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Miroslav Klose ist in der Bundesliga in dieser Saison noch ohne Treffer © imago

Die Abschlussschwäche der Bayern könnte in Hoffenheim historische Ausmaße annehmen. Sport1 nennt die Gründe für die Probleme.

Von Andreas Kloo

München - Seit 271 Minuten ist der FC Bayern momentan ohne eigenen Treffer in der Bundesliga.

Schon in Hoffenheim (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) könnten die Münchner einen neuen Vereins-Negativrekord aufstellen. 72 torlose Minuten fehlen noch zum unrühmlichen Top-Wert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Trainer Louis van Gaal gibt sich dennoch gelassen: "Ich bin sicher, dass die Tore wieder fallen. Das ist nur eine Frage der Zeit", bleibt der Niederländer vor dem Spiel in Hoffenheim cool.

Er sieht das fehlende Glück als Hauptursache dafür, dass die Münchner derzeit über die ungefährlichste Offensive der Liga verfügen. Auch die Mauer-Taktik wie zuletzt vom 1. FC Köln muss als Argument herhalten.

Doch die Ursachen für die Münchner Abschlussschwäche liegen tiefer.

SPORT1 zählt Gründe für die mangelnde Effizienz des Bayern-Offensivspiels auf:

Schwache Flanken:

Eher ein Qualitätsproblem, denn ein Quantitätsproblem.

"Wir schlagen sehr viele Flanken. Gegen Rom waren es an die 50", erinnert Kapitän Mark van Bommel im SPORT1-Interview. Doch fast immer landen die Hereingaben beim Gegner. Allein Ribery schlug gegen Köln 12 Flanken, die nicht ihr Ziel fanden.

Van Gaal hat dieses Manko bereits erkannt. In einer Video-Analyse führte er seinen Spielern nach dem Köln-Spiel die schwachen Hereingaben von der Seite noch einmal vor.

"Das hat mit Rhythmus zu tun, das muss man auch trainieren: das wir besser flanken und dass das Verständnis zwischen Flankengeber und Stürmer besser funktioniert", sagt Rechtsverteidiger Philipp Lahm im "kicker"-Interview.

Schwache Standards:

11:1 Ecken erspielten sich die Münchner gegen Köln. Doch wirkliche Gefahr erzeugten die von Holger Badstuber, Franck Ribery oder Toni Kroos getretenen Eckstöße nie. Ribery stellte gegen Köln einen Negativ-Rekord auf. Er schlug zum 200. Mal eine Ecke, aus der kein Tor resultierte.

Schon in der Vorsaison waren die Ecken ein Problem der Münchner.

Gleiches gilt für Freistöße.

Zu wenig Druck von außen:

70 Prozent Ballbesitz hatten die Münchner gegen den 1. FC Köln, doch zu selten gelang es einem Bayern-Spieler in den Rücken der gegnerischen Abwehr zu stoßen.

Auch hier mangelt es teilweise an der Abstimmung zwischen den einzelnen Spielern. Van Gaal nennt explizit Diego Contento, der zu oft Franck Ribery auf linksaußen den Platz nehme.

[kaltura id="0_1d5u9cj0" class="full_size" title="Doppelpass Kriselnde Bayern"]

Auch Lahm gibt zu: "Das haben wir in der letzten Saison besser gemacht, mit Zug und im richtigen Rhythmus. Aber der fehlt uns im Moment, wir spielen zu viel hintenherum."

Falsches System:

In allen drei Torlos-Partien (Lautern, Bremen und Köln) agierte der FCB nur mit einer Spitze, die entweder Ivica Olic oder Miroslav Klose hieß.

Dabei zeigte das Champions-League-Spiel gegen den AS Rom deutlich, dass sich der Rekordmeister mit zwei Stürmern gegen defensive Gegner leichter tut. Gegen die Italiener schickte van Gaal beim Stand von 0:0 in Hälfte zwei Klose und Mario Gomez aufs Feld.

Prompt fielen die beiden Treffer.

Auch die Spieler selbst befürworten wohl eine Systemumstellung, beißen sich aber auf die Zunge: "Das ist eine gute Frage für den Trainer", sagt Kapitän Mark van Bommel zur Taktikdiskussion.

Der "Zehner":

Toni Kroos ist bis auf das kurze Experiment mit Miroslav Klose gegen Bremen van Gaals Spielmacher. Der Trainer sieht beim Leverkusen-Rückkehrer allerdings noch Luft nach oben.

Kroos' Hauptproblem ist aber, dass er oftmals zu wenig Platz für seine Offensiv-Aktionen hat. Und das liegt nicht nur am defensiven Sperrgürtel der Gegner, sondern auch daran, dass Ribery oder Müller von außen nach innen ziehen.

Kroos selbst bereitet die Torflaute noch keine Kopfzerbrechen: "Ein Alarmzeichen ist das nicht. Das wäre es, wenn wir keine Torchancen haben".

Die Psyche:

Je länger die Torflaute andauert, desto mehr steigt der Druck auf die Spieler.

"Das ist eine Kopfsache. Die Spieler wissen, was passiert, wenn wir so wenig Punkte holen", erklärt van Gaal die psychologischen Folgen.

Gegen Köln war den Spielern die nötige Lockerheit im Torabschluss anzumerken. Die Bayern verkrampften im entscheidenden Moment.

Bei seiner Großchance kurz vor Schluss köpfte Thomas Müller aus kurzer Distanz überhastet Richtung Tor, anstatt den Ball erst anzunehmen. Kölns Keeper Faryd Mondragon hielt den schwachen Kopfball ohne Problem.

Es bleibt abzuwarten, ob van Gaal bereits gegen Hoffenheim auf die aufgezeigten Probleme reagiert.

Der Vorstandsvorsitzende bleibt zumindest noch cool: "Ich werde mir die Tabelle frühestens am 12. Spieltag anschauen", erzählt Karl-Heinz Rummenigge der "Bild" und prophezeit, dass die Bayern bald "eine Serie starten".

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