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Franck Ribery spielt seit 2007 beim FC Bayern München © imago

Die Münchner müssen den Last-Minute-Sieg in Hoffenheim teuer bezahlen. Denn Franck Riberys Leidenszeit setzt sich fort.

Von Andreas Kloo und Christian Ortlepp

München - Es hätte sein Spiel werden können.

Franck Ribery lieferte beim 2:1-Sieg der Bayern in Hoffenheim seine bislang beste Saison-Leistung ab, wirbelte immer wieder über die linke Seite.

Seinen Gegenspieler Tobias Weis stellte er vor derart große Problem, dass dieser schnell rotgefährdet war und Hoffenheims Coach Ralf Rangnick ihn in der Halbzeit auswechseln musste.

Schließlich bereitete Ribery in der 63. Minute auch noch mit einer starken Solo-Aktion über links den wichtigen 1:1-Ausgleich durch Thomas Müller vor.

Doch dabei traf ihn 1899-Abwehrspieler Andreas Beck am rechten Sprunggelenk, Ribery knickte um.

Tränen bei Ribery

Schnell war klar, dass es sich um eine schwerwiegendere Verletzung am Sprunggelenk handelt.

Ribery fluchte und schimpfte, Tränen standen ihm in den Augen, als ihn zwei Bayern-Betreuer vom Platz führten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Er ist sehr deprimiert", schilderte Sportdirektor Christian Nerlinger die Gefühlslage des Franzosen und fügt besorgt hinzu: "Es wäre ein Drama, wenn er erneut lange ausfallen würde."

Immerhin hatte Ribery schon deutlich bessere Laune, als er am Mittwochmorgen um 10 Uhr zur genauen Untersuchung bei Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erschien.

Dort gaben sich die Promis ohnehin die Klinke in die Hand, denn zur Untersuchung weilten unter anderem auch Dortmunds verletzter Kapitän Sebastian Kehl und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Pessimistische Bayern

Trainer Louis van Gaal machte sich schon vor der genauen Diagnose wenig Hoffnungen. "Ich glaube, dass es eine schwere Verletzung ist", erklärte der Coach.

Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge gibt sich ähnlich pessimistisch: "Es kann sein, dass er länger ausfällt. Es ist möglicherweise am Bänderapparat etwas kaputt."

Es wäre die Fortsetzung der Leidenszeit Riberys. In der Vorsaison kam er wegen Verletzungen an Patellasehne und Adduktoren überhaupt nicht in Tritt, absolvierte nur 19 Liga-Spiele.

In der Sommerpause ließ er sich an beiden Leisten operieren und stieg verspätet in die Saisonvorbereitung ein.290019 (DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Viel hatte er sich für die neue Spielzeit vorgenommen.

"Diese Saison will ich zu 100 Prozent fit sein und alle Spiele machen. Ich werde eine große Saison spielen - für mich, für den Klub und für alle Fans", hatte er vor der Saison im SPORT1-Interview erklärt.

Auch Robben fällt lange aus

Doch nun sieht es danach aus, als würde für die Bayern der Super-GAU eintreten und das Außen-Duo Rib Rob lange Zeit ausfallen.

Robben wird nach seinem Muskelbündelriss in diesem Jahr wohl nicht mehr auf den Platz zurückkehren.

Für Optimismus bei den Münchnern sorgten immerhin der erste Ligasieg seit dem ersten Spieltag und die positiven Signale, die in Sachen Vertragsverlängerung für van Gaal ausgesendet wurden.

Nach übereinstimmenden Medienberichten steht der Coach vor Unterzeichnung eines Kontrakts bis 2012.

Pyrrhus-Sieg statt Dusel-Sieg

Der ersehnte Befreiungsschlag nach den drei Torlos-Partien wird aber durch Ribery Verletzung zum Pyrrhus-Sieg.

Von einem Dusel-Sieg wollte beim Rekordmeister ohnehin niemand etwas wissen.

"Wenn man sieht, wann wir getroffen haben, schaut das natürlich glücklich aus", meinte Kapitän Mark van Bommel.mit Blick auf den Siegtreffer von Daniel van Buyten in der Nachspielzeit.

"Aber wer das Spiel gesehen hat, muss sagen. Das war verdient. Wir waren in der ersten Halbzeit gut, in der zweiten Halbzeit haben wir dann richtig gut gespielt", äußerte sich der Niederländer zufrieden.

79 Prozent Ballbesitz

Die Statistik unterstreicht van Bommels Aussage. 79 Prozent Ballbesitz hatten die Bayern bei der Auswärtspartie in Hoffenheim vorzuweisen.

Dennoch hatten die Münchner Glück, dass sie in der 42. Minute nicht mit 0:2 in Rückstand lagen, als Sejad Salihovics Freistoß vom Innenpfosten wieder heraussprang.

Nicht nur wegen dieser Szene zeigten sich die Hoffenheimer nach dem Schlusspfiff tief enttäuscht.

"Es ist ärgerlich, wenn man sieht, welchen enormen Aufwand die Jungs heute betrieben haben", ärgerte sich Trainer Ralf Rangnick.

"Wenn man in der Nachspielzeit so ein Tor kassiert, ist das enorm bitter. Wir hätten einen Punkt absolut verdient gehabt."

Dabei war den Kraichgauern mit dem schnellsten Tor der bisherigen Saison durch Vedad Ibisevic nach 34 Sekunden ein perfekter Start in die Partie gelungen.

Doch am Ende stand die erste Saison-Pleite der Rangnick-Truppe zu Buche.

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