vergrößernverkleinern
"Nur 20 Prozent der Spieler halten sich im Urlaub an die Vorgaben des Trainers. Mindestens 50 Prozent erholen sich nach dem Motto: Wer sich bewegt, der wird erschossen"
Hans Meyer trainierte Gladbach bereits zwischen 1999 und 2003 © getty

Mit dem Hin und Her auf der Keeper-Position sorgt Mönchengladbachs Coach vor dem wichtigen Duell gegen Frankfurt für Irritationen.

Von Christian Paschwitz

München - Nicht zuletzt deshalb haben sie Hans Meyer wieder geholt: Ein neuer Trainer setzt neue Reizpunkte. Zwei Wochen nach dessen Amtsantritt herrscht bei Borussia Mönchengladbach jedoch mehr Reizklima als erwünscht.

Und das vor dem Heimspiel am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE) gegen Abstiegsmitkonkurrent Eintracht Frankfurt.

Was nach der siebten Saisonniederlage (0:3 in Wolfsburg) die ohnehin schon angespannte Situation noch verschärfen dürfte: Durch Meyers erste Personalentscheidungen präsentiert sich die Mannschaft ähnlich irritiert wie unter dessen Vorgänger Jos Luhukay.

Größer Brennpunkt ist dabei die Torhüter-Position, auf der Meyer Roulette spielt.

Heimeroths doppelte Abfuhr

Christofer Heimeroth wurde dabei gleich doppelt degradiert: Erst tauschte Interimscoach Christian Ziege den Schlussmann der Bundesliga-Saison gegen den bereits 35-jährigen Uwe Gospodarek aus, der in Bochum (2:2) sein erstes Bundesliga-Spiel seit acht Jahren bestritt.

Als der sich vor dem Wolfsburg-Match nun verletzte, zog Gladbachs Coach Meyer Heimeroth auch noch Greenhorn Frederic Löhe vor - um dann nach dessen diskussionswürdiger Leistung hinterher gegenüber der "Rheinischen Post" zu sagen: "Ein 20-Jähriger kann uns in dieser schwierigen Zeit nicht helfen. Aber wir können in Zukunft auf ihn bauen."

Bedeutet: Auch Löhe ist schon wieder draußen. Und: Sollte Gospodarek, der "alles dafür tut, dass ich Sonntag spielen kann", gegen Frankfurt nicht bereit sein, wird "mit großer Wahrscheinlichkeit der Heimeroth halten", sagt Meyer.

Kommt Hildebrand oder Jentzsch?

Wertschätzung des aktuellen Personals hört sich anders an. Meyer aber erklärt: "Die Verantwortlichen haben festgestellt, dass wir ein Torwart-Problem haben."

Gospodarek ein Auslaufmodell, Löhe zu unbedarft, Heimeroth ausgebootet: Womöglich kommt im Winter deshalb ein neuer Ballfänger zur Borussia. Auf dem Markt sind der in Valencia gescheiterte Timo Hildebrand und der - wesentlich günstiger zu habende - in Wolfsburg aussortierte Simon Jentzsch.

Doch nicht nur zwischen den Pfosten hat Meyer ein Problem entfacht: Unverständnis weckt auch die Entscheidung, dass Jung-Nationalspieler Marko Marin zuletzt für eine Stunde auf der Bank schmoren musste.

Wider die Jugend

Mit der Folge, dass gegen Wolfsburg kreative Impulse ausblieben, ohne den 19-Jährigen kaum etwas über die Flügel kam. "Ich war schon überrascht, dass ich nicht gespielt habe", sagte Marin hinterher in der "Bild".

Meyer sieht die Sache anders und sagt: "Wir sind leider derzeit nicht in der Situation, so viele junge Leute wie Matmour, Bradley, Baumjohann oder Marin gleichzeitig zu fördern."

Zusätzlich hat Meyer gegen Frankfurt mit Verletzungsproblemen zu kämpfen: Es fehlen Jean-Sebastien Jaures (Knie-OP), Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Knochenhautreizung) und neuerdings auch Thomas Kleine (Schulter-OP) und Steve Gohouri (Muskelfaserriss).

Der Coach nimmt unter diesen Vorzeichen die ganze Mannschaft in die Pflicht: "Das ist eines der Spiele, in denen wir etwas holen müssen."

Bruchhagen warnt

Bei der ebenfalls verletzungsgeplagten Eintracht denken sie ähnlich, zumal der zwölfte Platz trügerisch ist, die Abstiegsränge nur zwei Punkte entfernt sind.

"So eng wie es unten ist, da ist vor allem der direkte Vergleich wichtig", so Vorstandschef Heribert Bruchhagen via "Bild".

Liebend gern mit von der Partie wäre Marin: "Ich habe neun Jahre in der Jugend in Frankfurt gespielt. Meine Eltern und meine ganze Familie wohnen immer noch dort", sagte der Youngster im "Express".

Marins besonderes Spiel

Vor drei Jahren wechselte Marin dann an den Niederrhein, weil sie bei der Eintracht sein Talent verkannten und ihm sagten, er sei zu klein.

Für Marin wäre es demnach ein ganz besonderes Spiel.

Vielleicht hat Meyer vor dem Duell im Borussia-Park zumindest einen positiven Reizpunkt gesetzt.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel