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Andre Schürrle (M.) wechselt im kommenden Sommer nach Leverkusen © getty

Fans und Spieler feiern die Mainzer Tabellenführung. Die Verantwortlichen wollen die Euphorie nicht bremsen. Bremen schämt sich.

Bremen - Nach der vierten Gala in Folge war die Begeisterung bei der Mainzer "Boygroup" grenzenlos.

Nach Siegen über die beiden Ex-Meister Stuttgart und Wolfsburg sowie im Derby gegen Kaiserslautern musste nun Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen dran glauben.

Thomas Tuchels junges Mainzer Team fegt durch die Liga, grüßt nun von der Tabellenspitze - erstmals in der Vereinsgeschichte.

"Im Moment passt einfach alles", sagte Torschütze Andre Schürrle.

Und für Mittelfeldspieler Lewis Holtby war der 2:0 (0:0)-Triumph "das wahnsinnige Ende einer Woche, wie wir sie in Mainz noch nie erlebt haben".

Die mitgereisten Fans forderten sogar schon lautstark: "Europacup, Europacup."

Das Grundziel bleibt

Davon aber wollte man beim Überraschungs-Spitzenreiter nichts wissen, zumindest noch nichts (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die aktuelle Tabelle ist nur für unsere Anhänger, wir haben gar keine Zeit, über neue Ziele nachzudenken", äußerte 05-Trainer Thomas Tuchel und wiegelte ab.

Auch Manager Christian Heidel blieb vorsichtig: "Es wird auch wieder andere Tage geben. Unser Grundziel bleibt der Klassenerhalt."

Doch gegen pomadige Bremer waren die Gäste in allen Belangen überlegen.

"Zu schlecht um wahr zu sein"

Laufstark, zweikampfstark und bemerkenswert diszipliniert geordnet - mit dieser Mischung kaufte man den Hanseaten den Schneid ab und ließ sie nie zur Entfaltung kommen.

Werder-Coach Thomas Schaaf jedenfalls war restlos bedient.

"Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt so schlecht gespielt haben", grollte der 49-Jährige.

Noch griffiger formulierte Geschäftsführer Klaus Allofs seinen Frust: "Das war zu schlecht, um wahr zu sein."

Sieg beim Angstgegner

Bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Markus Schmidt noch zu fahrig vor dem gegnerischen Tor, setzten die Gäste nach dem Seitenwechsel ihre Überlegenheit auch in Treffer um.

Marcel Risse in der 53. und der eingewechselte Schürrle in der 61. Minute besiegelten den Dreier beim Angstgegner von der Weser, gegen den man zuletzt sechsmal in Folge verloren hatte.

Dessen Fans unter den 34.023 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion war schon nach 45 Minuten der Spaß vergangen: Sie pfiffen, was das Zeug hielt.

Proteste, für die Werder-Kapitän Torsten Frings Verständnis äußerte.

Kehrt Pizarro zurück?

"Das war alles viel zu wenig. Traurig, dass wir gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten hatten", sagte der Ex-Nationalspieler, der die Rückkehr der verletzten Leistungsträger unverhohlen herbeisehnte.

Doch beim Nordderby am Dienstag in Hannover wird höchstens Torjäger Claudio Pizarro in die Startformation der Bremer zurückkehren, noch kein Thema sind die verletzten Innenverteidiger Naldo und Per Mertesacker.

FSV-Präsident schon jetzt "stolz" auf sein Team

Zeitgleich wollen die Mainzer ihre Spitzenposition gegen den 1. FC Köln behaupten.

"Wenn das gelingt, hat die Mannschaft wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Aber schon jetzt kann man stolz auf dieses Team sein", sagte 05-Präsident Harald Strutz, für den das Mainzer Erfolgsgeheimnis ganz leicht zu erklären ist.

"Jeder nimmt die Begeisterung von Spiel zu Spiel mit. Und deshalb haben die Jungs einfach Freude am Fußball."

Werder enttäuscht auch national

Die ist bin Bremen nach drei Spielen binnen acht Tagen ohne Sieg merklich getrübt.

Schon in der Königsklasse gegen Tottenham Hotspur (2:2) gab man die erste Halbzeit ab, diesmal blieb sogar das große Aufbäumen im zweiten Durchgang aus.

"Es war zu keiner Phase das, was man von Werder kennt", ärgerte sich Schaaf.

"Wenn es schon spielerisch nicht läuft, muss man sich wenigstens wehren. Aber auch das hat diesmal nicht stattgefunden."

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