vergrößernverkleinern
Lukas Podolski kam 2009 vom FC Bayern zurück zum 1. FC Köln © imago

"Poldis" Treffer und eine beherzte Leistung gegen 1899 besänftigt die Kölner Fans. Manager Meier attackiert die Medien.

Von Martin Hoffmann und Björn Seitner

München - "Overath bringt nichts zustande, Meier holt nur Schrott, die Spieler betreiben Arbeitsverweigerung und Soldo muss weg", lautete die Abrechnung eines Fans.

"Jetzt fängt der Gruselzauber von vorne an!", ereiferte sich ein anderer: "Ein Trainer-Azubi, Zweitliga-Spieler und ein Manager, der an Selbstüberschätzung nicht zu überbieten ist. Wer macht diesem Spuk ein Ende?"

Die Verantwortlichen des 1. FC Köln mussten sich vernichtende Wortmeldungen durchlesen in der "Kölschen Klagemauer", die ein örtliches Boulevardmedium für die erbosten Fans der "Geißböcke" eingerichtet hatte.

Mit der beherzten Leistung beim 1:1 gegen Hoffenheim haben sie sie vorerst zum Verstummen gebracht. Ärger gibt es bei den Kölnern aber weiter: Manager Michael Meier richtet ihn nun gegen die Medien 291324(DIASHOW: Der 6. Spieltag).

Pfiffe gegen Soldo

"In Köln herrscht überdimensionaler Druck, das ist nicht normal, das ist kaum auszuhalten", meinte Meier nach dem Spiel in Richtung der Berichterstatter: "Und man merkt, dass das Publikum dafür imprägniert ist."

Sein Trainer Zvonimir Soldo, der sich nach dem 0:2 in Mainz wieder - von Meier dementierte - Ablösungsgerüchte anhören musste, bekam es zu hören (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es gab Pfiffe gegen ihn, noch bevor die Partie begonnen hatte.

"Immer nur gesehen, was nicht geleistet wird"

"Nach jeder Niederlage wird in Köln die Welt neu erfunden, irgendwelche Krisensituationen werden herbeigeredet", klagte Meier: "Da bin ich inzwischen sehr sensibel und wehre mich."

Was ihm den größten Frust bereitet: "Hier wird immer nur gesehen, was nicht geleistet wird und nicht, was geleistet wird."

Die Fans wussten das Geleistete gegen die Rangnick-Elf allerdings durchaus zu würdigen.

Obwohl sich die Kölner eigentlich einen Sieg verdient gehabt hätten, gab es Beifall von den 45.000 Zuschauern auf den Rängen - auch auf den Fanforen dominieren wohlwollende Kommentare wie: "Das war Fußball, wie man sich ihn wünscht."

Podolski zufrieden

So sah es auch der vor dem Spiel mit kritischen Äußerungen aufgefallene Lukas Podolski: "Wir haben lange nicht mehr so eine gute erste Halbzeit gespielt."

Die bei "Sky" verbreitete Erkenntnis des Nationalspielers: "Wenn wir kämpfen und rennen, dann können wir auch gegen Hoffenheim mithalten. Die Mannschaft hat Potential."

Mit seinem Führungstreffer in der 17. Minute setzte Podolski das Potenzial aber auch als Einziger in ein Tor um.

Kabinenpredigt von Rangnick

Aus Sicht des zurückgekehrten Hoffenheimer Torhüters Tom Starke fühlte sich der 126-km/h-Schuss so an: "Das war ein richtiger Torpedo. Poldi hat einen Schuss wie ein Pferd."

Für seine Teamkollegen konnte der Keeper mit Blick auf die erste Hälfte keine Komplimente vergeben: "Unterirdisch" sei diese gewesen.

Coach Ralf Rangnick machte der Auftritt richtig wütend:

"Wer jetzt nochmal 45 Minuten lang nur frische Luft einatmen will, der kann sich gleich in den Bus setzen, dann ist er eine Stunde früher zu Hause", herrschte er seine Schützlinge nach eigenen Angaben in der Pause an.

Die Kabinenpredigt animierte die Kraichgauer zu einer Leistungssteigerung und dem Ausgleichstreffer durch Demba Ba (54.).

Konstanz ist das Ziel

Der nagte hinterher an den Kölnern. "Wir haben unnötig zwei Punkte verloren", fand Adam Matuschyk.

Und auch Zvonimir Soldos Fazit fiel zwiespältig aus: "Wir haben eine Reaktion gezeigt", sagte der Coach zwar. Fügte aber an: "Mit dem Punkt müssen wir jedoch aufgrund unserer mangelnden Chancenverwertung zufrieden sein."

Was Matuschyk ärgerte: Sein Team habe zwar "in der ersten Halbzeit viel Druck nach vorne gemacht, das müssen wir über 90 Minuten durchhalten. Wir müssen versuchen Konstanz reinzubringen."

Klappt es nicht, wird die Errichtung der nächsten Klagemauer nicht lange auf sich warten lassen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel