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Bremens Neuzugang Mickael Silvestre (l.) spielte zuletzt bei Arsenal London © imago

Die Münchner kommen im Kracher gegen Bremen nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Die Bremer Neuzugänge bleiben blass.

Aus der Allianz Arena berichtet Daniel Rathjen

München - Die Gesichter sprachen Bände.

Das 0:0 gegen ein kompaktes Werder Bremen am dritten Spieltag schmeckte den Akteuren des FC Bayern überhaupt nicht.

Mit angesäuerter Miene stapften sie aus der Allianz Arena. Die Rollkoffer mit ihren diversen Utensilien polternd hinter sich her ziehend.

"Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen und hin müssen", stöhnte ein enttäuschter Sportdirektor Christian Nerlinger.

Am 65. Geburtstag von Ehrenpräsident Franz Beckenbauer in der mit 69.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Allianz Arena war der Nord-Süd-Schlager ein Spiel der vergebenen Torchancen.

Erfolg nur für die Bremer

Die zwei starken Torhüter, Jörg Butt bei Bayern und Tim Wiese im Bremer Tor, ragten dabei heraus.

Beide Mannschaften haben nun jeweils vier Zähler auf dem Konto.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Start in die Champions League können aber nur die Hanseaten das Unentschieden als Erfolg werten.

Schaaf: "Wäre mehr drin gewesen"

"Wir haben die meisten Chancen kreiert und auch die besten - dann muss man auch ein Tor machen. Das ist Qualität, aber auch ein bisschen Glück, jetzt haben wir kein Glück. Es ist immer ein Zentimeter", klagte Münchens Trainer Louis van Gaal.

Sein Pendant Thomas Schaaf empfand das Resultat als gerecht und war mit dem Auftritt zufrieden.

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"Wir haben immer wieder unsere Möglichkeiten gesucht. Leider haben wir nicht immer ganz so ruhig zu Ende gespielt, dann wäre mehr drin gewesen", resümierte Schaaf.

Silvestre und Wesley geben Debüt

Er hatte mit großen Personalproblemen zu kämpfen. Mit den Ausfällen von Naldo (Knieverletzung) und Per Mertesacker (Augenhöhlenbruch) war ihm die gesamte Innenverteidigung weggebrochen.

Sebastian Prödl und Petri Pasanen ersetzten die beiden, Neuzugang Mikael Silvestre gab sein Debüt auf der linken Abwehrseite.

Eine weitere Premiere im Bremer Dress feierte der Brasilianer Wesley im zentralen Mittelfeld. Beide lieferten eine solide Partie.

Van Gaal hatte mit Miroslav Klose, Thomas Müller, Ivica Olic und Franck Ribery, der sein 75. Bundesligaspiel absolvierte, eine schlagkräftige Offensive aufs Feld beordert. Toni Kroos blieb nur die Reservistenrolle.

Kuriose Prödl-Chance

Die Gäste begannen engagiert und profitierten in der Anfangsphase von einigen Unkonzentriertheiten der Bayern, bei denen Fehlpässe zu häufig vorkamen.

Bereits nach fünf Minuten hatte Prödl nach einem Freistoß von Marko Marin die Führung auf dem Kopf.

Schaaf formte seine Lippen schon zum Torschrei - da prallte der Ball auf kuriose Weise erst an den Pfosten, dann an Jörg Butts Fuß, von da an die Latte, um schließlich in den Händen des Bayern-Keepers zu landen.

Bayern ergreift Initiative

Der insgesamt kraftlose deutsche Rekordmeister steigerte sich nur langsam. Immerhin: Chancen gab es in Hülle und Fülle. Müller (8., 11.) scheiterte nur haarscharf.

Die Bremer wurden zusehends in die Defensive gedrängt, die nicht eingespielte Verteidigung erwies sich als logischerweise nicht sattelfest, in der Offensive hatte Wesley noch leichte Anpassungsschwierigkeiten.

Butt rettet gegen Marin

Marko Marin wusste dagegen mit einigen Soli zu glänzen. Bei einem Distanzschuss in der 32. Minute musste sich Butt enorm lang machen, um den Ball noch um den Pfosten lenken zu können.

Auf der Gegenseite hatte Wiese einen Schuss von Ribery gerade noch mit den Fäusten abgewehrt (24.).

Gegen Ende des ersten Abschnitts verlor die Begegnung nochmals an Tempo, den Münchnern mangelte es in der van Gaal?schen Philosophie so genannten Phase drei und vier, in denen es auf den entscheidenden Pass und den Abschluss ankommt, an Präzision.

Kroos ersetzt Klose

Wohl auch aus diesem Grund brachte der Niederländer Kroos für Klose zur zweiten Halbzeit.

Und Kroos rückte sogleich mit einer Doppelchance in den Mittelpunkt: Zunächst setzte er das Spielgerät nach einer Ribery-Flanke per Direktabnahme nur Zentimeter neben den rechten Pfosten (53.).

Nur eine Minute später kam er wieder vollkommen frei zum Schuss - der sehr gut aufgelegte Wiese parierte bravourös.

Gomez zu eigensinnig

Die Frage war: Wem gelingt das Tor - den stürmenden Bayern oder den pfeilschnell konternden Hanseaten? Der eingewechselte Tim Borowski verpasste es auf Bremer Seite nach guter Marin-Vorarbeit haarscharf (70.).

"Joker" Mario Gomez verstolperte in der 81. Minute eigensinnig, Müller wäre neben ihm frei gewesen.

Van Gaal kritisiert Chancenauswertung

Man habe nach der Pause drei hundertprozentige Chancen kreiert, sagte van Gaal nach dem zweiten Spiel seiner Mannschaft ohne Treffer.

"Dann muss man auch ein Tor schießen und dann gewinnt man. So einfach ist das."

Momentan fehlt den Bayern scheinbar die Kraft dazu.

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