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Michael Frontzeck ist seit 2009 Trainer von Borussia Mönchengladbach © getty

Gladbachs Trainer Michael Frontzeck glaubt auch nach der Pleite gegen den VfB an sein Team. Bei SPORT1 nimmt er Stellung.

Von Christian Paschwitz

München - Sie sind wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Zwei deftige Pleiten mit insgesamt 0:11 Toren haben das Gladbacher Hochgefühl nach dem 6:3-Sieg in Leverkusen in fassungslose Ernüchterung verwandelt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Beim 0:7 in Stuttgart trat die Borussia völlig mut- und konzeptlos auf.

"So dürfen wir uns nicht nochmal präsentieren", weiß Trainer Michael Frontzeck.

Wende gegen St. Pauli?

Den Glauben an die Mannschaft, die noch vor zwei Wochen brillierte, hat der Coach noch nicht aufgegeben.

Schon beim Spiel gegen den FC St. Pauli soll der Umschwung gelingen (Mi., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER).

Im SPORT1-Interview erklärt Frontzeck, wie der Weg aus der Krise gelingen kann. Es warten "harte Tage".

Der Trainer legt seinem Team nahe, sich wieder auf die "Basics" zu konzentrieren.

SPORT1: Herr Frontzeck, Sie haben das 0:7-Debakel Ihrer Gladbacher Mannschaft in Stuttgart auch damit erklärt, der Ansatz sei falsch gewesen sein, alles fußballerisch zu lösen. Die Borussia hätte stattdessen eher die "Basics" an den Tag legen sollen. Das klingt irgendwie paradox?

Michael Frontzeck: Keineswegs. Die Basics wie Kämpfen und körperlich Dagegenhalten haben die Mannschaft nicht nur in der Vorbereitung stark gemacht, sondern auch in der ganzen letzten Saison. Und die Vorbereitung, die ersten drei Saison-Spiele - inklusive dem 6:3 in Leverkusen - waren ja wirklich zufriedenstellend. Seit Leverkusen scheint aber in den Köpfen der Spieler zu sein, es erst über die spielerische Linie zu versuchen. Ich hoffe, dass jetzt auch dem Letzten klar ist, dass das nicht unser Weg sein kann.

SPORT1: Ist es nicht legitim und spricht es nicht für eine Mannschaft und deren Selbstbewusstsein - zumal nach dem Coup in Leverkusen -, dass man Dinge verstärkt spielerisch lösen will?

Frontzeck: Das ist richtig. Aber es ist halt auch so, dass der Fußball relativ eng ist. Du brauchst auf dem Feld eine gewisse Kompaktheit. Wir haben natürlich unsere spielerischen Möglichkeiten - es darf aber nicht der erste Schritt sein. Darum geht es mir. Wir dürfen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Wir werden auch in Zukunft Fußball spielen, oder versuchen, guten Fußball zu spielen. Der Einstieg muss trotzdem ein anderer sein.

SPORT1: War Ihre Mannschaft in Stuttgart also zu überheblich, zu selbstsicher?

Frontzeck: Nach einem 0:4 zu Hause gegen Frankfurt kann man bestimmt nicht von Überheblichkeit sprechen. Grundsätzlich darf man sich ohne Wenn und Aber so nicht präsentieren. Deshalb wollen wir gegen St. Pauli die Chance wahrnehmen, zu Hause ein ganz anderes Gesicht zu zeigen.

SPORT1: Sind Sie froh, dass die Borussia bereits am Mittwoch Wiedergutmachung betreiben kann oder wäre nicht gerade jetzt eine längeren Zeit der Aufarbeitung vonnöten?

Frontzeck: Diese Zeit hat man ja eh nur in der Sommerpause. Aber wir müssen uns in kürzester Zeit wieder aufstellen: Wir haben den 4. Spieltag, und wir haben vier Punkte. Das ist nicht die Welt, aber es ist bestimmt auch nicht so, dass wir jetzt in Panik verfallen werden.

SPORT1: Was machen sie stattdessen?

Frontzeck: Es ist klar, dass wir uns in der Art und Weise nicht noch mal präsentieren dürfen. St. Pauli ist ein ganz unangenehmer Gegner, eine sehr gute Auswärtsmannschaft, das haben sie in den ersten beiden Spielen unter Beweis gestellt. Und das ist für uns natürlich die richtige Herausforderung, zu alter Leistungsstärke zurück zu finden.

SPORT1: Trotzdem noch mal nachgehakt: Wenn sich Ihr Kapitän Tobias Levels hinstellt und sagt, dass man keine Mannschaft habe, muss doch irgendwas im Argen liegen und seit Leverkusen passiert sein?

Frontzeck: Er hat das allein auf das Spiel beim VfB bezogen. Es kann ja nicht sein, dass vor zwei Wochen gegen Leverkusen noch eine Mannschaft auf dem Platz stand, und nur zwei Wochen später ist es keine mehr.

SPORT1: Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die Mannschaft zerbricht?

Frontzeck: Nein, es wird weiter gearbeitet, da wird der Kopf hochgenommen. Auch wenn es jetzt mal unangenehm wird. Wir sind ja schließlich Profis. Da müssen wir durch und für die Dinge geradestehen, die man am Wochenende angestellt hat und Flagge zeigen. Du fällst während einer Saison immer mal hin - wichtig ist, dass du wieder aufstehst.

SPORT1: Was konkret tun Sie als Trainer bis zum nächsten Spiel?

Frontzeck: Es ist ein sehr arbeitsintensiver Job als Trainer. Aber es nicht so, ich wiederhole mich, dass wir nun aktionistisch werden. Ich muss mir unser Stuttgart-Spiel auch nicht mehr auf Video anschauen - das ist noch sehr präsent in meinem Kopf. Die Dinge, die da nicht so gelaufen sind, wie sie sollen, müssen wir als Einheit und als Gruppe abstellen.

SPORT1: Sie sagen aber auch: "Es werden harte Tage!" Schlagen Sie also jetzt noch drauf?

Frontzeck: Wenn du so eine Klatsche kriegst, ist es klar, dass so was in den Klamotten hängt. Es ist nicht so, dass du das von heute auf morgen abschüttelst, sondern du musst hart arbeiten. Nur das habe ich mit "harten Tagen" gemeint.

SPORT1: Sie sprechen auch von Kollektivschuld, stellen keine einzelnen Akteure an den Pranger. Wird gegen St. Pauli insofern exakt die Startelf von Stuttgart auflaufen?

Frontzeck: Das war kollektiv eine peinliche Vorstellung von uns allen. Nicht mehr und nicht weniger. Und da werde ich keinen Einzelnen herauspicken, auch nicht Torwart Logan Bailly. Aber wir haben noch etwas Zeit bis zum Spiel gegen St. Pauli. Insofern ist personell alles offen. Das gilt auch für Dantes Einsatz (schwere Fußprellung, Anm. d.Red.).

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