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Olaf Thon bestritt 443 Bundesliga-Spiele für Schalke und Bayern © getty

Vor dem Duell gegen den BVB beurteilt S04-Legende Olaf Thon Felix Magaths Personalpolitik und beschreibt die Stimmung auf Schalke.

Von Tim Tonner

München - Für die einen ist es die Möglichkeit, ihren Lauf fortzusetzen, für die anderen bietet sich eine weitere Chance auf die dringend benötigte Kehrtwende: Dortmund und Schalke gehen mit äußerst unterschiedlichen Voraussetzungen ins Revier-Derby am Sonntag (17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Der BVB schwimmt nach dem dramatischen Sieg in der Europa League bei Karpaty Lwiw weiter auf der Welle des Erfolges, die Schalker dagegen mussten mit der Champions-League-Niederlage in Lyon die vierte Pleite in Folge einstecken.

Da kommt das Prestige-Duell mit dem Erzrivalen gerade recht, um zurück in die Erfolgsspur zu finden. "Ein Sieg gegen Dortmund würde vieles vergessen machen", bestätigt das Schalker Urgestein Olaf Thon.

Im Gespräch mit SPORT1 analysiert der Weltmeister von 1990 die Probleme der Königsblauen, beurteilt Felix Magaths Personalpolitik und beschreibt die Stimmung bei S04 vor dem Spiel des Jahres.

SPORT1: Herr Thon, nach dem Schalker Fehlstart in der Liga kam jetzt auch noch die Pleite in Lyon dazu. Welche Gründe sehen Sie für die Misere?

Olaf Thon: Wenn man einen negativen Trend hat, passieren solche Dinge wie die verunglückte Kopfballrückgabe (von Christoph Moritz in Lyon, Anm.d.Red.) und wie leichtfertig vergebene Chancen. Das größte Problem ist, dass die Abwehr so wackelt. Man kann froh sein, dass man einen Manuel Neuer im Tor hat. Er tut mir leid, weil er in dieser Abwehr jetzt auch so schlecht wegkommt. Ich hoffe, dass Schalke 04 sich ganz schnell fängt, sich einspielt und vor allem hinten eine gute Formation findet. Sie müssen den Laden einfach mal wieder dicht halten.

SPORT1: War der radikale Umbau von Felix Magath zu risikoreich?

Thon: Bisher sieht es so aus, ja. Raul hat Probleme mit der Schnelligkeit und kommt gerade auswärts gar nicht erst in den Strafraum. Er muss mit Huntelaar und Farfan schleunigst das Zusammenspiel verbessern. Gewundert hat mich, dass Jose Manuel Jurado nicht zum Einsatz kam. Er hat ja in den letzten Jahren bei Atletico Madrid immer gespielt. Die Qualität ist da. Aber die Mannschaft muss sich rasch finden, sonst bleibt sie in diesem negativen Sog und begeht weitere Fehler.

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SPORT1: Auch im Mittelfeld hakt es.

Thon: Stimmt, Rakitic, Jones, Schmitz oder wer auch immer da bisher gespielt hat, sie finden alle nicht zu ihrer Form aus dem letzten Jahr. Es fehlt zudem an der Ordnung in der Defensive, die für Sicherheit in den anderen Mannschaftsteilen sorgen und das Spiel nach vorne tragen soll.

SPORT1: Was erwartet das Schalker Umfeld jetzt vom Spiel des Jahres?

Thon: Der Druck im Derby ist enorm hoch. Die Stimmung ist derzeit etwas abwartend und verhalten. Alle wünschen sich den Befreiungsschlag, und ein Sieg gegen Dortmund würde vieles vergessen machen. Vor allem die Fans sind gespannt, nervös und fiebern dem Duell entgegen.

SPORT1: Schalke hat ein Heimspiel, der BVB die gute Form. Wer ist für Sie der Favorit?

Thon: Dortmund hat sicherlich die besseren Karten. Aber ich hoffe als Schalker natürlich auf einen Sieg, auch wenn es nur ein erkämpftes und glückliches "Sieglein" wird. Ich bin Optimist und denke erstmal positiv. Dortmund hat durch das Europa-League-Spiel einen Tag weniger Regeneration, das könnte ein Vorteil für Schalke sein. Es wird auf das Nervenkostüm ankommen und die ersten Minuten.

SPORT1: Nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr und den prominenten Transfers war die Euphorie auf Schalke riesig. Ist die Saison nach diesem Auftakt schon verkorkst?

Thon: Alle haben erwartet, dass Schalke 04 wieder um die Meisterschaft mitspielt. Die Bestätigung einer solchen Leistung ist aber immer die größte Schwierigkeit. Das Derby wird ein echter Gradmesser sein. Danach kann man sagen: Das ist eine verkorkste Saison, oder es ist ein Aufbruch zu alten Stärken wie im letzten Jahr. Es ist ein ganz richtungsweisendes Spiel, aber gerade Felix Magath liebt die Herausforderung.

SPORT1: Geht Ihnen als Schalker Urgestein die Situation besonders nahe?

Thon: Ich kenne natürlich noch alle und fiebere mit. Aber ich muss da drüberstehen, weil ich ja auch einfach nicht helfen kann. Nichtsdestotrotz kann ich mitfühlen, wie es in den Protagonisten aussieht und welchem Druck sie momentan ausgesetzt sind.

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