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Lukas Podolski hat in dieser Saison mit Köln schon dreimal verloren © imago

Podolski kritisiert die Ausrichtung der Kölner, Soldo verteidigt seine Taktik. Meier spricht von einem zwölf Jahre alten Problem.

Von Thorsten Mesch

München - Am Geißbockheim rumort es nach dem desolaten Auftritt der Kölner in Mainz gewaltig.

"Das war ein peinlicher Auftritt", hatte Lukas Podolski nach dem 0:2 beim Überraschungs-Tabellenführer Mainz gepoltert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ohne in Zweikämpfe zu gehen, ohne Laufbereitschaft - so kann man nicht auftreten", lautete die Kritik des Nationalspielers nach dem blutleeren Auftritt: "Wir müssen offensiver spielen und mehr nach vorne riskieren!"

Podolski war, wie schon beim 0:0 in München am vergangenen Samstag, im Sturm zumeist auf sich allein gestellt und ging in Mainz mit seinen Mitspielern unter. 12095(DIASHOW: Podolskis Karriere).

Für das richtungweisende Heimspiel am Freitag (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) gegen die Kraichgauer, die in Köln bislang zwei Siege und 7:1 Tore holten, forderte Manager Michael Meier Wiedergutmachung.

Vom Führungsspieler Podolski war auf dem Platz nicht viel zu sehen, aber dennoch trafen seine Aussagen den Nagel auf den Kopf.

"Wir hatten in keiner Phase das Spiel im Griff oder haben uns Möglichkeiten erarbeitet - das ist einfach zu wenig", lautete sein Fazit, mit dem er auch Kritik an Trainer Zvonimir Soldo übte.

Soldo verteidigt seine Taktik

Soldo verzichtete zwar darauf, Podolski zurechtzuweisen, wehrte sich jedoch gegen den Vorwurf, er vernachlässige die Offensive.

"Ich würde es verstehen, wenn wir mit sechs Vorstoppern spielen würden, aber wir hatten sechs offensive Leute in der Mannschaft", sagte der Kroate.

"Man kann nicht in jedem Spiel so viele Chancen haben. Wir wollten nach vorne spielen", verteidigte sich der Coach, "aber der ein oder andere Spieler war beeindruckt."

Anders als in München, wo die Kölner dem FC Bayern mit ihrer Defensiv-Taktik ein Remis abgetrotzt hatten, verlor Soldos Mannschaft in Mainz die Ordnung und kassierte zwei vermeidbare Tore.

Meier will Wiedergutmachung

"Es ist gut, dass wir Freitag schon wieder spielen", sagte FC-Präsident Wolfgang Overath in der "Bild".

Er könne "den Jungs keinen Vorwurf machen, dass sie es nicht wenigstens versucht haben. Aber spielen wir auch gegen Hoffenheim so, wird es sehr, sehr schwer."

"Da haben wir die Möglichkeit, den Ausrutscher schnell wieder zu korrigieren", nahm Meier indes die Mannschaft in die Pflicht.

Probleme in der Kreativabteilung

Seit dem ersten Abstieg im Jahr 1998 gab es, abgesehen von drei Aufstiegen, nicht viel zu feiern, fehlt es den Kölnern vor allem an Kreativität im Spiel nach vorn.

In der vergangenen Rückrunde hatte der FC in dem von Manchester United ausgeliehen Zoran Tosic einen technisch starken Mann, der Pässe spielte, wie sie die Zuschauer in Müngersdorf seit Jahren nicht gesehen hatten.

Doch den Serben konnte Köln nicht finanzieren, er folgte dem Ruf des Geldes und wechselte zu ZSKA Moskau.

Taner Yalcin (20), Christian Clemens (19) sind durchaus talentierte Mittelfeldspieler, aber noch zu schwankend in ihren Leistungen.

Adam Matuschyk (21) gehörte gegen Ende der vergangenen Saison zum Stamm, kam in dieser Spielzeit aber bisher nur als Einwechselspieler im Einsatz.

Der ebenfalls eingewechselte Kevin Pezzoni (21) verschuldete mit einem Foul den Freistoß, der zum 0:1 führte.

"Wir haben uns entschieden, auf unsere Jugend zu setzen", sagt Soldo.

Youngster sind verunsichert

Doch die Youngster sind verunsichert. Der zuvor gelobte Abwehrspieler Stephan Salger kam nach dem 1:3 gegen Kaiserslautern und einer ersten Halbzeit beim 2:4 in Bremen nicht mehr zum Einsatz.

Mittelfeldspieler Yalcin, der eine gute Vorbereitung spielte, vor zwei Wochen in der U-21-Nationalmannschaft debütierte und beim 1:0 gegen St. Pauli das Siegtor erzielte, gelangte in München und Mainz an seine Grenzen.

Novakovic nur noch Zuschauer

Und Routinier Milivoje Novakovic, etatmäßiger Kapitän und in den letzten beiden Spielzeiten mit insgesamt 18 Toren bester Schütze der Kölner, war beim 1:0 gegen St. Pauli und beim 0:0 in München zum Zuschauen verdammt. In Mainz kam er in den letzten zehn Minuten zum Einsatz.

Gegen Hoffenheim wird der Slowene wahrscheinlich auf zunächst wieder auf der Bank sitzen. Dass Soldo gegen die offensivstarken Gäste eine mutigere Taktik als zuletzt wählt, ist kaum anzunehmen.

Sollte auch diese Partie verlorengehen, wird der Druck auf den Trainer steigen. Podolski und seine Teamkollegen könnten aber mit einem Sieg ihrem Coach den Rücken stärken. Und für etwas Ruhe am Geißbockheim sorgen.

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