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Die Borussia, hier Marx, Bobadilla und Bradley (v.l.), wartet weiter auf den ersten Heimsieg © getty

Nach der Peite gegen St. Pauli schießt sich Gladbach auf den Schiedsrichter ein Über die eigene Leistung sprechen sie kaum.

Mönchengladbach - Die Armee der Schönredner feuerte aus allen Rohren.

Doch zur Sicherheit suchte sich Borussia Mönchengladbach auch noch einen Sündenbock.

Eine mysteriöse Verschwörung der Schiedsrichter, so der Tenor nach der 1:2 (1:0)-Heimniederlage gegen den Aufsteiger FC St. Pauli, bringe den aufopferungsvoll kämpfenden fünfmaligen Deutschen Meister regelmäßig um den Lohn. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es roch nicht nur, es stank schon fast nach fauler Ausrede.

"Wurden um einen Punkt gebracht"

"Die falschen Entscheidungen prallen in einer Häufigkeit auf uns, dass ich es nicht mehr verstehen kann", sagte Trainer Michael Frontzeck.

Rainer Bonhof fuhr noch schwerere Geschütze auf. "Wir wurden hier um mindestens einen Punkt gebracht. Es wurden klare Dinge nicht gesehen - das war bereits letzte Saison so", sagte der Vize-Präsident.

Auch Sportdirektor Max Eberl warf Deniz Aytekin vor, dieser habe ja "keine Traute, auf beiden Seiten die Kann-Elfmeter zu pfeifen". 290019 (DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Einspruch gegen Platzverweis

Dass Aytekin in der Nachspielzeit dann auch noch Mo Idrissou vom Platz stellte, missfällt den Borussen ebenfalls.

Die Fernsehbilder zeigten nach Ansicht der Gladbacher, dass die zweite Gelbe Karte unberechtigt sei.

"Man sieht ganz deutlich, dass Mo Idrissou von seinem Gegenspieler weggeschubst wird und dann weggeht. Bei dem anschließenden Gerangel war er nicht beteiligt, sondern er stand deutlich sichtbar einige Meter entfernt", sagte Geschäftsführer Stephan Schippers:

"Wir sind der Meinung, dass der Schiedsrichter sich hier geirrt hat und es sich um eine Verwechslung handelt. Wir haben deshalb entschieden, Einspruch einzulegen, um die zweite Gelbe Karte und damit den Platzverweis und die Sperre rückgängig zu machen."

Anspruch höher als Spielstärke

Der Verein, so Bonhof, erwäge, "Aytekin künftig abzulehnen".

Vor fünf Tagen 0:7 in Stuttgart, nun 1:2 - sicherlich kann man das als Steigerung verstehen.

Doch so verkaufen sollte man es nicht, besonders nicht bei der Borussia, wo der Anspruch seit Jahrzehnten deutlich höher ist als die Spielstärke.

"Seelenmassage" in Holland

Unterm Strich stehen 17 Gegentore in vier Spielen, außerdem null Punkte seit dem grandiosen 6:3 bei Bayer Leverkusen am zweiten Spieltag.

Und am Samstag bei Schalke 04, das endlich einmal gewonnen hat, wird es sicher nicht einfacher.

Frontzeck schickte seine "enttäuschte, aber nicht ratlose Mannschaft" deshalb in ein kurzes Regenerations-Trainingslager nach Holland. Für den Weg gab es Seelenmassage.

Und jetzt gegen Schalke

"Sie hat viel investiert, sie hat gekämpft, sie hat eine Reaktion gezeigt, wie ich es erwartet habe. Es fehlte einfach das nötige Glück. Am Samstag werden wir es wieder versuchen", gab der Trainer dem Team mit.

Ob es nur Durchhalteparolen waren, wird sich am Wochenende auf Schalke, das mit dem 2:1-Erfolg in Freiburg seinerseits den freien Fall stoppte, zeigen.

Bei St. Pauli dagegen war die Stimmung prächtig. Ein Ghettoblaster spielte in der Gästekabine den Mallorca-Hit "Party, Palmen, Weiber und ein Bier", während die Gladbacher noch vom Platz trotteten.

Bei St. Pauli dröhnt der Ghettoblaster

Und Gerald Asamoah, der dem Spiel drei Minuten nach seiner Einwechslung mit dem 1:1 (63.) die Wende gegeben hatte, war zu Scherzen aufgelegt.

"Asamoah steht dumm rum, der weiß wieder mal nicht, wo er hin soll. Ball kommt, Kopfball, ins Tor" - mit diesen Worten schilderte er den Ausgleich und erklärte, er habe auf St. Pauli "endlich wieder Spaß am Fußball".

Und weiter: "Das Problem ist: Ich wollte irgendwann noch mal Meister werden - das wird natürlich langsam eng."

Samstag kommt der BVB zum Spitzenspiel

Am Samstag kommt es auf dem Kiez zur Nagelprobe: Borussia Dortmund, das derzeit "heißeste" Team der Liga, kommt ans Millerntor.

"So haben wir uns das vorgestellt: wieder ein Spitzenspiel", sagte Sportdirektor Helmut Schulte.

In Mönchengladbach muss man darauf wohl noch etwas länger warten.

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