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Thomas Schaaf ist beerbte 1999 Felix Magath als Trainer von Werder Bremen © imago

Lange war der Werder-Coach unumstritten, in der Krise gerät er in die Kritik. Der Hauptvorwurf: Seine Taktik sei zu unflexibel.

Von Daniel Rathjen

München - Eine große Analyse bringt wenig.

Werder Bremen steckt in der Krise, auch wenn Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf das Wort meiden wie die Pest.

Die Bilanz ist ernüchternd: Nur 13 Punkte, dafür 22 Gegentore und Platz 10. Die Alarmglocken läuten längst, doch jetzt helfen nur noch Punkte.

Gegen Hertha BSC am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) sind drei Zähler Pflicht.

Allofs will durchgreifen

Doch was ist Werders Problem? Im Umfeld des Vereins fällt derzeit immer wieder der Begriff "mangelnde Disziplin".

Allofs hat intern ein härteres Durchgreifen angekündigt und ermahnte unter anderem Diego, der in dieser Saison bereits viermal zu spät zum Training kam, mit Nachdruck zu Pünktlichkeit.

Und was macht Schaaf? Beim 0:2 gegen Leverkusen saß der Coach oft regungslos auf der Bank. Auch das Bremer Urgestein muss sich die sportliche Talfahrt mitankreiden lassen.

Taktisch unflexibel

"Alle stehen dafür in der Verantwortung", bekräftigt Allofs in der "Bild": "Jeder hat seinen Anteil an unserer Situation. Das gilt im Erfolg genau wie im Misserfolg."

Klar ist allerdings: Schaaf stellt die Mannschaft auf, bereitet sie mental vor. Und bestimmte Fehler - speziell in der Defensive - wiederholen sich seit Wochen.

Auffällig ist dabei, dass Werder taktisch nicht flexibel ist.

Schaaf hält eisern an der Raute im Mittelfeld fest, mit der er viele Erfolge feierte. 2004 holten die Hanseaten mit diesem System das Double und qualifizierten sich fünf Mal in Folge für die Champions League.

Keine zweite Variante

Plötzlich fehlen dem Team Laufstärke und Disziplin, um das System vernünftig umzusetzen. Und Schaaf hat keine zweite taktische Variante einstudiert...

Veränderungen nimmt der 47-Jährige nur während eines Spiels vor - und das sehr selten.

Er attestiert dem kommenden Gegner, der mit zwei Sechsern, einem Dreier-Mittelfeld und einem Stürmer agiert, ein "modernes System".

Systemkritik wird nicht angenommen

Streng genommen bedeutet das: Werder hinkt hinterher. Offen für Kritik ist Schaaf in dieser Angelegenheit allerdings nicht.

"Wir sind mit unserem System immer gut gefahren und haben auch die Spieler dafür. Außerdem ist es sinnvoller, einige Dinge zu verbessern, anstatt am System herumzukramen", stellt er auf der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel klar.

Zuvor hatte er sich seine Kicker noch einmal zur Brust genommen und eine Krisensitzung abgehalten.

"Zu offensiv interpretiert"

Rund eine halbe Stunde dauerte die kurzfristig einberufene Besprechung - im Anschluss marschierten die Werder-Profis wortlos zum Trainingsplatz.

Einer der Vorwürfe Schaafs an das Team: Es fehlt die Abstimmung. "Wir haben unser Spiel zu offensiv interpretiert", zitiert ihn die "Kreiszeitung Syke".

Zuletzt sei es zwar schon besser geworden, "aber es hat sich nicht sofort auf die Ergebnisse niedergeschlagen".

"Nicht die Leistung, für die sie stehen"

Der Grund: Das System ist nicht das einzige Problem. "Einige Spieler rufen nicht die Leistung ab, für die sie eigentlich stehen", erläutert Schaaf.

Er führt Überbelastung als Grund dafür an, aber auch persönliche Dinge. Wie im Fall Torsten Frings.

Ihm hat der Zoff in der Nationalmannschaft nicht gut getan. "So etwas geht nicht spurlos an ihm vorbei", gesteht Schaaf ein.

Jetzt auch Boenisch verletzt

Hinzu kommt das Problem mit den Verletzungen. Immerhin kehren Claudio Pizarro und Diego gegen Berlin ins Team zurück.

Auch die zuletzt angeschlagenen Per Mertesacker und Frings stehen für einen Einsatz bereit.

Doch dass Clemens Fritz (muskuläre Probleme) aufläuft, ist eher unwahrscheinlich. Hugo Almeida (Grippe) fehlt definitiv. Und neu auf der Verletztenliste ist seit Donnerstag Sebastian Boenisch. Er hat einen Schlag gegen das rechte Schienbein bekommen und humpelte in die Kabine.

"Müssen die Kurve kriegen"

Letztlich ist jedoch egal, wer am Samstag aufläuft. Allen in Bremen dürfte klar sein: Viel Zeit für einen Aufschwung bleibt nicht mehr.

"Wir müssen jetzt dringend die Kurve kriegen", fordert Allofs.

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