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Ihr Verhältnis wird angespannter: Ralf Rangnick und Karl-Heinz Rummenigge © getty

Erst Sarkasmus, nun Komplimente: Der Meinungswechsel der Bayern gegenüber Hoffenheim lässt dessen Coach zurückspotten.

Von Christian Paschwitz

München - Bis zu ihrem ersten Bundesliga-Kräftemessen am 5. Dezember in der Allianz Arena ist es noch einen guten Monat hin. Doch schon jetzt ist das Duell zwischen dem FC Bayern und dem auf Rang eins stehenden Sensationsaufsteiger 1899 Hoffenheim abseits des grünen Rasens ein Thema.

Nicht zuletzt, weil Ralf Rangnick nun erstmals stichelt - nachdem die Bayern inzwischen eifrig Komplimente an den Klassenneuling verteilen, statt ihn als Eintagsfliege abzutun.

"Wenn sich die Bayern so intensiv mit uns beschäftigen, ist das ein Kompliment für uns", sagte der TSG-Coach im Bayerischen Rundfunk - um dann einen süffisanten Konter in Richtung Karl-Heinz-Rummenigge anzubringen.

"Als wir vor ein paar Wochen gegen Leverkusen verloren haben, hat er übrigens noch gesagt: Jetzt wird auch der Letzte, sogar in Hoffenheim kapiert haben, dass diese Mannschaft nicht deutscher Meister wird."

Verbale Rolle rückwärts

Eine offenbar vorschnelle Äußerung des Bayern-Vorstands angesichts des frappierend konstanten Zauberfußballs der Hoffenheimer. Die schafften beim 3:1 in Bochum den vierten Sieg in Folge, nebst dem abermaligen Sprung an die Tabellenspitze.

Dass nach knapp einem Drittel der Saison die Bayern-Bosse den groß aufspielenden Dorfklub nun ernster nehmen, beweist ihre verbale Rolle rückwärts.

Am vergangenen Sonntag hatte Rummenigge Hoffenheims 3:0-Gala über Hamburg noch mit sarkastischen Worten kommentiert: Was die Bayern von 1899 lernen könnte, sei "dass man mit viel Geld ein gute Mannschaft in relativ kurzer Zeit auf die Beine bringt".

Rummenigge relativiert

Da war es wieder, das Vorurteil über den vermeintlichen Zusammenhang von Adhoc-Erfolg und Bonzentum beim Retorten-Klub um seinen milliardenschweren Klub-Mäzen Dietmar Hopp.

Im Interview mit der "tz" relativiert Rummenigge nun: "Die machen einen guten Job. So lange sie Dietmar Hopp haben - wobei es beileibe nicht nur an seinem Geld liegt - wird Hoffenheim ein Konkurrent für uns."

Uli Hoeneß geht inzwischen gar noch weiter. Im Beisein von Sport1.de meinte der Bayern-Manager, die Kraichgauer mache ein geplantes wie nachhaltiges System aus: Die TSG sei eben "nicht das Produkt von einem halben Jahr oder Jahr, sondern die akribische Arbeit von mindestens drei bis vier Jahren."

"Sie werden uns am Hacken bleiben"

Und weiter: "Wir sind uns im Klaren, dass wir sie nicht so einfach werden abschütteln können. Die Hoffenheimer werden uns am Hacken bleiben."

Insgeheim wünschen dürften sich die Bayern ungeachtet ihres Aufwärtstrends (vier Pflichtspiel-Siege hintereinander) wohl eine ebenso durchschlagskräftige Offensiv-Riege wie die der Hoffenheimer um Vedad Ibisevic (mit elf Treffern bester Liga-Schütze), Demba Ba (6), Chinedu Obasi (3) und Freistoß-Virtuose Sejad Salihovic.

Ein Versuch, dem Konkurrenten die Leistungsträger abspenstig zu machen, brächte ein für die Münchner auf nationaler Ebene ungewohntes Problem mit sich: Mit Geld können die Bayern bei 1899 niemanden ködern, solange Sponsor Hopp dort Millionen-Angebote anderer Klubs übertreffen kann.

Hopp meint: "Wir geben keinen her"

Hopp meint denn auch via "Bild": "Wir geben keinen her. Wir haben so viel Freude an der Mannschaft."

Auch Manager Jan Schindelmeiser erklärt: "Dass andere Klubs Interesse an unseren Spielern haben, können wir nicht verhindern. Aber wir geben keinen Spieler ab, egal wer sich meldet."

Rummenigge nimmt sich zu diesem Thema womöglich ganz bewusst zurück, betont vielmehr das eigene Potenzial: "Jeder Einzelne wird stabiler. Am liebsten wäre mir, wenn wir im Januar auf dem Transfermarkt gar nichts machen."

Verstecktes Warnsignal?

Eine Aussage, die sich als Hinweis an den aktuellen Kader verstehen lässt, nun bloß nicht nachzulassen. Auch, damit das erste Kräftemessen mit Hoffenheim erfolgreich endet.

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