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Wieder nichts: Kölns Torwart Mondragon hat den Ball, die Bayern trauern der Chance nach © getty

Nach dem 0:0 gegen Köln schrillen in München die Alarmglocken. Eine derartige Torflaute wie in dieser Saison gab lange nicht.

Von Thorsten Mesch und Daniel Rathjen

München - 0:2 in Kaiserlautern, 0:0 gegen Bremen und 0:0 gegen Köln: Wer sich an drei Bundesligaspiele in Folge ohne einen Treffer des FC Bayern erinnern will, muss lange zurückdenken.

Es war Ende Februar und Anfang März 1998, als die Münchner zuletzt eine derartige Torflaute erlebten.

Sie begann mit einem 0:2 gegen Köln, ging weiter mit einem 0:1 bei Schalke 04 und endete mit einem 0:0 gegen Bochum.

"Die Spieler waren schwach wie eine Flasche leer", wetterte seinerzeit Giovanni Trapattoni zwischen dem Schalke- und Bochum-Spiel in seiner legendären Wutrede.

Flaute zum Oktoberfest-Auftakt

Und auch zum Auftakt der Jubiläums-Ausgabe des Münchner Oktoberfests - vor 200 Jahren gab es die erste Wiesn - fehlte den Bayern beim 0:0 gegen Köln das Zielwasser. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Anders als Trapattoni blieb der aktuelle Bayern-Trainer trotz der erneuten Enttäuschung aber äußerlich ruhig.

Van Gaal reagiert bissig

"Wir haben uns Chancen erspielt, haben sie aber nicht genutzt", meinte van Gaal bei "LIGA total!".

"In der Bundesliga ist das ein Fehlstart", gab der Niederländer zunächst zu ? um aber schnell bissig hinterherzuschieben:

"Wir haben auch den Supercup und in der Champions League gegen Rom gewonnen. Wenn Sie trotzdem jedes Mal nach Fehlstart fragen, dann gratuliere ich."

Schlechtester Start seit 33 Jahren

Auch wenn es der Coach nicht recht zugeben wollte - angesichts von sieben Punkten Rückstand auf Platz eins schrillen bereits die Alarmglocken.

"Langsam wird es schwer, weil wir schon einen gewaltigen Abstand nach oben haben", meinte Philipp Lahm nach dem schlechtesten Saisonstart seit 33 Jahren.

"Wir müssen schauen, dass wir langsam punkten. Sonst geht es wieder los wie letztes Jahr", sagte Thomas Müller.

Erinnerungen an vergangene Saison

Erinnerungen an den mühsamen Start in die vergangene Spielzeit wurden wach.

Damals hatten die Bayern nach vier Spieltagen ebenfalls nur einen Sieg, zwei Unentschieden und eine Niederlage auf dem Konto, wurden am Ende aber doch noch Meister.

Doch Ende August 2009 lagen die Münchner nur fünf Punkte hinter dem damaligen Spitzenreiter Hamburg und hatten zumindest ein Torverhältnis von 6:4.

In dieser Spielzeit sind es 2:3 Treffer. Magere zwei Tore nach vier Spielen ? das gab es noch nie in der Bundesliga-Geschichte des Rekordmeisters.

Dementsprechend angesäuert waren die Protagonisten.

"Eine gefühlte Niederlage"

"Das ist eine gefühlte Niederlage", sagte Kapitän Mark van Bommel zu SPORT1. "Wir waren dominant, überzeugend, aber haben es nicht geschafft, die Mauer zu knacken."

"Wir haben alles gemacht, um in den Strafraum zu kommen. Aber das reicht nicht, wir müssen auch ein Tor machen", meinte auch van Gaal.

"Uns haben die Kreativität und der letzte Funke Spritzigkeit gefehlt", ergänzte Lahm, sprach vom "fehlenden Rhythmus" und forderte konkret: "Der Flankengeber und die Stürmer müssen besser funktionieren."

Lahm selbst funktionierte aber auch nicht. Gegen äußerst defensive Gäste schaltete sich der Nationalmannschaftskapitän kaum ins Offensivspiel ein.

Klose startet und baut ab

Ähnlich wenig kam von Diego Contento auf der linken Seite, wo vor ihm Franck Ribery zwar gute Ansätze zeigte, aber wie alle seine Teamkollegen die letzte Konsequenz vermissen ließ.

Miroslav Klose, der von van Gaal den Vorzug gegenüber Ivica Olic bekam, fiel zwar zunächst durch großen Einsatz positiv auf, baute jedoch immer mehr ab.

In der 71. Minute musste Klose seinen Platz für Mario Gomez räumen.

Der ehemalige Stuttgarter blieb aber genauso harmlos wie Klose oder Müller, der vor der Pause aus aussichtsreicher Position über das Tor schoss und kurz vor Schluss mit einem Kopfball an Mondragon scheiterte.

"Wenn wir das 1:0 in der ersten Halbzeit machen, dann gewinnen wir das Spiel 3:0 oder 4:0", meinte Gomez.

München bleibt gutes Pflaster für Köln

Am Ende hieß es jedoch 0:0 - übrigens genau wie vor knapp einem Jahr, ebenfalls zur Wiesnzeit.

Und mit diesem Ergebnis konnten nur die Kölner, die bereits zum fünften Mal in Folge in München ungeschlagen blieben, gut leben.

"In unserer Situation war dieser Punkt sehr wichtig", sagte Trainer Zvonimir Soldo, der mit seiner Mannschaft am Dienstag zum Spitzenreiter nach Mainz muss.

"Wir haben in den ersten beiden Spielen sieben Gegentore bekommen und jetzt zweimal zu Null gespielt, das ist auch wichtig für unsere Stabilität."

Podolski nimmt Bayern in Schutz

"Wir haben kein Offensivfeuerwerk abgebrannt, aber das war aber auch nicht unser Ziel. Wir wollten hier etwas mitnehmen, und das haben wir geschafft", erklärte Lukas Podolski, der seine ehemaligen Kollegen in Schutz nahm.

"Man sollte die Bayern-Leistung nicht schlecht reden. Die haben es schon schwer, immer gegen defensiv eingestellte Gegner antreten zu müssen."

Am Dienstag könnten es die Bayern beim Tabellenzweiten Hoffenheim etwas leichter haben, ihre Misere zu beenden. So schätzte es zumindest der Trainer ein.

"Ich glaube, dass Hoffenheim angreifen wird", sagte van Gaal: "Das ist auch für die Fans schöner anzuschauen."

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