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Dortmunds Kagawa (r.) im Zweikampf mit Schalkes Hans Sarpei © imago

Die Blamage im Revier-Knaller wirft bei Königsblau großes Rätselraten auf: Magath räumt ein "nervliches Problem" ein.

Von Christian Paschwitz

München - So entrückt und verzweifelt hatte man Felix Magath wohl seit Jahren nicht mehr gesehen:

Die Demütigung durch den Erzrivalen, dieses 1:3 (0:1) im 136. Revier-Derby gegen Borussia Dortmund, hatte sich dem Trainer des FC Schalke 04 tief ins Gesicht eingegraben.

"Das ist der schlimmste Tag für mich auf Schalke. So einen Start habe ich überhaupt noch nicht erlebt", sagte Magath deprimiert.

Und fügte an: "Die Niederlagen haben Spuren hinterlassen. Die Truppe ist völlig verunsichert. So habe ich die Mannschaft noch nicht erlebt."

Schlechtester Start der Klub-Geschichte

Magath hätte es auch so sagen können: Vizemeister Schalke 04 ist von allen guten Geistern verlassen. Und langsam aber sicher gehen die Lichter aus.

Vier Liga-Pleiten in Folge sind der schlechteste Bundesliga-Start der Klub-Geschichte. Erstmals seit dem 15. August 1998 sind die Knappen am Ende eines Spieltags Tabellenschlusslicht. Dazu kommt der Fehlstart in der Champions League (0:1 in Lyon).

Die Blamage im Knaller gegen den verhassten Nachbarn machte die königsblaue Katastrophe nun perfekt - und stellt Fans und Sportlich Verantwortliche vor großes Rätselraten.

Magath räumt "nervliches Problem" ein

"Es ist ein nervliches Problem, wir haben die Nervosität nie abgelegt", gab Magath zu.

Ein alarmierendes Bekenntnis. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Noch mehr schocken dürfte die 04-Fans das Eingeständnis von Manuel Neuer bei LIGA total!: "Es war kein wirkliches Derby, denn es kam keine Stimmung in unserer Mannschaft auf."

Neuer spricht von "Freundschaftsspiel"

Der Keeper, trotz der Gegentore von Shinji Kagawa (20./58.) und Robert Lewandowski (86.) noch bester Schalker, meinte gar: "Die Fans haben mehr von uns erwartet, aber wir haben es nicht als Derby gesehen. Es kam mir vor, als ob es ein Freundschaftsspiel gewesen wäre."

Jürgen Klopp, in dessen Team auch Robert Lewandowski noch traf (86., war das egal: "Ich finde, wir haben einfach ein überragendes Fußball-Spiel gezeigt", so der BVB-Coach bei LIGA total!.

Und der starke Nuri Sahin ergänzte: "Das wird uns noch einen richtigen Schub nach vorn geben."

Huntelaar-Tor Makulatur

Schalkes Ehrentor durch 14-Millionen-Neuzugang Klaas-Jan Huntelaar (89.) interessierte am Ende eh niemanden mehr.

Während sich die BVB-Fans nach Spielschluss feiern ließen, pfiff der noch verbliebene Schalker Anhang die Königsblauen gnadenlos aus.

Zahlreiche Fans hatten bereits zehn Minuten vor Schluss fluchtartig das Stadion verlassen.

Plestan fliegt ruckzuck

Vergebens hatten sie nach den bereits vergangenen Krisenwochen auf eine Wende gewartet.

Der Platzverweis von Innenverteidiger Nicolas Plestan, der sich binnen vier Minuten Gelb-Rot einhandelte, passte ins Bild.

Genauso, dass Superstar Raul einmal mehr blass und auch im zweiten Heimspiel ohne Torschuss blieb, noch weniger Bälle als Huntelaar bekam und sie sich deshalb teils gar am eigenen Strafraum zu erobern suchte.

"Tiefer runter geht es nicht mehr"

Abwehrspieler Benedikt Höwedes brachte die desolate Schalker Leistung auf den Punkt: "Unterirdisch schwach. Tiefer runter geht es nicht mehr."

Den ersehnten Ausweg aus der Mega-Krise vermochte auch Magath nicht aufzuweisen.

Man müsse die Situation stabilisieren, "mehr bleibt mir im Moment nicht - wir müssen in Ruhe analysieren, ich muss das Spiel noch mal auf Video sehen."

37-Millionen-Umbruch geht nach hinten los

Magath, der auf der Schalke einen radikalen Umbruch mit 15 Ab- und 14- Zugängen für 37 Millionen Euro betrieben hatte, konnte zu den Saisonzielen allein das sagen: "Wir brauchen jetzt nicht von europäischen Plätzen zu sprechen."

In der Bundesliga-Historie kam ein Team mit vier Auftakt-Pleiten ohnehin nie über Platz elf hinaus.

Inwieweit "Felix allmächtig" auf Schalke, bei den Fans ohnehin nicht mehr unumstritten, nun selbst in Wanken gerät, Schalkes freier Fall noch mehr Eigendynamik gewinnt, wird bereits der nächste Spieltag zeigen.

Wackelt Magath?

Am Mittwoch (ab 19.30 Uhr im LIVE-Ticker) muss Schalke zum mit neun Punkten stark gestarteten SC Freiburg.

Die Dimension der Demütigung durch den Erzrivalen könnte womöglich dann erst so richtig greifbar werden.

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