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Mauro Camoranesi (l., hier mit Christian Gross) wurde 2006 mit Italien Weltmeister © imago

In Stuttgart herrscht auf und neben dem Platz reichlich Konfliktpotenzial. Kann Alt-Star Camoranesi die Stimmung aufhellen?

Von Tim Tonner

München - Zwei Spiele, null Punkte und nur ein Tor - so lautet die miserable Bilanz des VfB Stuttgart nach dem Bundesliga-Auftakt, die dem Klub über die Länderspielpause die Rote Laterne bescherte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im DFB-Pokal rettete nur ein Doppelpack von Cacau ideenlose Schwaben vor dem peinlichen K.o. bei einem Drittligisten, in der Europa League mühte sich die Mannschaft gegen Molde und Bratislava in die Gruppenphase.

Als Tiefpunkt des schlechten Saisonstarts setzte es ein 1:3 im Heimspiel gegen Dortmund. "Es gibt nichts zu beschönigen", gab Trainer Christian Gross zu.

Sportdirektor Fredi Bobic sprach von "einer indiskutablen ersten Halbzeit" und einer "schwierigen Phase", in der sich der VfB jetzt befinde. Erinnerungen an die desaströse Hinserie der Saison 2009/10 werden wach, die Stuttgart auf Platz 15 beendete.

Die Unterbrechung bietet die Chance, dass einige Profis in ihren Nationalmannschaften Selbstvertrauen tanken - wie Pavel Pogrebnyak, der für Russland in der EM-Quali am Freitag doppelt traf. Eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Wirbel durch Veh-Attacke

Und zusätzlich zu den sportlichen Baustellen entwickelten sich in den vergangenen Tagen noch Nebenkriegsschauplätze wie der große Transfer-Zoff um Mladen Petric.

VfB-Manager Bobic hatte kurz vor Transferschluss mit dem HSV über einen Wechsel des Angreifers verhandelt, die Art und Weise kam bei den Hanseaten nicht gut an.

Bobic' kennzeichnete die Giftpfeile aus Hamburg als niveau- und respektlos.

Fakt ist in jedem Fall, dass der Wechsel des Kroaten scheiterte und der VfB mit seinen vorhandenen Stürmern auskommen muss.

[kaltura id="0_mu7ap8m0" class="full_size" title="Armin Veh: "Das ist aberwitzig""]

Ein weiterer Problemfall: Serdar Tasci. Im Vorjahr als unumstrittener Leistungsträger an der sensationellen Rückrunde beteiligt, fand sich der Nationalspieler zu Saisonbeginn nur auf der Ersatzbank wieder.

"Klar hat mich das genervt. Ich habe oft mit dem Trainer gesprochen und ihm gesagt, wie ich das empfinde", sagte Tasci den "Stuttgarter Nachrichten". Ein Wechsel schien sicher, kam aber dann doch nicht zustande. Stattdessen folgte eine Aussprache mit Gross.

"Wir sind auf die Lösung gekommen, dass ich beim VfB bleibe und wir erfolgreich sein wollen", so Tasci, der zuletzt auch nicht für die beiden Partien in der EM-Qualifikation nominiert wurde. Seinen ersten Saisoneinsatz hatte Tasci dann bei der Pleite gegen den BVB - Erfolg sieht anders aus.

Rückschlag für Delpierre

Zu Tascis Ehrenrettung sei erwähnt, dass Georg Niedermeier, sein Nebenmann in der Innenverteidigung, den deutlich schlechteren Tag erwischte. Aber egal, wer die Fehler macht, die Defensive bleibt Stuttgarts große Problemzone.

Umso bitterer, dass das Comeback von Kapitän Matthieu Delpierre erneut gefährdet ist.

Am Freitag humpelte der Franzose nach dem Vormittagstraining mit Schmerzen im operierten linken Knie vom Platz. Noch ist unklar, ob 29-Jährige gegen den SC Freiburg ins Team zurückkehrt.

Niedermeier schwächelt erneut

Wichtig wäre es, weil Niedermeier im Test gegen den Drittligisten 1. FC Heidenheim (3:2) trotz seines Führungstores erneut keine Sicherheit ausstrahlte.

"Ich erwarte eine höhere Aufmerksamkeit in der Verteidigung - vor allem von erfahrenen Spielern wie Georg Niedermeier", sagte Gross:

"Ich habe ihm gesagt, das Leben ist eine Achterbahn. Es kann nicht immer nur aufwärts gehen." Niedermeier selbst ging in Heidenheim wortlos davon, sein Einsatz in Freiburg ist ungewiss.

Schwammige Erklärungsversuche

Am nächsten Samstag können die Schwaben die erste Kurskorrektur vornehmen, wenn sie denn die genauen Gründe für den Fehlstart bis dahin ausreichend erforscht haben.

"Die Nationalspieler kamen relativ spät, ebenso wie die meisten Neuzugänge", erklärte Rückkehrer Christian Gentner schwammig.

Kurz vor Transferschluss kamen auch noch Mauro Camoranesi und Mamadou Bah hinzu.

Den 22-jährigen Bah bezeichnet Bobic als "jungen, hochtalentierten Spieler. Durch seine Verpflichtung haben wir künftig noch mehr Alternativen im Mittelfeld." (DATENCENTER: Der VfB-Kader)

Heilsbringer Camoranesi

Ob aber vor allem Camoranesi, der bei Juventus ausgemustert wurde, zum Heilsbringer taugt, bleibt abzuwarten. Beim 60-minütigen Debüt gegen Heidenheim zeigte der 33-Jährige zumindest schon gute Ansätze.

"Er hat sich schon gut eingefügt", so Gross, der wie alle beim VfB auf die "Spielintelligenz und Erfahrung" des italienischen Ex-Weltmeisters setzt.

"Er hat einen großen Namen und ein Potenzial, das er immer noch abrufen kann", hofft auch Bobic.

Camoranesis Ziele erscheinen angesichts der aktuellen Tabelle allerdings utopisch: "Ich möchte in dieser Saison oben angreifen und vorne mitspielen."

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