vergrößernverkleinern
Miroslav Klose (M.) kämpft mit Patrick Ochs (l.) und Marco Russ um die Lufthoheit © imago

Im Herbst scheinen die Bayern unter Klinsmann endlich gereift - weil München genauso spielt und siegt wie unter Ottmar Hitzfeld.

Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt/Main - Sogar Joachim Löw hat auf der Tribüne anerkennend genickt.

Und das tat der Bundestrainer am Mittwochabend im Frankfurter Stadtwald nicht nur, weil zwei seiner Nationalspieler, denen er vor dem Spiel in den Katakomben noch persönlich Glück gewünscht hatte, statt Worten mal lieber Taten offenbarten.

Bastian Schweinsteiger zeigte einen eigenwilligen, aber durchaus gewollten Hackentrick, Miroslav Klose vollendete humorlos.

Fertig war der Ausgleich zum 1:1 nach 65 Minuten gegen einen leidenschaftlich kämpfende, aber spielerisch limitierte Verlegenheitself der Frankfurter Eintracht, der Rest war Formsache an diesem 10. Spieltag.

"Stück für Stück nach oben"

Franck Ribery, der schon das erste Münchner Tor formidabel vorbereitet hatte, schoss fünf Minuten später das 2:1.

Vollendet war der Pflichtsieg des Rekordmeisters, der sich mit kleinen Schritten wieder jenen Tabellensphären nähert, in die er nach seinem Selbstverständnis gehört.

"Wir arbeiten uns da ran. Jetzt wollen wir Stück für Stück nach oben, da bedarf es noch einiger Siege", resümierte Jürgen Klinsmann, naturgemäß viel entspannter als noch vor einigen Wochen.

Das alte bayrische "Mir san mir"

Die Aufwärtsentwicklung, vor allem an den Resultaten, sei nach Einschätzung des Vordenkers, "die logische Konsequenz, dass wir jetzt mehr spielen. Nach der EM konnte diese Mannschaft noch nicht fit sein".

Nun lobte Klinsmann die Seinen für ihre "brutale Entschlossenheit, in der zweiten Halbzeit das Ding reinzudrücken".

Der 44-Jährige verschweigt in diesem Zusammenhang gerne, dass seine anfängliche Experimentierfreudigkeit, sein übersteigerter Reformeifer, sein strittiger Zickzackkurs erst ein funktionierendes Team außer Funktion setzte.

Jetzt wo im Grunde das Stammpersonal und die Stammformation seines Vorgängers Ottmar Hitzfeld spielt, gelingen Siege wie in Frankfurt mit dem alten bayrischen "Mir-san-mir"-Selbstverständnis.

"Der Micho steckt das gut weg"

"Mir war klar, dass wir das Spiel noch drehen", erklärte der abermals stark auftrumpfende Schweinsteiger. "Ich hatte nie das Gefühl, dass wir dieses Spiel verlieren könnten", ergänzte der solide agierende Mark van Bommel.

Das unglückliche Eigentor von Martin Demichelis, der eine Flanke des beim FC Bayern ausgebildeten Markus Steinhöfer ziemlich unglücklich am nicht immer sicheren Torwart Michael Rensing ins eigene Tor grätschte (55.), durfte hinterher belustigt zur Kenntnis genommen werden.

"Der Micho macht das nicht mit Absicht und steckt das gut weg", erklärte Mark van Bommel mit einem breiten Grinsen. "Es hilft der Stimmung in der Mannschaft, wenn man gewinnt. Wir sind auf einem guten Weg - aber noch nicht da, wo wir hingehören."

Individuelle Klasse entscheidet

Achtung, Hoffenheim, Leverkusen, Hamburg! Bei den Bayern ist das Selbstvertrauen in die ureigene Stärke zurück - weil Klinsmann die taktischen Prinzipien des Vorgängers zwangsweise übernommen hat, ja übernehmen musste.

Dieses Starensemble scheint nur nach Hitzfeldschen Grundmustern gehorchen zu können. Für die Spielentscheidung genügte allerdings die individuelle Klasse der Protagonisten.

Irrwisch Ribery

Allen voran die des französischen Irrwischs Ribery. "Wir brauchen so einen Typen. Seinen unbändigen Willen, seine tollen Überraschungsmomente", sagte Klinsmann, der den 25-Jährigen mit allen Freiheiten ausgestattet hat.

"Er braucht noch ein bisschen, aber er schmeißt sich rein, er opfert sich auf."

Und mit Verlaub: Er spielt einfach besser Fußball als der Rest der Liga.

Kampfansage an Hoffenheim

Kapitän van Bommel formulierte frank und frei die Kampfansage an die Überraschungsmannschaft der Liga, die Hoffenheimer Überflieger.

"Ich habe Respekt vor Hoffenheim, die haben einen sehr guten Plan. Aber die kriegen auch ihr Tief. Über Wochen da oben zu stehen, ist auch nicht einfach. Das ist zwar schön anzuschauen, wenn die jetzt da oben stehen, aber die haben noch gar nichts gewonnen. Und gegen uns müssen die auch noch spielen."

Es klang wie eine offene Drohung.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel