vergrößernverkleinern
Jürgen Klopp schwingt seit Sommer 2008 das Zepter bei der Borussia © imago

Wegen "unsozialer" Ticketpreise wollen die treuen BVB-Fans das Derby auf Schalke boykottieren - Jürgen Klopp unterstützt sie.

Von Tim Tonner

München - Willkommen zum nächsten Akt von Herne-West gegen Lüdenscheid-Nord, von Königsblau gegen Schwarz-Gelb oder einfach nur von Schalke 04 gegen Borussia Dortmund.

Dem absoluten Kracher im Revier droht in der nächsten Auflage am 19. September ein Novum.

Für das traditionsreiche 77. Bundesliga-Duell beider Klubs am vierten Spieltag planen zahlreiche Fan-Gruppen der Borussia einen Boykott des Spiels auf Schalke, und ausgerechnet der Dortmunder Trainer bestärkt sie.

"Ich finde es gut, dass unsere Leute nicht hingehen, um Klaas-Jan Huntelaar zu finanzieren", frotzelt Jürgen Klopp via "Bild". Rumms!

Und dann wäre da ja noch Klopps Spitze in Bezug auf Schalkes Einkaufspolitik. Den Last-Minute-Transfer des Niederländers hatten sich die Knappen immerhin stolze 14 Millionen Euro kosten lassen.

Zusätzlich zu Huntelaar kam auf den letzten Drücker noch Jose Manuel Jurado für satte 13 Millionen Euro. Auch wenn der Spanier nicht unbedingt erste Wahl gewesen sein soll, verteidigte Felix Magath seine Verpflichtungen.

"Das ist unsozial"

Die Anhänger der Schwarz-Gelben wollen den Kaufrausch des Erzfeindes nicht durch drastisch gesteigerte Ticket-Preise unterstützen.

"Das ist unsozial. Mit dieser Preiserhöhung ist die Schmerzgrenze überschritten. Wir müssen endlich mal ein Zeichen setzen", begründet Marc Quambusch, Sprecher der Dortmunder Protest-Initiative den Entschluss bei "derwesten".

Sonst reist er mit seinem BVB durch ganz Deutschland, jetzt sind die gut 30 Kilometer zwischen beiden Städten zu viel. Oder besser gesagt: der Aufschlag von fast 35 Prozent auf die regulären Eintrittspreise sowie zehn Prozent Vorverkaufsgebühr.

Derby ohne die Treuesten der Treuen

Unterm Strich macht das 20 Euro für einen Steh und mindestens 40 Euro für einen Sitzplatz.

"Die Preispolitik ist Sache der Schalker. Aber wir haben Verständnis für unsere Fans", sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: "Auch die Mannschaft fühlt sich nicht im Stich gelassen."

Muss sie auch nicht. Denn der Klub nimmt bereits erworbene Karten der aufgebrachten Fans zurück und erstattet die Kosten, gibt die Tickets dann aber wieder in den Verkauf.

Eine leere Gästetribüne wird es also nicht geben, allerdings sind die Treuesten der Treuen nicht mit von der Partie.

Königsblau verteidigt sich

In Gelsenkirchen kann man den Aufruhr nicht nachvollziehen.

"Wir haben das in der Bundesliga übliche System der Topzuschläge übernommen", verteidigt S04-Vorstand Peter Peters die Preiserhöhung und gibt den schwarzen Peter zurück:

"Wir haben uns auch nicht darüber beschwert, dass der BVB seit Jahren einen Topzuschlag für das Derby erhebt."

Spektakuläre Solidarisierung?

Während sich in der Vergangenheit rund um das Prestigeduell und damit die Vorherrschaft im Ruhrpott immer wieder handfeste Skandale entwickelten, könnte es jetzt eine spektakuläre Solidarisierung der verhassten Fan-Lager geben.

"Sie sind Opfer wie wir, müssen den Aufschlag ja auch bezahlen", versuchen Quambusch und Co. sogar, die Anhänger von Herne-West mit ins Boot zu holen. Fortsetzung folgt...

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel