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Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick (r.) will Klinsmann möglichst lange ärgern © getty

"Nach dem 10. Spieltag hat die Tabelle Aussagekraft", hat Hoffenheim-Coach Rangnick erklärt. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Von der Sport1.de-Redaktion

München - Ralf Rangnick wird diesen Satz mittlerweile wohl verfluchen.

"Die Tabelle hat erst nach dem zehnten Spieltag Aussagekraft", hatte der Coach von 1899 Hoffenheim mehrfach erklärt.

Rangnick wollte damit die Diskussion um die Tabellenführung seines Klubs von sich und seinen Spielern wegschieben. Nun ist der 10. Spieltag vorbei, Hoffenheim immer noch spitze - und die Diskussion kommt wie ein Bumerang auf den Erfolgscoach zurück.

Natürlich weist Rangnick immer noch jeden Gedanken an den Titel von sich. "Wenn wir unsere Zielsetzung jetzt ändern würden, würde das verloren gehen, was uns stark macht: die Unbekümmertheit."

Mehr als nur ein Strohfeuer

Dennoch ist Zeit festzustellen: Hoffenheims Stärke ist mehr als nur ein von der Aufstiegseuphorie entfachtes Strohfeuer.

Titelverteidiger Bayern, der selbst einen recht wechselhaften Saisonstart erlebt hat, sieht in Hoffenheim bereits einen Anwärter auf Platz 1: "Ich gehe auch davon aus, dass sie sogar ein Konkurrent um den Meistertitel werden", hat Jürgen Klinsmann erklärt.

Den peilt außerdem Bayer Leverkusen an, neben Hoffenheim bislang das Team, das am meisten überzeugt hat.

Sport1.de unterzieht die Bundesliga-Klubs einer ersten Bilanz. Im ersten Teil die Titelkandidaten, das Überraschungsteam und die Verfolger:

Die Titelkandidaten:

Bayern München: Die Bayern nehmen Fahrt auf, das bewies das 2:1 in Frankfurt und das beweist der deutlich nach oben zeigende Trend mit vier Pflichtspielsiegen in Serie.

Positiv lässt sich feststellen, dass Jürgen Klinsmanns Team sich nicht zu Schade sist, auch Kampfspiele wie in Frankfurt anzunehmen. Zudem haben sie mit Franck Ribery, Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger und Ze Roberto vier Schlüsselspieler in guter Form.

Negativ bleibt aber festzuhalten, dass sich die Abwehrprobleme durch die bisherigen zehn Spieltage hindurchziehen und die Mannschaft noch nicht in der Lage ist, eine Partie 90 Minuten lang konstant durchzuspielen.

Bayer Leverkusen: Sieben Siege, drei Niederlagen, so lautet die Bilanz unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia.

Es hätten aber auch zehn Siege sein können. Bei den Pleiten gegen Dortmund, in Hamburg und gegen Berlin hat Bayer 04 eigentlich die Partie bestimmt und seine Spielweise durchgedrückt.

Kein Wunder, dass Sportdirektor Rudi Völler da schon vorsichtig Titel-Ambitionen andeutet.

Das Überraschungsteam:

1899 Hoffenheim: Der Sensations-Aufsteiger elektrisiert die ganze Liga mit seinem Offensiv-Spektakel um den besten Liga-Vollstrecker Vedad Ibisevic (11 Tore).

Hoffenheim gibt die meisten Torschüsse ab, erspielt die meisten Großchancen, praktiziert das beste Pressing.

Dazu steht Ralf Rangnicks Rasselbande auch hinten unerwartet sicher, lässt kaum Großchancen zu.

Die Verfolger:

Hamburger SV: Mit 20 Punkten aus zehn Spielen steht die Elf unter Neu-Coach Martin Jol bestens da, mit einem Auge schielen einige im Umfeld gar auf den Titel.

Die beiden bitteren 0:3-Pleiten gegen Wolfsburg und Hoffenheim haben Hamburg aber auch die Grenzen aufgezeigt.

Doch womöglich verschieben sich diese Grenzen, wenn die spät verpflichteten Zugänge wie Neves, Jansen und Silva voll integriert sind.

Schalke 04: Bis zum 5. Spieltag lief es für die Königsblauen optimal: Drei Heimsiege, Unentschieden in Bremen und Dortmund, Tabellenführer. Doch dann folgten vier Spiele ohne Sieg und der Absturz auf Platz sieben.

Die Defensive ist die beste der Liga, doch im Sturm ist die Abhängigkeit von Kevin Kuranyi (fünf Tore) zu groß, Neuzugang Jefferson Farfan fehlen die erhofften Knipser-Qualitäten. Ob das 3:0 in Karlsruhe die Wende zum Guten war, muss sich erst zeigen.

Borussia Dortmund: Ruckzuck Dritter, dann der Fall auf Rang zehn, jetzt Siebter: So ein bisschen fährt die Borussia Achterbahn.

Last-Minute-Tore gegen Schalke, Udine und Bremen sprechen aber für ein intaktes Teamgebilde unter der Regie von Neu-Coach Jürgen Klopp.

Ein unglückliches Aus gab's im Uefa-Cup, dafür steht der BVB im Achtelfinale des DFB-Pokals.

Und: Mit dem "Kinderriegel" Neven Subotic und Mats Hummels hat die Borussia eine Innenverteidigung mit Perspektive.

VfL Wolfsburg: Die "Wölfe" haben vor der Saison einiges investiert, um die Entwicklung nach oben voranzutreiben und es hat durchaus Erfolge gezeitigt.

Wolfsburg agiert konstant auf spielerisch gutem Niveau und ist vor allem daheim schon auf Top-Level: 13 von 15 Punkten.

Größtes Problem des VfL: die Auswärtsschwäche. Noch kein Sieg, nur drei Zähler, zwei unnötige Niederlagen gegen Karlsruhe und die Bayern - eine echte Spitzenmannschaft würde weniger herschenken.

Hier geht es im zweiten Teil zu den Enttäuschungen der Liga.

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