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Felix Magath führte die Königsblauen im Vorjahr zur Vizemeisterschaft © getty

Während Schalke mit richtiger Taktik und Spielermischung den Premierensieg bestätigen will, muss die Borussia die Kurve kriegen.

Von Tim Tonner

München - Der Sieg sei wichtig gewesen, aber noch viel wichtiger sei es jetzt nachzulegen.

Gerade im Fußball hört man solche Sätze andauernd.

Und genau unter diesem Zugzwang befindet sich jetzt auch Schalke 04 am sechsten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

"Da müssen wir ähnlich engagiert auftreten wie in Freiburg", fordert daher Trainer Felix Magath. Denn das Engagement im Breisgau brachte unter der Woche den so sehnlichst erwarteten ersten Dreier in der laufenden Runde.

Magath war "glücklich und überaus zufrieden", Christoph Metzelder sprach von einem "ganz wichtigen Sieg für unser Selbstvertrauen" - erstmals in dieser Saison herrschte bei Königsblau gute Stimmung.

So brandete beim Weg in den Mannschaftsbus beim Blick auf die Fernsehmonitore im Stadioninnenraum beispielsweise auch spontan Jubel auf.

Zu sehen war das Tor von Ex-Kollege Gerald Asamoah zum Ausgleich bei St. Paulis 2:1-Sieg in Gladbach. Die einhellige Meinung der Knappen: "So müssen wir es auch machen."

Kluge hat kein Erbarmen

"Der eine Sieg ändert aber nicht grundlegend etwas an unserer Situation", weiß Peer Kluge, der mit seinem Ex-Klub kein Erbarmen haben will: "So leid es mir für Borussia auch tut, müssen wir jetzt am Samstag unbedingt nachlegen."

Die Bestätigung des Premieren-Sieges soll mit dem neuen System gelingen.

Magath findet das richtige System

Die Mannschaft hat nämlich im Breisgau erfolgreich ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld umgesetzt.

[kaltura id="0_tcpw6aqu" class="full_size" title="Magath findet sein System"]

Jermaine Jones, Joel Matip und Ivan Rakitic sollten dort allerdings primär nach hinten absichern, Jurado als Zehner das Spiel machen.

"Dieses System liegt der Mannschaft wohl besser", sagt Magath und verteidigt ein paar Experimente vorher:

"Wir haben eine neue Mannschaft, da kann kein Trainer genau sagen, welches System am besten ist. Da muss man improvisieren und probieren."

Stars kommen in Form

Wichtige Bestandteile der neuen Formation waren dann auch endlich die prominenten Neuzugänge.

Der viel kritisiert Metzelder kehrte in die Innenverteidigung zurück und spielte solide.

Jurado überzeugte als Regisseur und kassierte ein Extralob. "Es war zu sehen, dass er ein überragender Fußballer ist. Mit dem Ball ist er einer der stärksten, die ich je gesehen habe", so Magath.

Klaas Jan Huntelaar machte mit seinem zweiten Saisontor den 2:1-Sieg perfekt. 290019(DIASHOW: Der 5. Spieltag)

Raul war als nominell zweite Spitze viel besser integriert und war mit für einen Stürmer ordentlichen 43 Ballkontakten an den Angriffen der Knappen beteiligt.

"Real 04" und die "jungen Wilden"

Weil alle vier ja eine Vergangenheit bei Real Madrid haben, könnte man fast von "Real 04" sprechen.

Allerdings präsentierten sich auch die im Vorjahr so hoch gelobten "jungen Wilden" wieder in guter Form.

Nämlich Matip als Sechser sowie Christop Moritz und Lukas Schmitz auf den Außenpositionen in der Viererkette.

Mit der richtigen Taktik und der richtigen Mischung an Spielern wollen die Königsblauen, die trotz des Erfolgs noch Letzter sind, das Feld von hinten aufrollen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Fohlen" im freien Fall

Die Borussia (Platz 15, 4 Punkte) können sie gleich schon mal überholen. Drei Pleiten in Folge mit 1:13 Toren hagelte es, zuletzt das 1:2 gegen die Kiezkicker.

Nach den Lobeshymnen über das 6:3-Spektakel in Leverkusen folgte der freie Fall der "Fohlen" mit desaströsen Leistungen gegen Frankfurt (0:4) und in Stuttgart (0:7).

"Haben Moral gezeigt"

Die Niederlage gegen St. Pauli fiel da schon etwas knapper aus.

"Wir haben die Moral gezeigt, die in den letzten beiden Spielen nicht vorhanden war", erkannte Vizepräsident Rainer Bonhof die positiven Ansätze. Aber anstatt in Ruhe ihr Auftreten zu analysieren, schossen sich die Borussen auf den Schiedsrichter ein.

Der Einspruch gegen den Platzverweis von Mo Idrissou wurde allerdings bereits vom DFB abgelehnt.

"Es ist eine Phase, wo alles zusammenkommt. Die Lage ist kompliziert", so Trainer Michael Frontzeck über die sportliche Talfahrt und die "auf uns aufprallenden falschen Entscheidungen".

Frontzeck und Co. im Trainingslager

Um den nächsten eigenen Aufprall auf dem Rasen zu verhindern, zog er sich mit der Mannschaft für eine Nacht und einen Tag in ein Trainingslager nach Holland zurück.

Aktionismus? "Nein, wir wären auch gefahren, wenn wir gewonnen hätten", betonte Frontzeck.

"Kopf oben behalten"

Die "Negativserie, aus der man nur schwer wieder herauskommt", wie Kapitän Filip Daems es beschreibt, erinnert an die vergangene Saison, als es mal sechs sieglose Spiele in Folge gab.

"Wir müssen hart arbeiten und den Kopf oben behalten", betont Frontzeck.

Der 46-Jährige weiß aber, dass es auf Schalke vielleicht schon um seinen eigenen Kopf geht.

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