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Der 37-jährige Frank Rost (r.) absolvierte im Derby sein 40.. Bundesligaspiel © imago

HSV-Keeper Frank Rost haut nach dem Remis im Derby mächtig auf die Pauke. St. Pauli trauert dem vergebenen Sieg hinterher.

Von Tim Tonner und Björn Huth

Hamburg/München - Die Erwartungen an das Hamburger Spiel des Jahres waren so groß gewesen.

Übrig blieb am späten Sonntagnachmittag nach dem 1:1 viel Ernüchterung - und zwar auf Seiten des Hamburger SV sowie des FC St. Pauli.

Rost als rigoroser Kritiker

Frank Rost stieß vor allem die lasche Einstellung seiner Mannschaft auf.

"Das war Ringelpiez mit Anfassen. Es war schon vor dem Spiel eine Harmonie-Strategie von allen Seiten", regte sich der HSV-Keeper auf: "Es hat hier nur noch gefehlt, dass wir mit rosa Röckchen auflaufen."

Das Fazit des 37-Jährigen, der übrigens sein 400. Bundesligaspiel absolvierte: "Insgesamt war es kein schönes Derby!" 288558(DIASHOW: Die Bilder des 4. Spieltags)

"Für ein Derby ein bisschen langweilig"

Auch Holger Stanislawski war nicht zum Feiern zumute.

"Es war kein gutes Spiel von beiden Mannschaften, sondern hat nur von der Brisanz gelebt", sagte St. Paulis Trainer: "Für ein Derby ist es natürlich ein bisschen langweilig, mit einem 1:1 auseinander zu gehen."

Kaum Highlights - viel Leerlauf

Und für ein hochklassiges Spiel fehlten an diesem Fußball-Feiertag in der Hansestadt einfach einige entscheidende Zutaten.

Klar war da das schön heraus gespielte Führungstor von Fabian Boll (77.).

Oder der noch viel sehenswertere Sonntagsschuss von Mladen Petric (88.) zum Ausgleich.

Auch die super Stimmung auf den Tribünen dieses traditionsreichen Stadions sowie Nickeligkeiten und phasenweise hitzige Zweikämpfe.

Aber ebenso über weite Strecken der Partie spielerische Armut, auch darin waren sich beide Parteien einig.

Nicht unsere beste Leistung"

"Uns ist zu wenig eingefallen, wir haben Ruud (van Nistelrooy, Anm. d. Red.) vorne in der Luft hängen lassen. Das war schon gegen Nürnberg ein Manko", bestätigte Marcell Jansen gegenüber SPORT1. Mit acht Punkten liegt der HSV auf dem 5. Platz, St. Pauli ist mit vier Zählern Zehnter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das war nicht unsere beste spielerische Leistung, aber wir haben Leidenschaft gezeigt. Wir müssen die Führung über die Zeit bringen", haderte Deniz Naki.

Asamoah hadert mit dem Ergebnis

Genauso sah es auch Gerald Asamoah, der sein erstes Bundesligaspiel für St. Pauli absolvierte. Der kassierte zunächst bei seiner Einwechslung (74.) viel Applaus und gab dann sogar den Assist für Kriminaloberkommissar Boll.

Zufrieden war Asamoah aber nicht: "Wir haben zwei Punkte verloren. Die hätten wir nach der Führung einfach mitnehmen müssen", haderte der 31-Jährige nach dem verpassten "historischen Sieg", dem ersten St. Pauli-Dreier seit 1977 nämlich.

Stanislawski bedauerte ebenfalls die vergebenen Zähler in beiden Heimspielen bisher - gegen den HSV sowie zuvor gegen Hoffenheim (0:1). "Wir werden nicht müde, den Jungs immer wieder Selbstvertrauen an die Hand zu geben, damit sie auch wieder die Leichtigkeit im Spiel nach vorne haben."

Petric: Fast ausgemustert, jetzt "Punktretter"

Zum "Punktretter" mit der nötigen Leichtigkeit für die Rothosen avancierte mit Petric ausgerechnet ein fast Ausgemusterter.

"Von Glück kann keine Rede sein. Es ist nicht das erste Tor, welches ich so mache. Es liegt vieles an der Schusstechnik und dem Mut, mal abzuziehen", beschrieb der Kroate seinen Außenrist-Schuss aus gut 20 Metern.

"Bin keiner, der Stunk macht"

Dass es kurz vor Transferschluss viel Wirbel um seinen möglichen Wechsel zum VfB Stuttgart gab - offiziell vergessen.

"Das war nicht sehr schön für mich, aber ich bin ja noch hier", äußerte sich Petric relativ gelassen: "Es geht um den Erfolg der Mannschaft. Ich versuche Gas zu geben und der Mannschaft zu helfen."

Petric beteuerte, er sei "keiner, der Stunk macht". Viel lieber wolle er weiter Tore machen, egal, auf welcher Position.

"Es ist nicht die Frage, wo ich spiele. Hauptsache, ich stehe auf dem Platz", meinte der Torschütze, der sich möglichst schnell von seiner Jokerrolle verabschieden will.

Der Kommentar seines Trainers Armin Veh viel nüchtern aus: "Ich freue mich für jeden Spieler, ich habe kein Problem mit ihm."

50 Fans in Gewahrsam

Relativ wenige Probleme gab es auch rund um das Hochsicherheitsspiel. Etwa 50 Fans wurden am Sonntagabend laut Angaben der Polizei in Gewahrsam genommen. Sechs Polizisten und drei Stadionbesucher erlitten Blessuren.

Die Beamten hatten zuvor mehrfach rivalisierende Fangruppen auseinandertreiben müssen, auch mit dem Einsatz von Wasserwerfern. Während des Spiels im ausverkauften Millerntorstadion hingegen war es weitgehend ruhig geblieben.

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