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Franck Ribery erzielte gegen Wolfsburg das wichtige 1:2 © imago

Der FC Bayern peilt die Herbstmeisterschaft an. Es passt, dass der Leistungsträger langsam auch wieder zu alter Frische findet.

Von Daniel Rathjen

München - "Die gebe ich meiner Oma, die macht das schon", entgegnete Franck Ribery dem doch tatsächlich verdutzten Kollegen.

Dieser hatte dem Franzosen gerade einen Karton mit Autogrammkarten überreicht, mit der Bitte, diese zu signieren.

Er hätte es eigentlich wissen müssen - der schlagfertige Superstar des FC Bayern ist immer für einen flotten Spruch gut.

Doch auch die Szene zeigt: Der Filigrantechniker wird langsam wieder der Alte. Und Eintracht Frankfurt sollte vor dem Duell gegen den Rekordmeister (ab 19.30 Uhr LIVE ) gewarnt sein - mehr als ohnehin schon.

Ein weiteres Indiz: Das "Servus!" zur Begrüßung der Runde beim Pressegespräch an der Säbener Straße kommt dem Ausnahmekicker wieder leichter über die Lippen.

"Ich fühle mich sehr gut"

Seine Miene wirkt finster, das Auge auf der vernarbten rechten Gesichtshälfte ist nach einem Zusammenstoß aus dem Spiel gegen den AC Florenz, noch blutunterlaufen. Doch das Gemüt ist hell.

"Ich fühle mich sehr gut. Noch bin ich nicht bei 100 Prozent, aber in jedem Fall auf dem schnellsten Weg dorthin. Ich brauche nicht mehr lange", stellt der 25-Jährige.

Er versucht, sich nicht unter Druck zu setzen. Ihn wurmt - auch wenn er es nicht offen zugibt - dennoch, dass er dem Bayern-Spiel noch nicht derartig seinen Stempel aufdrücken konnte, wie es ihn in der vergangenen Saison ausgezeichnet hatte.

Für Bayern unverzichtbar

Eines ist klar: Das Spiel des FC Bayern steht und fällt mit der Form eines Ribery. Mit seinen Dribblings, den Überraschungsmomenten ist er unverzichtbar.

Die Folgen des Syndesmoserisses, den sich der Mittelfeldstratege bei der EM 2008 gegen Italien (0:2) Mitte Juni zuzog, wogen lange schwer.

Sein Tor zum 1:2-Anschluss gegen den VfL Wolfsburg (Endstand 4:2) war der erste zählbare Akzent, den er nach seiner langen Verletzung setzte.

Klinsmann gibt ihm Zeit

"Er kann noch gar nicht da sein, wo er vor seiner Verletzung war. Dafür war sie zu langwierig. Aber wir freuen uns, dass er mehr Rhythmus aufnimmt", erklärt Jürgen Klinsmann.

"Mit jedem Training mit jedem Spiel wird er besser. Er ist unglaublich ehrgeizig und voller Spieltrieb. Dass wir auf seinen Spielwitz, die Kreativität, die er hat, gewartet haben, ist doch ganz klar", führt der Bayern-Coach weiter an.

In einem Team, das aufgrund der Leistungsdichte vom Konkurrenzkampf bestimmt wird, besitzt Ribery eine Sonderstellung. "So ein Typ wie er ist auch für den FC Bayern nicht zu ersetzen, weil er den Gegner permanent beschäftigt", adelt ihn Klinsmann.

Leise Kritik

Dabei schien es zunächst so, als ob die Chemie zwischen Trainer und "Spaßvogel" nicht stimmte. Auf dem Platz lieferten sich die beiden abseits des Spielgeschehens des öfteren Wortgefechte.

"Wir spielen schon besser, aber noch nicht so gut wie im vergangenen Jahr", kritisiert Ribery.

Auf "dem richtigen Weg" sieht er die Mannschaft dennoch: "Die drei Siege in Folge haben unser Selbstvertrauen gestärkt, das Spielen macht wieder mehr Spaß."

Gleichzeitig fordert er aus den kommenden zwei Spielen gegen Frankfurt und Arminia Bielefeld sechs Punkte.

"Fight" gegen die Eintracht

"Wir erwarten einen Fight. Der Gegner wird alles aus sich heraus holen", warnt Klinsmann zunächst vor der Eintracht.

Auch er hat einen weiteren Fortschritt bei seinem Team ausgemacht, merkt aber an: "Wir sind noch nicht kompakt genug. Das Umschalten auf die Defensive erfolgt zu langsam. Das ist ein gedankliches Problem. Aber dass es geht, hat die zweite Halbzeit gegen Wolfsburg gezeigt."

Der Fuß werde nun, wo sich die Hierarchie immerhin klarer definiert habe, ohnehin nie vom Gas genommen.

Lahm und Toni fehlen

Verzichten muss "Klinsi" weiter auf Luca Toni (Rippenprellung) und Philipp Lahm (Anbruch des Fußwurzelknochens). Bei der Eintracht sind die Sorgen größer.

Im Kader von Trainer Friedhelm Funkel stehen lediglich 17 Akteure, davon drei Spieler aus den Nachwuchsteams.

Den Münchnern wird es ohnehin gleich sein, wer gegen sie antritt. "Am Ende der Saison wollen wir schließlich oben stehen", betont Ribery - ohne Witz.

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