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Maik Franz wechselte 2006 vom VfL Wolfsburg nach Karlsruhe © getty

Der Karlsruher Kapitän bestätigt beim 0:3 gegen Schalke seinen Ruf als Raubein - doch beide Trainer nehmen ihn in Schutz.

Von Martin Hoffmann

München/Karlsruhe - Die Stiftung "Kinderträume" konnte sich am meisten freuen über Maik Franz.

Der Karlsruher Kapitän überweist dem Verein, der todkranken Kindern Wünsche erfüllt, seit Saisonbeginn öffentlichkeitswirksam Geld für jede Gelbe und Rote Karte, die er kassiert.

Für den Platzverweis beim 0:3 gegen Schalke gibt es 1000 Euro für den guten Zweck.

So hat alles, was Franz auf dem Platz leistet sein Gutes - auch wenn er Fußball-Deutschland mal wieder in Aufregung versetzt.

Mit den Szenen vor und nach der Gelb-Roten Karte bestätigte Franz mal wieder seinen Ruf als Raubein - da überrascht es, dass ihn hinterher beide Trainer in Schutz nahmen.

"Kann ich nicht schlecht bewerten"

Die aufheizende Geste in Richtung Publikum, mit der Franz sich den Feldverweis einhandelte, sah sein Trainer nicht als gelbwürdig an.

"Er wollte nur die Zuschauer mobilisieren und auch für die Mannschaft ein Zeichen setzen", befand Edmund Becker: "Bei dieser Szene darf ihn der Schiedsrichter nicht vom Platz stellen."

Beckers Schalker Kollege Fred Rutten sah das ähnlich: "Wenn ein Spieler bei den Fans für Stimmung sorgen will, kann ich das nicht schlecht bewerten."

Gartenstuhl als Frust-Ventil

Aber es war nicht nur der Platzverweis an sich, der die Gemüter erhitzte: Es war eine ganze Rüpel-Revue, die Franz an diesem Abend zelebrierte.

Vor dem Platzverweis: Das von Schiedsrichter Herbert Fandel ungesehene Umrennen von Schalkes Jefferson Farfan, die Theatralik, mit der er sich nach Farfans Revanche-Foul am Boden wälzte, die wilden Diskussionen mit der Schalker Bank.

Hinterher: Der Tritt gegen einen unbeteiligten Gartenstuhl und das Touchieren des Schiedsrichter-Assistenten, das ihm womöglich noch ein Ermittlungsverfahren des DFB und eine längere Sperre einbringt.

Polarisierende Imagepflege

Es sind Szenen, mit denen Franz seinem Bösewicht-Image erneut gerecht wurde.

Denn so sehr er gegnerische Fans und Spieler reizt - Stuttgarts Mario Gomez beschimpfte ihn vergangene Saison - öffentlich als A...loch - so sehr verehrt ihn der KSC-Anhang als "Aggressive Leader".

Franz' Auftritt gegen Schalke wird daran nichts ändern. Im Gegenteil. Auf der KSC-Homepage lief auch am Tag nach dem Schalke-Spiel noch die Umfrage zum "Spieler des Tages". Es führt: Maik Franz.

Überragender Kuranyi

Auf Seiten der Königsblauen fällt diese Ehre fast sicher Kevin Kuranyi zu: Der Stürmer ist dabei, sich nach dem Nationalmannschafts-Rauswurf in einen Lauf zu spielen.

Nicht nur, dass er das 2:0 selbst erzielte, er war auch an den beiden anderen Treffern beteiligt und überzeugt die ganze Partie über spielerisch und kämpferisch.

Kuranyi wirkt mittlerweile wie befreit, nachdem er kurz nach dem Eklat beim DFB-Team noch neben sich zu stehen schien.

"Schalke profitiert vom Rücktritt"

Mittlerweile aber ist Schalkes Manager Andreas Müller überzeugt, dass die Affäre für Kuranyi wie ein reinigendes Gewitter wirken wird: "Vom Rücktritt aus der Nationalelf wird Schalke perspektivisch profitieren", glaubt er.

Kuranyi selbst hielt sich nach Abpfiff mit Kommentaren zurück: "Ich will lieber noch bessere Leistung bringen", meinte er nur und verschwand in den Mannschaftsbus.

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