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Michael Ballack geht nach seiner erneuten Verletzung wieder an Krücken © imago

Nach seinem erneuten Rückschlag muss Michael Ballack lange pausieren. Von seinem Verein bekommt der Leverkusener Unterstützung.

Von Thorsten Mesch

München - Die Diagnose traf Michael Ballack hart.

Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines, lautete das Ergebnis nach einer Kernspin- und Computertomographie am Sonntagvormittag.

Sechs Wochen Pause, so die Prognose. 237940(DIASHOW: Ballacks Verletzungen)

Während sich seine Leverkusener Teamkollegen auf das Europa-League-Spiel gegen Rosenborg Trondheim am Donnerstag vorbereiten, geht Ballack an Krücken. Wieder einmal.

Seine Verletzung, die laut Informationen des Vereins nicht operiert, sondern "klassisch behandelt" wird, sei "ein Schock für ihn und uns alle", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler.

Klubchef Wolfgang Holzhäuser sprach sogar von einem "menschlichen Drama" und Trainer Jupp Heynckes ergänzte: "Die Verletzung kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt, Michael war auf einem sehr guten Weg."

Von seinem Verein bekommt der 33-Jährige, der sich am Samstag beim 2:2 (0:1) bei Hannover 96 verletzte und nach einer halben Stunde vom Feld musste, nach seinem erneuten Rückschlag bestmögliche Unterstützung. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Unterstützung durch den Verein

"Auf Michael ist so viel eingeprasselt, das hat Spuren bei ihm hinterlassen. Der Junge tut mir leid. Aber Michael muss wieder aufstehen. Und wir werden ihm dabei helfen", sagte Völler dem "Express".

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"Das tut mir unheimlich Leid für den Michael", erklärte Holzhäuser, "all dieses Pech hat er nicht verdient. Aber er besitzt einen so starken Charakter, dass er auch diesen schweren Rückschlag überwinden wird."

Wieder bei null anfangen

Aus dem "Leitwolf" Ballack war zuletzt ein "Leid-Wolf" geworden.

Wegen eines im englischen Pokalfinale Mitte Mai erlittenen Syndesmose- und Innenbandanrisses im rechten Fuß hatte Ballack die WM in Südafrika verpasst und sich gerade erst wieder in Form gebracht.

Für eine Berufung in den Kader der Nationalmannschaft hatte es dennoch nicht gereicht. Und nun muss Ballack, der den Kapitänsposten im DFB-Team bis auf weiteres an Philipp Lahm verlor, schon wieder bei null anfangen.

Nicht an Rücktritt gedacht

Ob er nach der schweren Zeit nach dem WM-Aus ans Aufhören gedacht habe, wollte ein "ZDF"-Reporter am Samstagabend wissen. "Nee", das habe er nie getan, antwortete Ballack, der zu diesem Zeitpunkt die genaue Diagnose allerdings noch nicht kannte.

Im Gegenteil. Er werde weiter kämpfen, denn das habe er "ja immer getan."

Dennoch scheint die Diskussion um die "K-Frage" in der deutschen Auswahl nicht spurlos an Ballack vorübergegangen zu sein.

Indirekte Kritik

"Die letzten Wochen waren nicht einfach für mich. Ich bin da Betroffener und sehe das anders als viele Außenstehende", gewährte Ballack einen kleinen Einblick in sein Innenleben.

Die Wochen und Monate seit seiner Verletzung im Mai hätten ihm "einiges gezeigt, wie es läuft", erklärte der Mittelfeldspieler.

Ihn wundere "nichts mehr bei dem, was in den letzten Wochen passiert ist" sagte Ballack und übte damit indirekt Kritik an einigen Nationalmannschaftskollegen und am Verhalten von Bundestrainer Joachim Löw.

Freude über Unterstützung

Das Vertrauen, den Beistand und die Loyalität, die er in Leverkusen erfährt, hat Ballack im Kreis der Nationalmannschaft offensichtlich vermisst.

Erfreut zeigte er sich dagegen von der Rückendeckung durch Nationalspieler wie zuletzt Bastian Schweinsteiger.

"Einige können sich noch an die Leistungsstärke vor meiner Verletzung erinnern. Viele Spieler halten zu mir, und das ist schön zu wissen. Da freut man sich über die Unterstützung", sagte Ballack.

Aufmunternde Worte von Beckenbauer

Der Bundestrainer ließ dem "Capitano außer Dienst" Genesungswünsche übermitteln. "Es tut mir leid für Michael, dass er einen neuen gesundheitlichen Rückschlag hinnehmen muss. Natürlich wünsche ich ihm schnelle und gute Besserung."

Aufmunternde Worte fand Ex-DFB-Teamchef Franz Beckenbauer: "Ich traue ihm zu, dass er mit seinem Willen die Rückkehr in Bundesliga und Nationalelf schafft", sagte Ballacks ehemaliger Vereinspräsident der "Bild".

DFB-Comeback steht in den Sternen

Doch Ballacks Rückkehr in den Kreis der DFB-Auswahl ist durch seine erneute Verletzung auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die EM-Qualifikationsspiele im Oktober gegen die Türkei und in Kasachstan wird er sicher verpassen und ob er im November in Schweden wieder fit sein wird, ist eher unwahrscheinlich.

Es wird sogar vermutet, ob der 98-malige Nationalspieler überhaupt noch einmal mit dem Adler auf der Brust auflaufen wird. Den Spekulationen sind keine Grenzen gesetzt.

Rückkehr noch in der Hinrunde

"Im Fußball geht es manchmal komisch und schnell", hatte Ballack am Samstagabend mit Blick auf seinen schwindenden Status im DFB-Team gesagt.

Es wäre ihm zu wünschen, dass er möglichst schnell wieder gesund wird und noch einmal zu alter Stärke findet.

In Leverkusen werden die Hoffnungen auf eine schnelle Genesung des Stars verhalten optimistisch geäußert.

Auf die Frage, ob man Ballack in der Hinrunde noch einmal spielen sehen werde, antwortete Völler: "Ich hoffe" - und ergänzte: "Doch, ich denke schon."

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