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Lewis Holtby spielte in der vergangenen Rückrunde für den VfL Bochum © getty

Lewis Holtby ist der neue Mainzer Star. Im SPORT1-Interview erklärt der 20-Jährige den überraschenden Mainzer Höhenflug.

Von Andreas Kloo

München - Den Spielball nahm er mit ins Bett.

Von einem kleinen Stück des 2:0-Sieges gegen den 1. FC Köln wollte sich Lewis Holtby auch in der Nacht darauf nicht trennen.

Zwei Tore hatte die Schalker Leihgabe mit der Kugel wenige Stunden zuvor erzielt.

Zunächst auf der Bank war Holtby nach 64 Minuten eingewechselt worden 290019(DIASHOW: Der 5. Spieltag).

Dann entschied er das Spiel im Alleingang - sorgte dafür, dass der FSV Mainz 05 auch nach fünf Spieltagen verlustpunktfrei an der Tabellenspitze thront.

Der Durchbruch ist geschafft

"Ich denke mal, ich bin ein Spieler, der gebraucht wird", resümiert Holtby seinen persönlichen Saisonstart bescheiden.

Die nackten Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache: Zwei Tore und drei Assists in fünf Spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Der Leihspieler aus Schalke ist innerhalb weniger Wochen zum wichtigsten Akteur des Bundesliga-Tabellenführers avanciert - Publikumsliebling inklusive.

Vor dem Spiel beim FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) erklärt Holtby im SPORT1-Interview den Erfolg der Mainzer-Boygroup.

Außerdem verrät er, wie es um seine persönliche Zukunft bestellt ist und warum das Oktoberfest trotz des tollen Saisonstarts Tabu ist.

SPORT1: Nach dem Sieg gegen Köln filmten Sie die Feierlichkeiten von Spielern und Fans mit der Video-Kamera. Es scheint, dass Sie den grandiosen Saisonstart mit fünf Siegen in fünf Spielen selbst gar nicht glauben können

Lewis Holtby: Die Erfolge sind der verdiente Lohn für die harte Arbeit der Truppe und des gesamten Vereins. Die Filmerei mit der Videokamera war für den Saisonrückblick gedacht- um festzuhalten was für eine Euphorie hier in Mainz gerade herrscht.

SPORT1: Wird jetzt in Mainz schon vom Europacup geträumt?

Holtby: Nein, das ist zu weit weg. Ich freue mich, dass alle auf der Euphoriewelle mitschwimmen. Wir halten uns jedoch selbst bedeckt. Wir wollen einfach genügend Punkte holen, damit wir mit dem Tabellenende nichts zu tun haben. Das ist unser erstes Ziel. Wenn wir das geschafft haben, dann können wir weiterblicken. Aber wie gesagt, Schritt für Schritt.

SPORT1: Der nächste Schritt ist das Spiel gegen die Bayern. Wird die Mannschaft da so offensiv wie bislang zu Werke gehen oder sich an den defensiven Auftritten der letzten Bayern-Gegner orientieren?

Holtby: Wir wollen genauso auftreten wie zuvor. Hinten wollen wir gut stehen, aber trotzdem mit unseren Offensivkräften, mit Powerfußball, Laufarbeit und Tackling den Bayern zusetzen. Wir wollen uns da nicht in die Hosen machen, sondern einfach munter aufspielen, egal wie der Gegner heißt. Es wird zwar richtig schwer, aber ich freue mich auf einen schönen Samstag.

SPORT1: Und danach geht es aufs Oktoberfest?

Holtby: Nein, das wäre zu viel. Die Wiesn ist zwar eine schöne Sache, aber wir müssen uns weiter konzentrieren. Feiern kann man erst am Ende.

SPORT1: Woran liegt es, dass die Mannschaft so einen Lauf hat? Welchen Anteil hat Trainer Thomas Tuchel?

Holtby: Der Trainer hat eine Riesen-Wirkung. Er schenkt uns das Vertrauen. Er gibt uns die Marschroute vor. Er redet keinen Blödsinn, sondern hat einen konkreten Plan zu jedem Gegner und den befolgen wir auch. Er baut jeden auf und braucht jeden Mann, das ist auch wichtig für eine Mannschaft.

SPORT1: Sie scheinen auch eine richtige Spaß-Truppe zu sein, denken sich spezielle Jubel-Choreographien mit der Eckfahne aus. Unternimmt die Mannschaft in der Freizeit viel miteinander?

Holtby: Ja. Gerade die jungen Spieler, Szalai, Schürrle, Fathi und ich sind öfter unterwegs. Wir verstehen uns richtig gut. Wir freuen uns ausgelassen, sind so ein bisschen kreativ und wollen in Mainz Stimmung verbreiten, damit die Fans Spaß haben. Dafür zahlen sie doch auch Geld. Nach dem Torjubel ist dann wieder hundertprozentige Konzentration und der Fokus aufs Spiel angesagt.

SPORT1: Sie saßen gegen Köln erst auf der Bank, erzielten dann ihre beiden Tore. Hat Ihnen die Zeit auf der Bank sogar gut getan?

Holtby: Definitiv. Ich habe mit dem Trainer gesprochen. Er hat gesagt, dass ich eine Pause machen soll, weil er mich gegen den FC Bayern braucht. Und wenn ich reinkomme, vertraut er mir sowieso und weiß, dass ich einen guten Part spielen werde. Dieses Vertrauen wollte ich ihm zurückschenken.

SPORT1: Ansonsten sehen Sie sich aber als Stammspieler.

Holtby: Momentan läuft es einfach richtig gut. Ich kann mich gut in die Mannschaft einbringen und bin in Form. Stammspieler ist immer so ein gewagtes Wort. Ich denke mal, ich bin ein Spieler, der gebraucht wird.

SPORT1: Bei Schalke konnten Sie sich nicht durchsetzen. In Mainz scheint Ihnen der Durchbruch gelungen zu sein. Liegt Ihnen das Mainzer Umfeld besser?

Holtby: Ich bekomme eben vom Trainer das Vertrauen und spiele in einer Mannschaft, die einfach brennt. Dahinter stehen die Fans, die enorm viel Feuer machen. Da macht es dann richtig Spaß.

Außerdem lebe ich hier in Mainz alleine und kann mich voll auf den Fußball konzentrieren. Ich lebe professionell. Jeden Tag komme ich eine Stunde vor dem Training und bleibe auch noch eine Stunde nach dem Training. Ich denke, das bringt mich weiter. Man sieht einfach, dass ich richtig Bock auf Fußball habe.

SPORT1: Momentan sind Sie von Schalke nur ausgeliehen. Können Sie sich vorstellen, auch länger in Mainz zu bleiben?

Holtby: Das ist eine schwierige Frage. Mir geht es hier momentan sehr gut und ich habe Spaß. Mein Vertrag läuft nur ein Jahr. Am Ende der Saison wird es Spekulationen geben. Ich werde dann sicher einige Gespräche führen. Aber momentan halte ich mich erst einmal zurück.

SPORT1: Verfolgen Sie das Auftreten der Schalker derzeit? Kriegen Sie es da im Blick auf Ihre Zukunft nicht mit der Angst zu tun?

Holtby: Zumindest mit einem schielenden Auge verfolge ich Schalke. Aber meine Konzentration liegt voll bei Mainz. Natürlich schaut man, was die anderen Mannschaften in der Bundesliga machen. Grundsätzlich hoffe ich, dass die Schalker die Kurve kriegen, wieder guten Fußball spielen und da hinten rauskommen, weil sie da nicht hingehören.

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