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Leverkusens Arturo Vidal (l.) erzielte gegen Bremen sein drittes Saisontor © getty

Das Wort Meisterschaft nehmen weder das siegreiche Bayer noch die unterlegenen Bremer in den Mund, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Von Michael Schulz

München/Bremen - Bayer ganz oben und Land unter bei Werder, so stellt sich die Lage nach dem 2:0-Erfolg der Leverkusener in Bremen dar.

"Wir müssen da nicht drumrum reden, wir stecken in einer Krise", gab Sportdirektor Klaus Allofs zu.

"Von Meisterschaft muss man nicht mehr reden, wenn man zu Hause so ein Spiel verliert."

Den Frust in der Hansestadt können die meisten Spieler vom vorübergehenden Tabellenführer aus Leverkusen nur zu gut nahvollziehen.

Am Saisonfinale der vergangenen Saison verpasste die Werkself, die lange Zeit auf einem UEFA-Cup-Platz gestanden hatten, mit einem 0:1 zu Hause gegen Werder noch das internationale Geschäft.

Kurz darauf musste Trainer Michael Skibbe gehen, weil er mit dem Team aus zehn letzten Spielen nur sieben von 30 möglichen Punkten geholt hatte.

Adler erinnert an letzte Saison

Das weiß auch Nationaltorwart Rene Adler, der gegen Hugo Almeida (4. und 11.) beziehungsweise Markus Rosenberg (79.) ein Gegentor erhindert hatte.

"Wir müssen von Spiel zu Spiel denken", sagte der Leverkusener Keeper: "In der vergangen Saison sind wir in der Rückrunde eingebrochen. Das müssen wir verhindern."

Labbadia lobt Trio

Adler blieb mit seinen Vorderleuten zum dritten Mal in Folge ohne Gegentreffer. Daher lobte Trainer Bruno Labbadia auch zuerst seine Defensivabteilung, insbesondere die Innenverteidigung.

"Kompliment an die Abwehr um Henrique und Manuel Friedrich", sagte er und fügte hinzu: "Ausschlaggebend war aber auch Simon Rolfes, der die Bälle toll verteilt hat."

Vidal hat "richtigen Riecher"

Der defensive Mittelfeldspieler krönte seine tolle Leistung mit der Vorarbeit zum 2:0 (80.). Den Schuss des Leverkuseners, der seinen Bremer Nationalmannschaftskollegen Torsten Frings in den Schatten stellte, an den Pfosten staubte der Ex-Bremer Manuel Friedrich zum Endstand ab.

In der 71. Minute hatte, so Labbadia, Arturo Vidal den "richtigen Riecher". Der Chilene nutzte eine Fauxpas von Werder-Keeper Christian Vander und Per Mertesacker und brauchte nur noch einzuschieben.

Die Niederlage gegen Werder in der letzten Saison könnte sich nun als Segen für die Leverkusen erweisen. Acht Punkte trennen beide Mannschaften aktuell in der Tabelle.

Champions-League als Fluch für Werder

Bayers Spieler haben an Reife und Konstanz gegenüber dem Vorjahr zugelegt, während für Bremen die zusätzliche Belastung mit der Champions League fast zum Fluch wird.

"Fragen Sie mal bei Werder Bremen und dem VfB Stuttgart nach, warum die 2004 und 2007 Meister geworden sind. Die werden das nicht zugeben. Aber es lag daran, dass sie international nicht gefordert waren", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler fast verständnisvoll in Richtung seines Ex-Klubs:

"So eine Doppelbelastung kann nur Bayern München permanent kompensieren, ganz einfach, weil die Bayern mehr Geld haben und deshalb breiter aufgestellt sind. Alle anderen können das nicht."

"Nicht automatisch Meister"

Völler stellte aber kurz darauf klar: "Das heißt nicht, dass wir automatisch Meister werden.

"Aber", entgegnete Labbadia, "wir wollen ganz oben mitmischen."

Es fehlt das Selbstvertrauen

An den Titel denkt auch an der Weser momentan keiner. Auch die von Völler angesprochene Doppelbelastung sei kein Alibi, so Allofs: "Unser Kader ist so aufgestellt, dass wir die Belastung kompensieren können", erklärte Allofs.

An der Qualität der Spieler liegt es laut Frank Baumann auch nicht, dass die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen: "Das Selbstvertrauen ist einfach nicht so da wie es sein sollte."

Trotz des langen Fehlerprotokolls spricht Trainer Thomas Schaaf auch nur von "Kleinigkeiten, die am Ende entschieden haben".

Zurück zu alter Stärke

Getreu dem Motto "In der Ruhe liegt die Kraft", holt Schaaf nun nicht den Hammer raus, um auf seine Spieler einzuschlagen:

"Wir dürfen jetzt nicht durchdrehen, sondern zusehen, dass wir im Wettkampf wieder zu alter Stärke finden", sagte der Werder-Trainer.

Trotz des sechsten Pflichtspiels in Folge ohne Sieg glaubt er an die rasche Wende: "Ähnliche Situationen haben wir aber in den letzten Jahren immer wieder überstanden."

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