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Thomas Tuchel trainierte von 2008 bis 2009 die U19 der Mainzer und wurde dann Chef-Trainer © getty

Nach Bances Abgang galt Mainz als Abstiegskandidat, momentan sind sie Dritter. SPORT1 erklärt die Besonderheiten bei Mainz.

Von Matthias Becker

München - In der griechischen Sage ist es Herakles, der der Hydra in den Sümpfen von Lerna den Garaus macht. Die Wasserschlange hatte der Legende nach neun Köpfe, immer wenn einer abgeschlagen wurde, wuchsen zwei neue nach.

Herakles schaffte es letztlich die abgeschlagenen Köpfe mit einer Fackel auszubrennen. Den neunten, unsterblichen, schlug er ab, vergrub ihn und rollte einen großen Stein darüber.

Nun liegen die Heldentaten des Herakles schon ein Weilchen zurück, mancher Bundesligagegner des FSV Mainz 05 könnte sich aber nach der Hilfe des alten Griechen sehnen.

Denn auch wenn der Rhein in Mainz breit und nicht wirklich eine Sumpflandschaft ist, beweisen die Mainzer in ihrem zweiten Jahr nach der Bundesligarückkehr der Hydra ähnliche Fähigkeiten. Wird ihnen ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei nach - mindestens.

Eine Woche vor Bundesligastart verließ Aristide Bance, bester Torjäger und Fixpunkt des Mainzer Systems, die Rheinhessen in einer Nacht- und Nebel-Aktion und setzte sich nach Dubai ab.

Und trotzdem steht der FSV nach zwei Bundesligaspieltagen mit dem schweren Auftaktprogramm gegen Stuttgart und in Wolfsburg mit sechs Punkten auf Platz drei der Tabelle. Am Sonntag (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) kommt mit Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern das zweite Überraschungsteam der Liga zum Derby und tabellarischen Spitzenspiel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vier Mann springen für Bance ein

Die Last von Bances Fehlen wurde einfach auf mehrere Schultern verteilt. In den ersten beiden Partien trafen mit Bance-Ersatz Morten Rasmussen, Neuzugang Sami Allagui, Andre Schürrle und Adam Szalai bereits vier verschiedene Stürmer.

Und der Siegtorschütze vom verrückten 4:3-Erfolg in Wolfsburg demonstrierte auch gleich, dass die Mainzer nur noch nach vorne schauen wollen.

"Ich bin kein Bance-Ersatz ? ich bin Adam Szalai", sagte der junge Ungar selbstbewusst.

Luxuskader für Tuchel

Das Vertrauen in die eigene Stärke bekommen die Nullfünfer von Trainer Thomas Tuchel vorgelebt.

Als die Mainzer vor einem Jahr den Kopf von Aufstiegstrainer Jörn Andersen knapp eine Woche vor Saisonstart überraschend "abschlugen", wuchs der von Tuchel nach.

Der 37-Jährige hat in kurzer Zeit eine Mannschaft geformt, die mit dem Abstiegskampf zu keiner Zeit etwas zu tun hatte und bekam nun für Mainzer Verhältnisse einen Luxuskader zur Verfügung gestellt.

Positionen gut besetzt

In dem ist der Sturm sogar noch am schwächsten besetzt. Im Mittelfeld finden Profis wie Jan Simak und Andreas Ivanschitz teils nur einen Platz auf der Bank.

In der Abwehr haben die Mainzer mit Christian Fuchs und Mailk Fathi zwei Linksverteidiger im Kader, nach denen sich sicher auch Teams aus oberen Tabellenregionen erkundigen werden.

Auf allen Positionen, mit Ausnahme des Torhüters, ist das Team doppelt gut besetzt. Ein bedeutender Unterschied zum ersten Aufenthalt in der Bundesliga, als man unter Jürgen Klopp Ausfälle von Leistungsträgern oftmals nur schwer verkraften konnte.

Spezialisiert auf Zeitarbeit

Ein Problem sieht Tuchel im verschärften Konkurrenzkampf nicht. "In einem Team trägt jeder Spieler seinen Teil dazu bei, dass es erfolgreich ist", sagt er.

Hinzu kommt, dass die Mainzer sich einmal mehr als Spezialisten für Zeitarbeit bewiesen. Die meisten Neuen kamen als Leihspieler, deshalb habe man "kein Budget gesprengt, alles passt in unseren Handlungsspielraum?, erklärt Tuchel.

Profis wie Lewis Holtby wären für Mainz ohne Leihverträge niemals zu finanzieren. Bei anderen wie Fathi, Fuchs oder Rasmussen hat sich Mainz zusätzliche Kaufoptionen gesichert und den Kader der nächsten Jahre so schon perspektivisch vorgezeichnet.

Hochbegabte aus der Jugendabteilung

Zudem steht die nächste Generation von Hochbegabten bereit. Der derzeit an 1860 München ausgeliehene Stefan Bell erhielt vom DFB gerade die Fritz-Walter-Medaille in Silber als zweitbester deutscher Nachwuchsspieler U 19.

Innenverteidiger Jan Kirchhoff und Stürmer Petar Sliskiovic sind ebenfalls auf dem Sprung in den Bundesligakader.

Die Köpfe der Hydra vom Rhein wachsen weiter nach ? und Herakles ist nicht in Sicht.

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