In seinem Gastkommentar beschreibt Lotto-King-Karl seine Gedanken zum langersehnten Derby zwischen dem HSV und St. Pauli.

Hallo Fußball-Fans,

lange ist es her. Nach Meinung der Fans des FC St. Pauli viel zu lange und derzeit sind viele Paulianer irritiert, dass eine Menge HSV-Fans das genau so sehen - es ist endlich wieder ein Derby in der Stadt.

Nicht entstanden durch eine glückliche Auslosung im DFB-Pokal, nicht in der zweiten Liga, nein, in der ersten. Natürlich, denn der HSV spielt ja immer erstklassig oder zumindest in der ersten Liga!

Es ist also ein Derby, dass sich beide Vereine redlich verdient haben durch sportliche Leistungen und genau darum sollte es ja auch gehen in einem Derby - bei aller Rivalität: Sportlichkeit!

Und tatsächlich habe auch ich in Erwartung eines solchen Tages St. Pauli für den Aufstieg die Daumen gedrückt und bei aller Elektrizität, die dieses Spiel in unserer Stadt auslöst: Fast scheint es, dass so mancher Betrachter uns HSV-Fans nicht zugetraut hat, dass wir das ernst meinen. Aber es ist so.

Mal finanziell betrachtet, ist es ohnehin für beide Vereine ein Festtag und für den HSV sowieso, denn wann kann man schon bei einem Spiel gegen einen Aufsteiger derart absolut von einem ausverkauften Haus ausgehen, wie das beim Rückspiel im Volkspark im Februar der Fall sein wird?

Nun geht es aber erst einmal ans Millerntor und das bedeutet für mich: Ich muss leider draußen bleiben!

Das ist nicht das Revier von Dirk Böge, auf dem Kiez schwingt seit 1986 der Kollege Rainer Wulff das Mikro. Ganz weg vom Fenster sind wir aber nicht, denn zeitgleich moderieren wir das "Public Viewing" in der Imtech-Arena im Volkspark. Auch für uns ist es also kein normales Auswärtsspiel unserer Mannschaft!

Dazu kommt, dass man bei St. Pauli die Tradition pflegt, beim Warmmachen der Spieler die Hymne der Gäste zu spielen, ich werde also mit "Hamburg, meine Fußballperle" auch dort vertreten sein - live allerdings nur zusammen mit meinem besten Freund Carsten Pape bei unserer Veranstaltung.

Interessant ist dabei: Es passt ja auch, denn St. Pauli gehört ja auch zu Hamburg! Und erstaunlich ist dabei: Das scheint einigen Leuten erst jetzt aufzufallen! Offen gestanden: Ich wußte es schon vorher, auch damals, als ich zusammen mit meinen Bandkollegen Thorsten Heintzsch, Frank Itt und Klaus Volland diesen Song geschrieben habe, was immerhin auch schon mehr als neun Jahre her ist.

Überrascht reagiert man nun darauf, dass im Text so mancher Club seine Zeile mitbekommt, der FC St. Pauli aber nicht. Wie konnte das passieren? Nun, das kann man so oder so sehen: Zum Einen werden dort die klassischen Rivalen wie Bremen oder die Bayern erwähnt - das haben die sich ja auch redlich erarbeitet!

Die Hauptstadt musste rein, klar, es ist ja die Hauptstadt, dazu noch die damals aktuellen Bundesligisten aus den neuen Bundesländern - das mag manchem eine seltsame Art der Respektbezeugung erscheinen, aber es ist tatsächlich so gemeint: Wenn man nur Platz hat, acht Vereine zu erwähnen, ohne dass der Titel ewig lang wird, hat das schon einen Grund, wenn man diesen Vereinen ein Viertel des Strophentextes widmet.

Ach ja: Leverkusen mußte rein, weil damals der Wechsel von Hans-Jörg Butt noch eine frische Narbe bei uns war - was ganz lustig ist, denn wenn die Bayern bei uns zu Gast sind, beginnen wir jede Zeile mit "Wenn Du aus München kommst..." und im Fall von Butti passt es ja dann wieder! Und natürlich geht es auch um Traditionsvereine und wenn du Schalke erwähnst, musst du Dortmund als neutraler Hanseat natürlich auch einbauen!

Aber der "Hamburger Dom" wird erwähnt, unser großes Volksfest, das mehrmals im Jahr stattfindet. Auf dem Heiligengeistfeld - das ist quasi dort, wo das Millerntorstadion steht! Also, liebe Pauli-Fans: Fühlt Euch nicht missachtet, denn das entspricht nicht den Tatsachen - aber es ist ja am Ende des Tages nur ein Lied. Viel wichtiger ist das Spiel und dabei denke ich, dass die Tore für den HSV sprechen werden!

Holger Stanislawski, der Trainer vom Gastgeber, hat es gesagt: "Ruud hätte sich sicher nie vorstellen können, mal am Millerntor zu spielen" - und das ist eine wahre wie gute Aussage, zeigt sie doch, dass man sich auch im Lager der Paulianer ganz ohne auswuchernde Emotionen auf dieses Spiel freuen kann!

Rivalität selbstverständlich, aber keine Gewalt; das ist das, was sich alle Hamburger wünschen, gleich danach wünscht man sich drei Punkte - für den eigenen Lieblingsverein natürlich!

Und da gibt es eine weitere Gemeinsamkeit, denn ich denke mal, dass jeder Fußballfan aus den gleichen Gründen Fan seines Clubs ist - nur dass es eben unterschiedliche sind. Auch nichts Besonderes an sich, denn das nennt man schlichtweg "Spannung". Und die ist ganz sicher auch jetzt schon zu spüren!

Sportlich haben sich die beiden Teams dieses Derby verdient, freuen wir uns also auf eine sportliche Auseinandersetzung!

Zwischen den Spielern sollte es ohnehin kaum Brisanz geben: Außer Collin Benjamin gibt es keinen Kicker in beiden Kadern, der schon einmal ein Derby bestritten hat, und auch sonst gibt es eher Verbindungen als Reibungspunkte: Piotr Trochowski und Lennard Sowah kommen aus der Jugend von St. Pauli wie umgekehrt Bene Pliquett und Rouwen Hennings beim HSV gekickt haben.

Holger Stanislawski hat in der Jugend beim HSV gespielt und Charles Takyi ist nicht nur ehemaliger HSVer sondern auch ehemaliger Untermieter von Guy Demel!

Dazu kommt in meinem Fall, dass der Pressesprecher von St. Pauli Christian Bönig auch noch ein ehemaliger Kollege von mir bei "Radio Hamburg" ist und ich den Pauli-Protagonisten Kalle im aktuellen TV-Spot von "entertain / t-com" (deren Radiospots u.a von mir gesprochen werden) mehrmals im Jahr am Grab unseres gemeinsamen Freundes Michel Goens treffe.

Bei Michel ist mir seinerzeit sogar das Kunststück geglückt, ihn zumindest zum HSV-Sympathisanten zu bekehren. Große Worte? Nein, das waren seine Worte damals: "Ich konvertier' jetzt zu Euch", schrieb er mir, als wir den Liga-Pokal gewonnen hatten.

Es gibt also keinen Grund für Blödsinn, aber genug Gründe, sich auf den Sonntag zu freuen! Meine Band und ich nehmen ohnehin einen langen Anlauf, denn am Freitag und Samstag spielen wir zwei Konzerte im Hamburger Stadtpark und beenden dort die Open-Air-Saison.

Auf ein gutes Spiel, Leute! Und ich sag, die Punkte gehen an uns...;-)

Euer Lotto-King Karl

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