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Philipp Lahm war von 2003 bis 2005 an den VfB Stuttgart ausgeliehen © getty

Philipp Lahm schildert bei SPORT1, wie Bayern die Zeit ohne "Robbery" überbrücken will. Er spricht auch über seine Zukunft.

Von Daniel Rathjen und Christian Ortlepp

München - Philipp Lahm ist felsenfest von der Stärke des FC Bayern überzeugt - erst recht nach dem Auswärtssieg in Hoffenheim.

Aus Sicht des Nationalspielers stecken die Münchner auch den Ausfall der beiden Starspieler Franck Ribery und Arjen Robben weg.

290019(DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Im SPORT1-Interview spricht Lahm über die Folgen der neuerlichen Ribery-Verletzung, den holprigen Saisonstart und seine eigene Zukunft. Zudem ordnet er die FCB-Transferstrategie ein.

SPORT1: Herr Lahm, überwiegt mehr die Freude über den 2:1-Sieg in Hoffenheim oder sitzt der Schock über die Ribery-Verletzung noch zu tief?

Philipp Lahm: Wir freuen uns natürlich, dass wir in Hoffenheim endlich wieder drei Punkte eingefahren haben. Aber natürlich ist die Enttäuschung da, weil wir einen wichtigen Spieler für die nächsten Wochen verloren haben.

SPORT1: Nach Arjen Robben fällt nun auch Franck Ribery aus. Sind die Beiden überhaupt zu ersetzen?

Lahm: Eins zu eins mit Sicherheit nicht. Es sind zwei Ausnahmefußballer. Das hat man in der letzten Saison gesehen. Ein Verein wie der FC Bayern muss das aber auffangen können, auch die Spieler müssen das auffangen können.

SPORT1: Kommen die Erfahrungen aus der letzten Saison dem FCB in der jetzigen Situation zugute?

Lahm: Wir haben bereits in der letzten Saison gezeigt, dass wir trotz der Ausfälle von Arjen und Franck Spiele gewinnen und dominant spielen können. Das ist jetzt auch die Zielsetzung für die nächsten Wochen.

SPORT1: Sie haben sich vor der Saison gewünscht, dass man nicht wieder so einen Stotterstart wie in der letzten Spielzeit erwischt. Wieso ist der FC Bayern erneut nicht so richtig aus den Startlöchern gekommen?

Lahm: Die Gründe liegen sicherlich bei der Weltmeisterschaft und der kurzen Vorbereitung. Man hat klar gesehen, dass wir nicht unseren Rhythmus gefunden haben. Gegen Hoffenheim hat die Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison ihre Leistung zu hundert Prozent abgerufen. Uns war klar, dass es in den ersten Monaten schwierig werden wird, aber wir haben uns dennoch einen anderen Start vorgestellt.

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SPORT1: Worin liegt genau die Schwierigkeit, nach der WM seine Leistung abzurufen?

Lahm: Erst mal ist es schwer, sich vom Kopf her wieder zu hundert Prozent vorzubereiten. Dann kommt auch noch das physische Problem hinzu. Man hat eben eine kurze Vorbereitung. Trotzdem hätten wir uns mehr Punkte gewünscht. Wir hatten sicherlich gegen Köln und in Kaiserslautern die Möglichkeit zu gewinnen. Uns hat auch etwas Glück gefehlt.

SPORT1: Wann wird der FC Bayern zum Großangriff blasen und auch durchstarten?

Lahm: Ich hoffe, dass das Spiel in Hoffenheim der Startschuss war und dass wir am Wochenende nachlegen werden. Dann haben wir wieder Champions League, aber wir müssen jetzt erst mal in der Bundesliga schauen, dass wir oben wieder rankommen.

SPORT1: Im Kader des FC Bayern stehen sechs Spieler aus der früheren FCB-Jugend. Ist das womöglich die neue Vereins- und Transferpolitik?

Lahm: Dass man auf Jugendspieler setzt, bedeutet ja nicht, dass man keine neuen Spieler mehr verpflichtet. Das hat man in der Vergangenheit ja auch schon so gemacht. Wichtig ist, dass aus der eigenen Jugend Spieler integriert werden. Man muss nicht immer das große Geld ausgeben. Mit diesem Weg hat man in der letzten Saison bereits große Erfolge gefeiert.

SPORT1: Haben Sie deshalb auch Verständnis, dass die Vereinsführung keine Neuzugänge holen wollte?

Lahm: Erst mal muss man sagen, dass man auch eine Verstärkung finden muss, die die Mannschaft weiterbringt. Wir haben gesehen, dass wir mit dieser Mannschaft sehr viel erreichen können. Dennoch glaube ich, dass man sich immer wieder verstärken muss, aber das hat man diese Saison auch gemacht, indem Toni Kroos und auch andere Spieler zurückgeholt wurden.

SPORT1: Hätten Sie eine Verstärkung in der Sommerpause auf Ihrem Zettel gehabt?

Lahm: Nein, ich glaube der Verein hat das so richtig entschieden. Man muss immer in die Zukunft schauen. Es wird sicher wieder Transfers geben.

SPORT1: Sie haben vor gut einem Jahr die Transferpolitik des Vereins kritisiert. Hat sich alles wieder so gedreht, wie Sie es haben wollten?

Lahm: Mit der letzten Saison kann man sehr zufrieden sein. Wir waren im Champions-League-Finale und haben zwei Titel gewonnen. Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich habe auch damals gesagt, dass dieser Trainer die Mannschaft weiterbringt.

SPORT1: Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich, dass Sie um fünf weitere Jahre verlängern. Wollen Sie das auch?

Lahm: Da muss man sich natürlich zusammensetzen. Aber ich habe immer gesagt, wenn man so wie wir auf dem richtigen Weg ist - und ich sehe, dass es voran geht -, dann gibt es auch keinen Grund für mich, woanders hinzugehen.

SPORT1: Können Sie sich eigentlich vorstellen, in der Zukunft irgendwo anders zu spielen?

Lahm: Man darf niemals nie sagen, das ist ganz klar. Aber das ist hier meine Heimatstadt, mein Heimatverein, und ich will international erfolgreich Fußball spielen. Das war im letzten Jahr der Fall und wird hoffentlich in Zukunft auch noch so sein.

SPORT1: Ihr nächster Gegner Mainz ist bereits sieben Punkte vor dem FC Bayern. Werden es am Wochenende nur noch vier Punkte sein?

Lahm: Hoffentlich werden es vier, und es müssen eigentlich danach nur noch vier Punkte sein. Wir sind natürlich unter Druck, weil wir in den ersten Spielen zu viele Punkte liegen gelassen haben, aber zu Hause in der Allianz-Arena muss man gegen Mainz auch drei Punkte einfahren.

SPORT1: Kaiserslautern wurde als Aufsteiger Meister. Nehmen Sie Mainz genauso ernst?

Lahm: Absolut. Deswegen sagen wir auch, dass wir am Wochenende unbedingt gewinnen müssen, sonst wird der Abstand einfach zu groß. Wir sind auf dieses Spiel gut vorbereitet und wissen, dass Mainz als Mannschaft stark auftritt, aber auch gute Einzelspieler hat, die ein Spiel entscheiden können. Wir haben allerdings auch viel Qualität in unseren Reihen.

SPORT1: Sagen Sie aufgrund des Sieben-Punkte-Rückstands weiterhin, dass Bayern Meister wird?

Lahm: Ja, absolut. Wir haben in unseren Reihen die größte Qualität und werden deswegen auch Deutscher Meister.

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