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Schalke hat die ersten vier Bundesligaspiele und die erste Champions-League-Partie verloren © getty

Schalke steckt tief in der Krise, die Saisonziele sind in Gefahr. SPORT1 hörte sich bei ehemaligen Spielern und Trainern um.

Von Christian Stüwe

München - Das Montagstraining des FC Schalke fand hinter verschlossenen Türen statt.

Trainer Felix Magath wollte sich die Derby-Versager offenbar geschützt vor Blicken vorknöpfen.

Der bewölkte Himmel über Gelsenkirchen passte gut zur Stimmung der Königsblauen, einen Tag nach der bitteren Niederlage gegen Borussia Dortmund.

Magath sprach gar von seinem "schlimmsten Tag" auf Schalke. Die Nerven beim Revierklub liegen nun endgültig blank.

Auch weil der kapitale Fehlstart bereits jetzt die Saisonziele in Gefahr bringt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Magath will nicht vom Europapokal reden

Noch nie hat in der Bundesliga ein Team nach vier Auftaktniederlagen am Ende mehr als Platz elf erreicht.

Selbst der spätere Absteiger Hertha BSC Berlin hatte in der vergangenen Saison zum gleichen Zeitpunkt drei Punkte mehr auf dem Konto.

"Vom Europapokal würde ich im Moment nicht reden", erklärte Magath vielsagend.

Doch ins internationale Geschäft muss Schalke unbedingt, ansonsten könnte die mit großem finanziellen Aufwand verstärkte Mannschaft dem ohnehin klammen Verein zum Verhängnis werden.

Entsprechend groß ist der Frust beim Anhang und auch den früheren Schalkern.

So wollten sich "Eurofighter" wie Youri Mulder und Ingo Anderbrügge oder der einstige "Mr. Schalke" Rudi Assauer nicht zur Krise äußern.

Auch der ehemalige Manager Andreas Müller vermied mit Verweis auf seinen noch laufenden Vertrag mit den Königsblauen einen Kommentar.

Andere Ex-Profis und -Trainer dagegen analysierten auf Nachfrage von SPORT1 sportlich wie wirtschaftlich brisanten Lage der "Knappen".

Klaus Fischer (295 Spiele/182 Tore, Schalker Rekord-Torschütze):

"Das Spiel gegen Dortmund war sehr deprimierend. Die Mannschaft war von der ersten bis zur letzten Minute total verunsichert. Bei keinem Spieler lief etwas zusammen, außer bei Torwart Manuel Neuer. Er hat eine höhere Niederlage verhindert."

"Es gibt sicherlich Probleme, weil viele Spieler erst spät dazugekommen sind. Felix Magath ist noch auf der Suche nach seiner Stammformation. Wenn man mit vier Niederlagen gestartet ist, entsteht eine Unsicherheit. Die gilt es nun wegzukriegen.

"Jetzt heißt es 90 Minuten wie die Löwen kämpfen. Jeder muss für jeden da sein und Gas geben. Anders kommst du da nicht raus. Ein Erfolgserlebnis würde dann wieder für ein wenig Ruhe sorgen."

"Der Druck auf Schalke ist immer da, keine Frage. Aber die Fans stehen hinter der Mannschaft, sie wurden ja nicht ausgepfiffen. Jetzt muss nur von der Mannschaft auch etwas kommen."

Olaf Thon (333/69 Tore für Schalke):

"Ich bin wie viele andere der Meinung, eine total verunsicherte Schalker Mannschaft gesehen zu haben. Wenn man ein paar Spiele verliert, strotzt man nicht gerade vor Selbstvertrauen."

"Ich hatte mir mehr erhofft, da ich viele Derbies gespielt habe. Für mich war das nie ein Problem. Da ist man normalerweise bis in die Haarspitzen motiviert. Es sind aber viele ausländische Spieler noch kurz vor Toresschluss verpflichtet worden. Die konnten das in der Kürze der Zeit wohl noch nicht verinnerlichen."

"Die späten Einkäufe harmonieren noch nicht im Sturm. Raul kommt überhaupt nicht zum Zug, er wirkt sehr behäbig. Er holt sich im Mittelfeld die Bälle, dabei sollte er lieber seine Stärken im Strafraum ausspielen."

"Der Verkauf der Abwehr mit Rafinha, Westermann, Bordon und Zambrano, der jetzt bei St. Pauli auch gespielt hat, ist ein Problem. Das ist die beste Abwehr der letzten drei Jahre in der Liga gewesen. Ich denke, in der Defensive ist der Hebel anzusetzen."

"Es gibt keine Alternative zu Felix Magath, daher hoffe ich, dass er es schafft."

Huub Stevens (Trainer Schalke 1996 bis 2002, jetzt Trainer RB Salzburg und SPORT1-Kolumnist)

"Schalke fehlte es gegen Dortmund an Kreativität. Vielleicht könnte der aus Spanien geholte Jurado diese Schwäche beheben. Doch der hat wieder nicht gespielt. Felix Magath hat Recht, wenn er sagt, dass ein Spieler seines Typs schwieriger zu integrieren ist als andere Spieler."

"Nur muss ich auch sagen: Wenn man einen solchen Mann holt, will man doch auch, dass er so schnell wie möglich seine Leistung bringt. Magath wird Schalke aber mit seiner Erfahrung wieder nach oben bringen. Ich denke, dass Schalke mit der Qualität, die der Kader hat, da unten rauskommt und noch ganz oben mitspielen wird."

Ralf Rangnick (Trainer Schalke von 2004 -2005, jetzt Trainer Hoffenheim)

"Ich erinnere nur an die Saison 2008/09: Auch da hat Felix Magath mit Wolfsburg keine gute Hinrunde gespielt und ist aufgrund einer fantastischen Leistungssteigerung seiner Mannschaft noch Meister geworden. Sicher, es ist nicht leicht. Die Mannschaft hat Qualität - nur muss daraus jetzt erstmal eine Mannschaft werden."

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