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Gladbach kassiert mit Coach Frontzeck (r.) die höchste Bundesliga-Pleite seit 1966 © getty

Nach der höchsten Liga-Pleite seit 44 Jahren zeigt die Borussia Auflösungserscheinungen. Spieler und Klub-Bosse schlagen Alarm.

Von Christian Paschwitz

München/Stuttgart - Es war mehr als nur ein Debakel. E war ein historischer Offenbarungseid.

Und der sportlich Hauptverantwortliche von Borussia Mönchengladbach argumentierte nach dem erbärmlichen 0:7 (0:2)-Waterloo beim VfB Stuttgart fast genauso kleinlaut wie zuvor sein spielerisch in Schutt und Asche gelegtes Personal auf der Baustelle Mercedes-Benz-Arena.

"Das war ein peinlicher Auftritt. Das war nichts, das war lächerlich", erklärte Michael Frontzeck die höchste Auswärtspleite der "Fohlen" in der Bundesliga-Geschichte seit 1966.

Der Coach ergänzte noch: "Wir müssen uns bei den mitgereisten Zuschauern entschuldigen. Das ist ein Rückschlag."

Vorgeführt wie eine Schüler-Mannschaft

Rückschlag war beinahe noch geprahlt: Eher waren die Gladbacher wie eine Schüler-Riege vorgeführt worden.

Nicht von einer Übermannschaft, sondern vom vorherigen Schlusslicht, das mit drei Niederlagen in Folge seinen schlechtesten Saisonstart hingelegt hatte.

Nun aber schossen sich die Stuttgarter nach Belieben und mit Leichtigkeit aus der Krise, weil der angebliche Gegner diese Bezeichnung nicht verdiente.

Selbstaufgabe nach der Pause

Besonders erschreckend dabei: Die Borussia fiel nach der Pause mehr oder weniger ohne Gegenwehr völlig in sich zusammen, wirkte komplett blutleer.

Von einem aufbäumenden Kollektiv keine Spur - Selbstaufgabe trifft es besser.

"Wir müssen so schnell wie möglich wieder eine Mannschaft werden", schlug Thorben Marx Alarm. (288558Bilder des Spieltags)

"Das ist Kindergarten"

Und Teamkollege Tobias Levels sagte bei "Sky": "Das ist Kindergarten. Es gibt einiges aufzuarbeiten. Das kann man nicht einfach unter den Tisch kehren, das muss ganz klar angesprochen werden, mit offenem Visier."

Symptomatisch für den peinlichen Auftritt, dass fünf der sieben Gegentore aus Standardsituationen resultierten.

[kaltura id="0_n0oblkpb" class="full_size" title="Gladbach unter Schock"]

Allein das 1:0 durch den starken Dreifach-Torschützen Pavel Pogrebnyak (2.) und das 7:0 durch den eingewechselten Ciprian Marica (80.) waren herausgespielt - wenngleich unter tatkräftiger Gladbacher Mithilfe.

Desaströses Verhalten bei Standards

Noch desaströser irrlichterte die Borussia umher, als Georg Niedermeier (25.), der diesmal abstaubende Pogrebnyak (54., 60.), Zdravko Kuzmanovic per Freistoß (64.) und VfB-Kapitän Matthieu Delpierre (72.) vollstreckten.

Wie die auf Platz 12 abgestürzten Gladbacher die Kurve kriegen wollen, ist höchst fraglich.

Zumal es am Niederrhein nach Auflösungserscheinungen riecht. "Jeder hat sein Ding gemacht", bemängelte Marx,

"Wir machen nicht mehr das, was uns in den vergangenen 15 Monaten stark gemacht hat", hat auch Frontzeck ausgemacht.

In Lichte dieser Aussage ist das 0:4 vor einer Woche gegen Frankfurt nicht mehr allein als Ausrutscher zu sehen.

Denn: Niemals kassierte ein Bundesligist nach vier Spieltagen mehr Gegentore (15) als die Borussia, die mit dem 0:7 nun ihre höchste Bundesliga-Niederlage einstellten.

Debakel wie gegen Werder vor 44 Jahren

Nur vor 44 (!) Jahren gegen Werder Bremen gab es ein genauso hohes Debakel.

In Stuttgart haben die Gladbacher ohnehin nicht mehr seit 1994 gewonnen und waren in den beiden Folgejahren jeweils mit 0:5 unter die Räder geraten.

"Wir müssen in vielen Bereichen arbeiten. Das werden jetzt drei schöne Tage", sagte Frontzeck ironisch mit Blick auf den Mittwoch, wenn der FC St. Pauli in den Borussia-Park kommt.

"Da will ich eine Reaktion der Mannschaft sehen", forderte Eberl, der vor nur drei Wochen noch das spektakuläre 6:3 bei Bayer Leverkusen bejubelt hatte.

"Der Sieg in Leverkusen ist im Nachhinein Gift gewesen", so der Sportchef. "Jeder war danach im Training weniger konzentriert - dann kommen so Spiele raus wie gegen Frankfurt und jetzt."

VfB-Bosse heben nicht ab

Beim zuvor kriselnden VfB versuchte man hingegen, den Befreiungsschlag binnen weniger als 48 Stunden, eingeleitet durch das 3:0 in der Europa League gegen Young Boys Bern, nicht überzubewerten.

"Ich hoffe, es geht so weiter", meinte Trainer Christian Gross lediglich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und Sportdirektor Fredi Bobic kommentierte Stuttgarts höchsten Bundesliga-Sieg: "Die sieben Tore sind wichtig. Aber auch dafür gibt es nur drei Punkte, und das nächste Spiel geht wieder bei null los."

Das muss nun auch wieder in die Gladbacher Köpfe.

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