vergrößernverkleinern
Torsten Frings holte mit Werder zuletzt 2009 einen Titel - den DFB-Pokal © getty

Torsten Frings analysiert im SPORT1-Interview Werder Bremens Krise. Der Kapitän wirft seinen Mitspielern fehlenden Einsatz vor.

Von Jürgen Blöhs

München - Die Wiedergutmachung für die Pleite gegen Mainz ist Werder Bremen kräftig misslungen.

Beim 1:4-Debakel in Hannover kam es für die Grün-Weißen sogar noch schlimmer. 290019(DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Die Defensive präsentierte sich wieder einmal löchrig und hat ligaweit die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

Und mitten in der Krise kommt am Samstag (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) der HSV zum prestigträchtigen Nordderby ins Weserstadion.

"Alles muss auf den Tisch"

"Wir dürfen jetzt weder in Panik verfallen, noch die Hände in den Schoß legen", sagt Manager Klaus Allofs, erklärt aber auch: "Wir hängen sechs Punkte hinter unserem Plan hinterher." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht Torsten Frings hingegen die Missstände schonungslos an.

"Ich habe das Gefühl, dass sich einige Spieler derzeit selbst zu wichtig nehmen und sich nicht in letzter Konsequenz für die Mannschaft einsetzen", so der Werder-Kapitän.

Claudio Pizarro und Per Mertesacker stehen zwar vor ihrer Rückkehr ins Team, reichen aber nicht als Mutmacher. "Wir müssen dringend miteinander reden. Alles muss auf den Tisch", fordert Frings eine Aussprache.

SPORT1: Herr Frings, nach dem 0:2 gegen Mainz hat die Mannschaft Besserung versprochen, dann kam das 1:4 in Hannover. Wo hapert es bei Werder?

Torsten Frings: Wir präsentieren uns im Moment nicht als Mannschaft und zeigen nicht das, was uns normalerweise stark macht. Hannover hat uns gezeigt wie es geht. Da läuft jeder für jeden, und wenn einer mal einen Fehler macht, setzt der andere sich für ihn ein. Außerdem lassen wir viel zu viele Chancen zu. Wir hätten ja sogar noch höher verlieren können. Das Schlimmste ist, dass wir uns nicht einmal wehren gegen eine Niederlage und alles kampflos über uns ergehen lassen.

SPORT1: Aber es ist noch keine zwei Wochen her, dass die Mannschaft beim FC Bayern ein großes Spiel gemacht hat. Und gegen Tottenham lief es doch auch nach verschlafener Anfangsphase...

Frings: Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich gegen die Bayern und in der Champions League jeder gut präsentieren will und das ein oder andere Prozent mehr gibt.

SPORT1: Aber Mainz muss doch Warnung genug gewesen sein, auch Mannschaften wie Hannover ernst zu nehmen...

Frings:Natürlich, aber ich habe das Gefühl, dass sich einige Spieler derzeit selbst zu wichtig nehmen und sich nicht in letzter Konsequenz für die Mannschaft einsetzen.

SPORT1: Ein schwerer Vorwurf. Welche Spieler meinen sie konkret?

Frings: Da werde ich ihnen jetzt keine Namen nennen. Fakt ist, wir präsentieren uns nicht als Mannschaft. Da müssen wir schnellstens wieder hin. Sonst brauchen wir gar nicht über den Titel zu reden.

SPORT1: Wie schwer wiegt das Fehlen der Innenverteidigung Naldo und Per Mertesacker sowie von Top-Stürmer Claudio Pizarro.

Frings: Bei den Bayern haben wir auch ohne sie ein großes Spiel gezeigt und kein Tor zugelassen. Das lass' ich nicht als Ausrede gelten. Aber auf Dauer sind sie natürlich nicht zu ersetzen. Mit den Dreien sind wir natürlich stärker besetzt.

SPORT1: Am Samstag kommt nun der HSV zum Nordderby, dann geht's zu Inter Mailand. Wie wollen Sie in der kurzen Zeit das Ruder rumreißen?

Frings: Diese Gegner geben natürlich schon einen Motivationsschub. Aber das allein genügt nicht. Niederlagen wie gegen Mainz und Hannover stärken natürlich nicht gerade das Selbstbewusstsein. Wir dürfen auf keinen Fall den Fehler machen, dieses Spiel einfach abzuhaken. Wir müssen dringend miteinander reden. Alles muss auf den Tisch.

SPORT1: Ohne Trainer sich als Mannschaft einfach mal alles um die Ohren hauen?

Frings: Nein, das gesamte Team muss sich zusammensetzen, die letzten Spiele schonungslos analysieren und Lehren daraus ziehen. Leider haben wir dafür nur wenig Zeit.

SPORT1: In so einer Situation sind Sie als Mannschaftsführer besonders gefragt. Was können Sie zur Besserung beitragen?

Frings: Natürlich werde ich mit den Kollegen reden, aber ich kann ihnen das Spielen und Kämpfen nicht abnehmen. Das muss jeder Einzelne selber wollen. So lange das nicht der Fall ist, kann man noch so viel reden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel