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Peter Neururer trainierte den FC Schalke von April 1989 bis November 1990 © getty

Für Ex-Coach Peter Neururer läuft bei den "Knappen" vor dem Revierderby gegen Dortmund "alles" schief. Der Klub sei ausgeblutet.

Von Björn Seitner und Benjamin Bauer

München - Für Peter Neururer war der FC Schalke 04 immer eine Herzensangelegenheit.

Nachdem der Gelsenkirchener die "Knappen" von April 1989 bis November 1990 trainierte, wurde er 1991 Vereinsmitglied - seine Liebe galt immer den "Königsblauen".

Im Juni 2009 dann die Kehrtwende, Neururer kündigte seine Mitgliedschaft.

Die Begründung: "Was auf Schalke in den letzten Wochen abgelaufen ist, ist für mich nur noch stillos und oberpeinlich!"

Ganz nach dem Motto: "Schlimmer geht's immer", meldet sich Neururer, der in seiner Karriere 14 verschiedene Verein trainierte, vor dem 77. Bundesliga-Derby zwischen Schalke und Borussia Dortmund (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) nun bei SPORT1 zu Wort:

"Schalke ist ausgeblutet bis zum 'Gehtnichtmehr'. Die sind klamm bis unter die Decke", sagt der 55-Jährige.

"So kann ich keine Mannschaft umkrempeln"

Insgesamt etwa 250 Millionen Euro Schulden hat man in Gelsenkirchen angehäuft, was die Klub-Verantwortlichen und Trainer Felix Magath allerdings nicht davon abhielt vor der Saison für 36 Millionen Euro 13 Neuzugänge zu verpflichten.

"Dieser Umbruch ist finanziell nicht rechenbar. So etwas hat es im deutschen Fußball noch nicht gegeben", sagt Neururer.

Und er erzürnt sich weiter: "Da hat man alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Alles. So kann ich keine Mannschaft umkrempeln."

Kritik an Magaths Vertrag

Auch beim Vertrag des Trainers habe man Fehler gemacht. "Was dort abgelaufen ist, ist schier unglaublich", erklärt der Ex-Bundesligacoach.

"Es sieht so aus, als ob sich Magath nur selbst beurlauben kann. Wie soll das gehen? Egal ob er geht oder gegangen wird, er hat Anspruch auf Gehalt bis zum Vertragsende. Das kann man sich gar nicht erlauben."

Der Druck auf den sportlichen Alleinherrscher ist schon vor dem Revierderby enorm.

Drei Niederlagen, Null Punkten und ein Torverhältnis von 2:6. Schalke steht nach dem schlechtesten Saisonstart seit der Abstiegssaison 1987/88 derzeit auf dem 18. Tabellenplatz.

"Auf Schalke brennt die Luft", weiß Neururer.

"Wenn das Spiel gegen Dortmund in die Hose geht, dann geht die Post ab. Dann wird es mit Sicherheit windiger als es jemals auf Schalke war."

[kaltura id="0_oc1a76cu" class="full_size" title="Magath Nur ein Sieg zählt"]

Was machen die Fans?

Gegen den BVB dürfe man nicht verlieren, sonst könne sich Neururer "gut vorstellen", dass auch die Fans auf die Barrikaden gehen.

So sieht es auch Dortmunds Geschäftsführer. "Schalke steht mit dem Rücken zur Wand! Die wollen eigentlich Deutscher Meister werden, also müssen sie eigentlich den Anspruch haben, gegen uns zu gewinnen", sagte Hans-Joachim Watzke der "Bild".

"Aber da haben wir natürlich etwas dagegen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir diesmal einen Derby-Sieg einfahren."

Für Neururer könnte schon die jüngste Niederlage in der Champions League bei Olympique Lyon, die Magath "nicht so tragisch sieht", der Anfang vom Ende gewesen sein.

Die Finanzplanung der Schalker sei auf das "Erreichen des Champions-League-Habfinals ausgerichtet, um kostendeckend zu arbeiten".

Sorgen im Sturm

Sorgen sollte dafür eigentlich das Schalker Prunkstück, der Sturm.

Doch weder Raul, noch Klaas-Jan Huntelaar, der gegen Dortmund sein Heimspiel-Debüt gibt, haben bisher in Pflichtspielen für die "Knappen" getroffen.

Besser läuft es da bei den "preiswerteren" Borussen. Sowohl Neuzugang Shinji Kagawa, der für 350.000 Euro von Cerezo Osaka verpflichtet wurde, als auch Youngster Mario Götze haben schon Tore erzielt.

"Schalke und wir haben total unterschiedliche Philosophien. Sie setzen auf Stars, wir ticken anders und setzen -Gott sei Dank ? auf junge Talente", meint Watzke.

Ohne Kehl und Metzelder

Definitiv fehlen wird dem BVB im Revierderby Sebastian Kehl, der sich beim Aufwärmen vor dem Auftaktspiel der Europa League bei Karpaty Lwiw eine Muskelverletzung zuzog und erneut lange ausfällt.

Auch Schalke fehlt ein Verteidiger: Christoph Metzelder zog sich am 3. Spieltag gegen Hoffenheim eine Blessur an der Leiste zu.

Der Einsatz von Jermaine Jones, der über leichte muskuläre Probleme klagt, ist noch unsicher.

So scheint nur die Statistik für die Schalker zu sprechen.

Die "Königsblauen" haben in den vergangenen 23 Bundesliga-Duellen nur zweimal gegen Dortmund verloren.

Auch in den letzten sechs Derby sprang für die "Schwarz-Gelben" kein Sieg heraus. Viermal gewann Schalke, zweimal endeten die Spiele Remis.

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