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Michael Frontzeck ist seit Dezember 2007 Trainer von Arminia Bielefeld © getty

Bei Sport1.de äußert sich Arminia-Coach Michael Frontzeck zu Gegner Bayern München und der Stimmungslage in seiner Mannschaft.

Von Julian Ignatowitsch

München - Beim Gastspiel in München am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) ist Arminia Bielefeld einmal mehr krasser Außenseiter.

Die Ostwestfalen haben in dieser Saison erst einen Sieg eingefahren. Am vergangenen Spieltag reichte es im Heimspiel gegen Energie Cottbus nur zu einem 1:1.

Dennoch steht das Team von Trainer Michael Frontzeck nach zehn Spieltagen mit acht Punkten auf einem Nicht-Abstiegsplatz und wittert seine Chance gegen den Deutschen Meister.

"Bei den Bayern hast du nichts zu verlieren", sagt Frontzeck.

Im Sport1.de-Interview spricht Michael Frontzeck über die Stimmungslage bei der Arminia und seinen Torjäger Artur Wichniarek. Auch zur Situation von Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann und der Rolle des Aufsteigers Hoffenheim äußert er sich.

Sport1.de: Herr Frontzeck, was ist angenehmer: Ein Spiel gegen Cottbus, wie beim 1:1 am vergangenen Spieltag, oder ein Spiel bei den Bayern?

Michael Frontzeck: Das ist schwer zu vergleichen. Gegen Cottbus erwartet jeder einen Sieg, bei den Bayern hast du eigentlich nichts zu verlieren. Von der Qualität her sind die Bayern natürlich ein anderer Gegner. Sie haben den besten Kader der Liga und zahlreiche internationale Weltklassespieler. Wir werden alles entgegen werfen, was möglich ist: Allen voran großen Kampf und viel Leidenschaft.

Sport1.de: Wie ist Ihre Ausrichtung für das Spiel? Startet Bielefeld gewohnt defensiv?

Frontzeck: Grundsätzlich liegt unser Augenmerk erstmal auf der Defensive. Aber ich denke, das machen nicht nur wir so. Der Trend geht auswärts immer mehr zu dieser Spielweise. Auch wenn es natürlich Ausnahmen wie Bayern, Hoffenheim oder Leverkusen gibt.

Sport1.de: Ihr Team hat in dieser Saison erst einmal gewonnen. Hat das negative Auswirkungen auf die Stimmung und das Selbstbewusstsein?

Frontzeck: Nein, das kann ich nicht feststellen. Aus den Heimspielen gegen Cottbus und Karlsruhe, wo wir nur einen Punkt geholt haben, fehlen uns natürlich drei wichtige Zähler. Aber die Mannschaft hat bisher - bis auf das 1:4 in Wolfsburg - immer eine lobenswerte Einstellung gezeigt und guten Fußball gespielt. Das zeigt mir, dass unser Selbstvertrauen voll da ist.

Sport1.de: Auffällig ist auch, dass Bielefeld bisher nur punktet, wenn Artur Wichniarek trifft.

Frontzeck: Für seine sieben Saisontreffer muss ich mich jetzt aber nicht entschuldigen, oder? Artur ist derzeit in einer sehr guten Verfassung und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er macht nicht nur vorne seine Tore, sondern arbeitet auch nach hinten mit. Davon profitieren wir ungemein. Wenn er mal nicht trifft, werden andere Spieler einspringen.

Sport1.de: Leistungsträger wie Michael Lamey oder Daniel Halfar werden dem Team in München verletzungsbedingt fehlen.

Frontzeck: Insgesamt treten wir ohne neun Spieler in München an, aber da wird nicht gejammert. Ich hab vollstes Vertrauen in den Kader. Das ist eine schlagkräftige Truppe.

Sport1.de: Die Bayern haben nach durchwachsenem Start zuletzt vier Mal in Folge gewonnen. Sie haben Jürgen Klinsmann vor der Saison für seine neuen Ideen gelobt. Wie beurteilen Sie seine Arbeit bisher?

Frontzeck: In Deutschland werden neue Methoden sofort kritisch beäugt. Bei Jürgen Klinsmann haben einige nur darauf gewartet, dass er auf die Schnauze fällt. Aber das ist nicht passiert. Natürlich haben die Bayern Anlaufzeit gebraucht, aber sie stehen nun in allen Wettbewerben so da, dass sie ihre Ziele erfüllen können. Bayern München ist das Aushängeschild des deutschen Fußballs. Jürgen verfolgt dort einen klaren Weg - ich drücke ihm die Daumen.

Sport1.de: Ganz oben steht derzeit aber ein anderes Team: 1899 Hoffenheim. Was sagen Sie zur Leistung des Aufsteigers?

Frontzeck: Das ist sensationell. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie diese Mannschaft Fußball spielt. In Hoffenheim wird schon seit vielen Jahren akribisch und vorausschauend gearbeitet.

Sport1.de: Blickt man da als Trainer der Arminia auch mal argwöhnisch rüber, ob der so unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten?

Frontzeck: Ich bin neidfrei erzogen worden. Von daher gönne ich jedem seinen Erfolg. Die meisten Vereine in der Bundesliga außer Cottbus haben einen größeren Etat als wir. Aber das heißt ja nicht automatisch, dass es vernünftig angewandt wurde. Auch wir wollen langfristig nach vorne kommen. Aber das ist nur in kleinen Schritten möglich und der Klassenerhalt für uns jedes Jahr eine riesige Herausforderung.

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