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Felix Magath wurde mit Bayern zweimal, mit Wolfsburg einmal Meister © imago

Nach Schalkes Katastrophen-Start wachsen Zweifel, ob Felix Magath es noch richten kann. Huntelaar kritisiert spielerische Armut.

Von Martin Hoffmann

München - Felix Magath hatte in den vergangenen Jahren etwas von Gustav Gans aus den Disney-Comics.

Was immer der Schalker Trainer tat, ihm gelang alles. Das Glück lag auf der Straße, er hob es auf.

Nach dem für Schalke wie Magath beispiellosen Fehlstart mit fünf Pleiten aus fünf Pflichtspielen steht Magath plötzlich da wie Donald Duck:

Gustavs Cousin, dem gar nichts mehr gelingen will (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und vor dem Gastspiel beim SC Freiburg am Mittwoch (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) gedeiht plötzlich etwas, was ihm in den vergangenen Jahren fremd geworden war: Zweifel.

Glaubenssätze verlieren an Gültigkeit

Zweifel an Glaubenssätzen, die dank dem Meisterschafts-Projekt in Wolfsburg und dem ersten Jahr auf Schalke schon wie ein Naturgesetz wirkten:

Dass Magath schon weiß, was er tut, am Ende alles gut wird und der Erfolg Magath recht geben wird.

Dieser Glaube an das Modell Magath ist spätestens seit dem Derby-Desaster gegen Dortmund (288558Bilder) erschüttert.

"Magaths Image bröckelt", merkt nicht nur die "Süddeutsche Zeitung" - und bestimmte Äußerungen seiner Spieler tragen dazu bei.

Huntelaar übt Fundamentalkritik

Neuzugang Klaas-Jan Huntelaar fällt schon mit Fundamentalkritik am spielerischen Zustand seines neuen Klubs auf.

"Wir spielen zu viele lange Bälle, die Löcher, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind zu groß", klagte er nach der Niederlage gegen den BVB.

Youngster Joel Matip fragte derweil: "Wie soll man sich einspielen, wenn jedes Mal eine andere Abwehr aufläuft?"

Während Keeper Manuel Neuer "Mut und Aggressivität" vermisste und monierte: "Wir haben zu wenige Spieler die Verantwortung übernehmen."

Eine Analyse, auf die Magath antwortete: "Da muss ich ihm vehement widersprechen."

[kaltura id="0_klv2noiz" class="full_size" title="Magath Jetzt ist Metzelder schon der Hoffnungsschimmer "]

Verpflichtet und links liegen gelassen

Magath können alle Äußerungen nicht gefallen, denn sie fallen letztlich vor allem auf ihn und seinen Radikalumbau des Teams zurück - samt den bislang zu besichtigenden Folgeschäden.

Trotzdem zeigte sich der sportiche Alleinherrscher in der Pressekonferenz am Dienstag überzeugt, "dass dieser Umbruch ohne Alternative ist, um Schalke so aufzustellen, dass wir in den nächsten Jahren Meister werden können".

Doch es fällt auf, dass Magath eine Reihe von Spielern, die er selbst eben erst verpflichtet hat, links liegen lässt.

Außenverteidiger Sergio Escudero, Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos, Flügelakteur Hao Junmin: Alle fehlten gegen Dortmund im Kader.

Metzelder kehrt zurück

Escudero wird in Freiburg dorthin zurückkehren, ebenso wie Atsuto Uchida und Christoph Metzelder, die ihre Verletzungen überwunden haben.

Metzelder, der mit seinen schwachen Leistungen vor dem Ausfall zu einer Art Gesicht der Krise wurde, könnte für den gesperrten Nicolas Plestan spielen.

Magath meinte dazu mit der ihm eigenen Ironie: "Jetzt ist es schon so weit, dass Metzelder unser Hoffnungsträger ist."

Wunderlicher Umgang mit Jurado

Wunderlich mutet derweil langsam der Umgang des Trainers mit dem 13-Millionen-Zugang Jose Jurado an.

Zuerst gab er zu, dass er lieber Zvjezdan Misimovic geholt hätte. Dann ließ er den spanischen Spielmacher gegen Dortmund auf der Bank.

Obwohl sich gerade Huntelaars Löcher-Anmerkung wie eine Forderung nach Jurado lesen lässt, meint Magath nun, dass dieser momentan "keine Option" für ihn sei.

"Jurado macht wenig Defensivarbeit", merkt Magath an: Bei den aktuellen "Unsicherheiten in der Abwehr" würde er mehr schaden als nutzen.

Einzelfall unter Unglücksfallen

Auffällig ist bei Magath auch die Bemühung, die Pleite gegen Dortmund als eine Art unglücklichen Einzelfall unter den restlichen Unglücksfällen zu deuten:

Als Folge eines "nervlichen Problems", das es bei den vorherigen Niederlagen nicht so gegeben wäre: Die Mannschaft sei am Sonntag "zum ersten Mal so aufgetreten".

Magaths Mittel dagegen: Er gab den Spielern am Montag frei, um die Köpfe frei zu bekommen.

Danach will er mit den Spielern "viel reden, um die ein oder andere Unsicherheit rauszubekommen".

Tönnies sucht Gespräch

Reden musste Magath auch mit Clemens Tönnes: Laut "WAZ" suchte der Aufsichtsratschef am Montagabend ein "Gespräch" mit dem Coach, mit dem er schon vor der Saison wegen des Ausgabenrahmens Streit hatte.

Die Unterredung ging für Magath aber wohl positiv auf. "Ich zweifle nicht an der Qualität des Trainers", lässt Tönnies wissen: "Wir fahren keinen Zickzackkurs, wir sind angetreten, den Verein neu aufzustellen, so ein Umbruch braucht seine Zeit."

Magath hofft nun auf den befreienden Effekt eines Sieges in Freiburg: "Da kann ein Erfolgserlebnis Wunder bewirken."

Nichts weniger als das scheint Gustav Gans a.D. derzeit du brauchen.

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