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Holger Stanislawski bestritt 79 Bundesliga- und 178 Zweitliga-Spiele für St. Pauli © getty

Im SPORT1-Interview spricht St.-Pauli-Coach Stanislawski übers Köln-Spiel und wie sich sein Klub den Charakter bewahren will.

Von Daniel Rathjen

München - Die Aufstiegseuphorie ist noch immer groß beim FC St. Pauli.

Auch wenn auf den 3:1-Auftaktsieg in Freiburg das unglückliche 0:1 gegen Hoffenheim folgte: Der Kiez-Klub hat bei seinem Saisonstart überzeugt und seine Erstliga-Tauglichkeit nachgewiesen.

Und vor dem nächsten Spiel beim 1. FC Köln ist nun auch der prominente Neuzugang Gerald Asamoah nach überstandener Oberschenkelverletzung wieder im Training.

Zugleich tobt ein heißer Konkurrenzkampf im Tor: Der bisherige Stammkeeper Mathias Hain ist wegen eines Sehnenabrisses im kleinen Finger angeschlagen.

Und Konkurrent Thomas Kessler ist heiß auf das Duell mit seinem Ex-Klub: "Es wäre ein Traum für mich, in Köln spielen zu dürfen", lässt er im Vorfeld wissen.

Im SPORT1-Interview spricht Trainer Holger Stanislawski über den Konkurrenzkampf, das Köln-Spiel, das nahende Derby mit dem HSV - und darüber, wie sich sein Klub auch in modernen Zeiten seinen Kult-Charakter bewahren will.

SPORT1: Herr Stanislawski, ein Sieg und eine Niederlage stehen zu Buche. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?

Stanislawski: Vor allem mit dem "wie" sind wir sehr zufrieden. Der Auftritt der Mannschaft macht Appetit auf mehr. Es hat noch nicht alles reibungslos geklappt, aber wir haben gesehen, dass wir in der Bundesliga mithalten können.

SPORT1: Gegen Hoffenheim wäre mehr drin gewesen. Trauern Sie den verschenkten Punkten nach?

Stanislawski: Die Niederlage war verdammt bitter, keine Frage. Aber aus Situation wie beim 0:1 werden wir lernen. Das Spiel war zwei Tage später schon abgehakt.

SPORT1: Welche Lehren haben Sie aus diesem Spiel gezogen?

Stanislawski: Dass wir vor dem Tor ruhiger werden müssen. Wir hatten einige gute Möglichkeiten und waren gerade in der ersten Halbzeit überlegen. Wir haben das Spiel intensiv mit der Mannschaft analysiert.

SPORT1: Jetzt steht das Spiel gegen Köln an. Wird Torwart Thomas Kessler gegen seinen alten Verein eine Chance bekommen?

Stanislawski: Wer gegen Köln im Tor steht, entscheiden wir am Spieltag. Das Spiel ist erst um 17.30 Uhr, das wird ein langer Tag. Da hat man mehr als genug Zeit zum Nachdenken. Sicher wäre es für Kessi ein Highlight in Köln bei seinem Ex-Klub zu spielen.

SPORT1: Wie wollen Sie das Spiel gegen die Kölner angehen?

Stanislawski: Es ist nicht unsere Mentalität, uns hinten reinzustellen. Wir predigen der Mannschaft seit Jahren offensiven Fußball. Das ändern wir auch in der Bundesliga nicht. Egal bei welchem Verein wir spielen. Also wollen wir auch in Köln nach vorn und mutig spielen.

SPORT1: Auch Gerald Asamoah wird bald wieder in den Konkurrenzkampf eingreifen. Haben Sie auf einigen Positionen gar ein Luxusproblem?

Stanislawski: Wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader, das erhöht den Konkurrenzkampf und hält das Niveau oben. Genau diese Dichte macht uns auch stark. Jeder hat das Zeug in der Bundesliga zu spielen, Trainingsleistung entscheidet.

SPORT1: In Hamburg wächst die Vorfreude auf das Derby gegen den HSV - auch bei Ihnen?

Stanislawski: Ich beschäftige mich selbst nicht damit, aber es wird von allen Seiten an mich herangetragen. Auch wenn es sich abgedroschen anhört, interessiert mich nur der nächste Gegner, und der heißt Köln. Dass aber in den Medien schon groß über das Derby berichtet wird, ist ganz normal. Es ist für unsere Fans das Highlight der Saison.

SPORT1: Sie waren schon als Spieler mit St. Pauli in der Bundesliga. Was hat sich seitdem verändert?

Stanislawski: Das Spiel ist schneller geworden, die Spieler sind athletischer. Das gesamte Interesse am Fußball hat gewaltig zugenommen. Jedes Spiel wird live übertragen, fast alle Spiele sind ausverkauft. Fußball ist das Gesellschafts-Ereignis Nummer 1.

SPORT1: Ist das Image des "etwas anderen Klubs" noch aktuell?

Stanislawski: Absolut. Natürlich müssen auch wir uns entwickeln und uns den Marktgegebenheiten bis zu einem bestimmten Punkt anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dennoch gehen wir einige andere Wege: Der Stadionname wird nicht verkauft, es gibt keine Präsentation von Eckbällen oder ähnliche akustische Signale beim Spiel. Und vor allem sind die Zuschauer in unserem Stadion überwiegend noch immer kreativ, laut und unangepasst.

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