vergrößernverkleinern
Felix Magath wurde mit Bayern zweimal, mit Wolfsburg einmal Meister © getty

Vor dem Duell bei Angstgegner Freiburg wählt Felix Magath die Vorwärtsverteidigung und schimpft auf das kritische Schalker Umfeld.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist der schlimmste Saisonstart der königsblauen Klub-Geschichte:

Null Punkte nach vier Liga-Spielen. Zuletzt das wehrlose Derby-Desaster gegen Dortmund (288558Bilder).

Dazu noch der verpatzte Auftakt in der Champions League (0:1 in Lyon).

Und ausgerechnet jetzt sieht sich FC Schalke 04 mit Angstgegner SC Freiburg konfrontiert (ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER).

2005 letzter Sieg gegen Freiburg

Der letzte Sieg gegen die Breisgauer liegt bereits fünf Jahre zurück. In 24 Erstliga-Duellen gab es gerade mal acht Siege. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und die Freiburger sind nach dem besten Bundesliga-Start als Tabellenfünfter mit drei Siegen enorm selbstbewusst.

Kein Wunder, dass Freiburgs Trainer Robin Dutt vor dem Duell süffisant meint: "Es könnte unser Vorteil sein, dass die Schalker Angst vorm Versagen haben."

Magaths Nerven liegen blank

Wie sehr die Nerven der Knappen inzwischen blank liegen, äußerte sich schon unmittelbar nach der Pleite gegen Dortmund - vor allem bei Felix Magath.

Der Trainer erklärte deprimiert: "Die Niederlagen haben Spuren hinterlassen. Die Truppe ist völlig verunsichert."

Magath zeigte sich zunächst ratlos, doch wenig später hatte er offenbar seine Marschroute gefunden: Die Vorwärtsverteidigung.

[kaltura id="0_klv2noiz" class="full_size" title=" Jetzt ist Metzelder schon der Hoffnungsschimmer "]

"Hausgemachte Probleme"

In der "Sport Bild" sprach der 57-Jährige, der vor der Saison einen radikalen Umbruch mit 15 Ab- und 14- Zugängen für rund 37 Millionen Euro betrieben hatte, von "hausgemachten Problemen, die dem FC Schalke schaden".

Es gebe Menschen, "die den neuen Weg vom ersten Tag an nicht so gerne gesehen haben."

Im Verein machten "zu viele ihre eigene Politik"; es sei ein Problem, dass Schalke nicht einheitlich nach innen und außen auftrete.

"Hier gibt es nur einen Schuldigen"

Und: Erst wenn der Verein sich nicht mehr mit sich selbst beschäftige, sondern die Führung unterstütze, werde er stabil sein.

Magath räumte zwar ein, auch Fehler gemacht zu haben: "Dazu stehe ich auch. Hier gibt es nur einen Schuldigen. Das bin ich."

Gleichzeitig aber zeigte er mit dem Finger auf andere.

Er habe sich seit seinem Amtsantritt vor 15 Montane zu sehr darauf verlassen, dass die Notwendigkeit für Veränderungen allen klar gewesen sei, meinte Magath:

"Ich hätte nicht nur die Mannschaft und die Menschen, die eng am Team waren, mitnehmen, sondern allen im Verein mehr Aufmerksamkeit widmen müssen."

Magath schreibt Meisterschaft ab

Die Meisterschaft hat Magath ohnehin längst abgehakt:

"Diese Mannschaft wird den Titel nicht holen können", sagt der Coach, fügt jedoch an: "Aber sie ist die Basis dafür, dass dies in den nächsten drei Jahren gelingt."

Schalke sei "besser aufgestellt als vor 15 Monaten. Deutlich besser."

Raul, Huntelaar und Jurado floppen bislang

Rein sportlich betrachtet hat Magath diese Meinung beim Schlusslicht derzeit allerdings wohl exklusiv.

Die namhaften Star-Zugänge Raul und Klaas-Jan Huntelaar haben sich bisher noch nicht als die Heilsbringer erwiesen, die sie sein sollten.

13-Millionen-Euro-Mann Jurado kommt zudem auf gerade mal elf Minuten Einsatzzeit.

Dennoch boomt Schalke

Dass Magath trotzdem fest im Sattel sitzt, liegt zum einen am Boom des Klubs:

Seit seinem Amtsantritt ist unter anderem der Mitglieder-Stand von 77.500 auf knapp 90.000 angewachsen, der Umsatz von Fan-Artikeln seit August 2009 von 1,06 Millionen auf 1,66 Millionen Euro explodiert.

Zum anderen ist ein Rauswurf Magaths wegen dessen Ämter- und Generalmacht im Klub schwer zu vollziehen:

Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies kann laut Statuten zwar sofort den Vorstandschef Magath entlassen, nicht aber den Trainer und Manager Magath.

Möglich wird das erst in einem zweiten Schritt.

Tönnies bleibt vorerst ruhig

Bislang hält Tönnies die Füße still, duldet auch Magaths Alleingänge. "Ich zweifle nicht an der Qualität des Trainers", erklärte er.

"Wir fahren keinen Zickzackkurs, sondern wollen den Verein neu aufstellen. Den Fehlstart werden wir jetzt korrigieren. Dieser Umbruch braucht Zeit."

Eine Entlassung Magaths ist auch laut Sport-Vorstand Horst Heldt völlig ausgeschlossen. "Das ist überhaupt kein Thema. Ich finde es immer schlimm, wenn von außen solche Diskussionen reingetragen werden, die der Klub dann abarbeiten muss. Diese Diskussion ist einfach nur unsinnig."

Die Geduld beim bekanntlich recht unruhigen Schalker Umfeld dürfte aber bei einer weiteren Pleite in Freiburg schon nahezu aufgebraucht sein.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel