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Mainz ist erst die fünfte Mannschaft, die 15 Punkte aus den ersten fünf Spielen holte © imago

Die Erfolgsserie der Mainzer ist kein Zufall, Tuchels Handschrift unverkennbar: SPORT1 und Holtby erklären das Erfolgsgeheimnis.

Von Christian Stüwe und Andreas Kloo

München - Eigentlich ist das zweite Jahr für einen Aufsteiger immer das schwerste.

Nicht wenige Experten hatten vor der Saison Mainz 05 nach dem respektablen neunten Platz in der vergangenen Saison und dem Abgang von Aristide Bance eher in den unteren Tabellenregionen erwartet.

Doch nach fünf Siegen in den ersten fünf Saisonspielen spricht davon niemand mehr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Mannschaft grüßt nach dem sensationellen Saisonstart von der Tabellenspitze - und sorgt schon rund sechs Wochen vor dem offiziellen Beginn der Karnevalssaison für sensationelle Stimmung in der ohnehin feierfreudigen Stadt am Rhein.

Party-Laune bei Fans und Spielern

Zu beobachten war das am Dienstagabend.

Rund eine Viertelstunde nachdem die junge Mainzer Elf den Sieg gegen Köln unter Dach und Fach gebracht hatte, jubelten die Mainzer Fans immer noch mit den Spielern.

"Das ist Gänsehaut pur", freute sich Trainer Thomas Tuchel bei LIGA total!. Manager Christian Heidel fehlten die Worte: "Es ist momentan alles so wie in einem Kinofilm."290019(DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Tuchel setzt auf junge, schnelle Spieler

Das Drehbuch zu diesem Film stammt aus der Feder Tuchels: In seinem zweiten Jahr als Profitrainer hat er sich eine Truppe zusammengestellt, die seine Philosophie vom Fußball perfekt umsetzt.

Ob Lewis Holtby, Marcel Risse, Andre Schürrle, oder Adam Szalai - der 37-Jährige setzt auf junge, schnelle und umschaltstarke Spieler.

"Der Trainer hat eine Riesenwirkung", sagt Holtby zu SPORT1: "Er gibt uns das Vertrauen, er gibt uns die Marschroute vor."

Holtby ein Eckpfeiler

Zwei Tore gelangen Holtby gegen Köln. Bei seinem Stammverein Schalke dürfte man sich angesichts solcher Leistungen fragen, warum er eigentlich an den Bruchweg verliehen wurde.

Unter Tuchel blüht der gerade 20 Jahre alt gewordene offensive Mittelfeldspieler richtig auf - von der Arbeit des Trainers ist er begeistert.

"Er erzählt keinen Blödsinn, sondern hat einen konkreten Plan zu jedem Gegner", sagt Holtby.

Fußball wie "in der Premier League"

Tuchel steht für Fußball moderner Prägung: taktisch variabel, passorientiert, Pressing. Egal ob die Mannschaft wie in Wolfsburg 0:3 hinten liegt oder gegen die aufsteckenden Kölner führt.

"So könnten wir auch in der Premier League mitspielen", freute sich Tuchel nach dem Köln-Spiel.

In der vergangenen Saison spielte die Mannschaft noch weniger modern. Immer wieder wurden hohe Bälle auf Bance gespielt, der dann selber vollendete oder ablegte.

Vielleicht liegt genau hier ein Erfolgsgeheimnis: Das Mainzer Angriffsspiel ist nach dem Abgang des Stürmers aus Burkina Faso variabler geworden.

Jobsharing als Erfolgsmodell

Selbst das Personal ist austauschbar. Denn Tuchel hat die Rotation eingeführt, eine Maßnahme, die Ottmar Hitzfeld vor einigen Jahren beim FC Bayern große Mühe bereitete.

Alle Spieler sind betroffen, in fünf Spielen lief jeweils eine andere Startformation auf. Mal sitzt Schürrle draußen, mal der starke Außenverteidiger Christian Fuchs.

Oder eben Holtby, der gegen Köln erst in der 64. Minute ins Spiel kam.

Kein Murren, keine "Stinkstiefel"

Die Maßnahmen des Trainers nehmen alle ohne Murren hin. Das praktizierte Jobsharing sorgt dafür, dass die Spieler ausgeruht sind und immer wieder hohes Tempo gehen können.

"Selbst ich war nicht traurig, dass ich zu Beginn draußen sitzen musste, weil ich noch müde war", erklärte Holtby : "Jeder hat bei uns das Gefühl, wichtig zu sein. Nur so kannst du Erfolg haben."

"Stinkstiefel" sucht man in der Mannschaft vergebens, alle ziehen an einem Strang.

Am Samstag gegen Bayern

Dementsprechend bringt Tuchel das Erfolgsgeheimnis auf einen recht simplen Nenner: "Harte Arbeit und eine Top-Truppe mit sensationellen Charakteren und großer sportlicher Qualität."

Nun steht das junge Team vor seinem Meisterstück. Am Samstag (15 Uhr im LIVE-TICKER) treten die Mainzer bei Rekordmeister Bayern München an.

"Wir träumen nicht von Europa", hatte Heidel noch am Sonntag im SPORT1-Doppelpass versucht, die Euphorie ein wenig zu bremsen.

Sollte sich die sensationelle Serie der 05er aber auch in der Allianz-Arena fortsetzen, dürften die Worte des Managers nicht mehr allzu viel wert sein.

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