Arbeit von Jürgen Klinsmann.

Sport1.de: Erst das 2:1 gegen Karlsruhe, dann der Sieg in Cottbus - beides jeweils nach Rückständen. Wie haben Sie die turbulente letzte Woche überstanden?

Friedhelm Funkel: Mir geht es gut. Das ist eben der Fußball. Man kann Phasen, in denen es nicht gut läuft, relativ schnell drehen. Das habe ich meiner Mannschaft immer mit auf den Weg gegeben. Wir haben auch in den Spielen, die wir verloren haben, nicht immer schlecht gespielt. Wir hatten ein schweres Startprogramm mit drei Auswärtsspielen hintereinander.

Sport1.de: Ähnliche Situationen wie jetzt gab es schon häufig in der Vergangenheit bei der Eintracht. Kommt Ihnen das nicht vor wie ein Deja-vu?

Funkel: Das kann jede Mannschaft treffen, wenn man unglücklich startet, viele Verletzte hat oder unglückliche Niederlagen kassiert. Siehe HSV oder Dortmund in der Vergangenheit. Das wir das in diesem Jahr sind, ist natürlich nicht schön. Aber wir können damit umgehen und machen nicht den Fehler wie Nürnberg in der letzten Saison, die am 25. Spieltag noch geglaubt haben, man kann nicht absteigen. Wir wissen, dass wir im Abstiegskampf stecken.

Sport1.de: Nervt es Sie eigentlich trotz Ihrer Erfahrung und ähnlichen Situationen bei der Eintracht in den Vorjahren, dass die "Trainer-raus-Rufe" so schnell kommen und Ihr Job zur Disposition gestellt wird?

Funkel: Das nervt mich nicht. Außerdem ist mein Job nicht zur Disposition gestellt worden.

Sport1.de: Aber öffentlich wurde er in Frage gestellt!

Funkel: Das interessiert mich nicht. Mich interessieren nur die Vereinbarungen zwischen Heribert Bruchhagen und mir. Ich habe eine große Rückendeckung und Vertrauensbasis von Bruchhagen und Bernd Hölzenbein, so dass ich weiß, dass mein Job überhaupt nicht in Gefahr ist. Ich kann hier in Ruhe arbeiten. Die Verantwortlichen wissen, dass das Verhältnis Trainer/Mannschaft mehr als intakt ist. Deshalb mache ich mir keine Sorgen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Sport1.de: Was die Wertschätzung Ihrer Arbeit betrifft, ist Ihnen also egal, was von den Rängen gerufen wird?

Funkel: Das ist mir völlig egal. Was da erzählt wird, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die wir haben.

Sport1.de: Geht Ihr Aufwärtstrend gegen Bayern München weiter?

Funkel: Durch die zwei Siege haben wir wieder Anschluss gefunden. Ob wir einen Aufwärtstrend haben, kann man aber noch nicht sagen. Wir wissen, dass wir bis Weihnachten wieder in den Tabellenkeller rutschen können. Ein oder zwei Niederlagen, und wir sind wieder unten drin. Wichtig für uns ist deshalb, dass wir keinen so großen Abstand bekommen. Um dann mit einem kompletten, gesunden und konkurrenzfähigen Kader die Rückrunde zu bestreiten. Dann werden wir uns auch aus den unteren Regionen verabschieden.

Sport1.de: Kommen die Bayern jetzt eigentlich gerade Recht, weil alles andere als eine Frankfurter Niederlage eine Überraschung wäre?

Funkel: Ich würde lieber gegen eine andere Mannschaft spielen. Die Bayern sind gerade im Aufschwung. Aber wir werden versuchen, Paroli zu bieten und das Spiel so lange wie möglich offen zu halten.

Sport1.de: Die Frage zielt auch darauf ab, ob die Bayern die Eintracht angesichts der verletzungsbedingten Ausfälle vielleicht unterschätzt....

Funkel: Ich glaube nicht, dass die Bayern uns unterschätzen. Mir wäre wohler, wenn ich den kompletten Kader zur Verfügung hätte. Wenn sieben Stammspieler fehlen, wird das Spiel natürlich schwierig. Die Bayern wären mir am Anfang der Saison lieber gewesen.

Sport1.de: Welche Marschroute geben Sie vor?

Funkel: Es muss heißen kämpfen, kratzen, beißen. So wie wir das die letzten Spiele gemacht haben. Immer wieder aufstehen, auch nach Rückständen. Ich wünsche mir natürlich auch, dass wir mal in Führung gehen und den Einsatz und die Leidenschaft zeigen, zu dem die Mannschaft im Stande ist. Das Offensivspiel, das wir wollen, können wir derzeit wegen verletzungsbedingten Ausfällen nicht aufziehen.

Sport1.de Wie sehen Sie eigentlich die Situation in München und die Kritik an Jürgen Klinsmann?

Funkel: Die Geschehnisse sind doch völlig normal, wenn ein neuer Trainer kommt, der berechtigterweise das ein oder andere versucht zu verändern. Außerdem hatte er beim ersten Training nur wenige Spieler, bevor die anderen nach der EM dazustießen. Diejenigen waren dann später fit.

Sport1.de: Was die Bayern wenig berauschend in die Saison starten ließ.

Funkel: Klinsmann hat rechtzeitig erkannt, dass er auf die fitten, bewährten Stammkräfte zurückgreift, die letzte Saison mit zehn Punkten Vorsprung Meister geworden sind. Seitdem läuft es wieder. Das hat er gut gemacht. Er trainiert ja zum ersten Mal eine Vereinsmannschaft und muss da Dinge verinnerlichen. Zusammen haben sie die Kurve gekriegt, und sie werden in den nächsten Wochen ihren Weg nach oben antreten

Sport1.de Werden die Bayern also trotz Hoffenheim und Leverkusen wieder Meister?

Funkel:Bayern wird wieder Meister. Natürlich.

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