Der wahnsinnige Wahnsinns-Wahnsinn
Der 31. August ist ein Tag mit Folgeschäden.
Wenn mir meine Großmutter in den ersten Tagen danach erzählt, sie hätte die Frau Aiwanger im Edeka gesehen, dann glaube ich ihr das erst einmal nicht.
Ich glaube es erst, wenn es eine seriöse Zeitung wie der "Guardian" vermeldet.
Und als Fakt akzeptiere ich es erst, wenn es dann auf der Edeka-Homepage offiziell bestätigt wird - mit Foto von Frau Aiwanger im Edeka-Trikot.
Der 31. August, der letzte Tag vor Transferschluss, schürt Misstrauen gegenüber der Behauptung, jemand sei "gesehen worden".
Am Tag, an dem sich der ganz normal wahnsinnige Wechsel-Wahnsinn zum unnormal wahnsinnigen Wahnsinns-Wahnsinn verdichtet, werden auch mehr Menschen gesehen, als das menschliche Auge verträgt.
Mario Gomez etwa wurde von einem User der Online-"Sun" am Flughafen in Liverpool gesehen.
Lothar Matthäus wurde - warum auch immer - von verschiedenen Lesern der "FAZ" in Hannover, Madrid und Istanbul gesehen.
Und ein ehrbarer User des schon erwähnten "Guardian" schwor feierlich, Cristiano Ronaldo beim Spaziergang durch Manchester an der Geschäftsstelle des FC Fulham gesehen zu haben.
Und dann waren da auch noch die diversen deutschen Internet-Nutzer, die hier bei SPORT1 und anderswo versicherten, sie hätten Rafael van der Vaart an verschiedenen Orten in München gesehen.
Oder dass sie zumindest jemanden kennen würden, der Rafael van der Vaart gesehen hätte.
Oder dass sie jemanden gesehen hätten, der jemanden kennen würde, der Rafael van der Vaart gesehen hätte.
Letztlich ist er dann doch in Tottenham gelandet.
Das Irrwitzige dabei aber war, dass er beinahe eben nicht dort gelandet wäre, weil Spurs-Coach Harry Redknapp auch jemanden kannte, der ihm gesagt hatte, dass er van der Vaart in München gesehen hätte - und er für 20 Millionen Euro dorthin wechseln würde.
Erst als er erfahren hätte, dass das nichts würde - so Redknapps Schilderung - habe er sich kurzentschlossen entschieden, van der Vaart für acht Millionen zu kaufen.
Real Madrid hat nur hinterher erklärt, dass sie van der Vaart nicht in München gesehen hätten. Und es überhaupt nie Interesse des FC Bayern gegeben hätte (und auch nicht von 1860).
Bei so viel amtlicher Verwirrung sind die Kollegen an den Transfer-Tickern nicht zu beneiden.
Auch weil die nach Sichtungs-News gierigen User ungeduldig werden, wenn mal ein paar Minuten keine kommt.
Und zu fragen beginnen, ob sich denn die ganze Redaktion zum Mittagessen verdrückt hätte.
Bemerkenswerterweise haben die Kollegen von der "Sun" genau das zugegeben.
"Schuldig im Sinne der Anklage", schrieben sie: "Gewaltige Schlangen in der Sun-Kantine: Geröstetes Truthahn-Sandwich mit Füllung und Preiselbeer-Sauce."
Es gibt aber auch dem widersprechende Quellen, die gesehen haben, dass das Truthahn-Sandwich in Wahrheit Lothar Matthäus gewesen wäre.
Egal ob es stimmt: An diesem 31. August hätte Harry Redknapp wahrscheinlich für acht Millionen Euro zugegriffen.
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