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Hängende Köpfe nach der zweiten Saisonniederlage: Müller (r.) und Pranjic © getty

Laut Manager Nerlinger befindet sich der FC Bayern nach der Mainz-Pleite in einer "prekären Situation". Auch van Gaal ist besorgt.

Von Björn Seitner und Mathias Frohnapfel

München - Mit Abpfiff in der Allianz Arena entbrandete der Jubel - allerdings nicht beim FC Bayern.

Nach dem 2:1-Sieg der Mainzer fielen sich Trainer Thomas Tuchel und Siegtorschütze Adam Szalai in die Arme. 291324(DIASHOW: Der 6. Spieltag)

Lewis Holtby und Andre Schürrle führten als Zugabe ihren "Eckfahnen-Jubel" vor den mitgereisten Fans auf.

Zweimal durften die 05er vor 69.000 Zuschauern in München jubeln. Sami Allagui brachte die Rheinhessen bereits nach 15. Minuten mit einem Traumtor per Hacke auf die Siegerstraße.

Der Deutsche Meister dagegen zeigte eine erschreckend schwache Leistung - in der Verteidigung wie auch im Angriff.

Mit hängenden Köpfen verließen Thomas Müller und seine Kollegen nach der zweiten Saisonniederlage den Platz.

Seit drei Spielen zu Hause sieglos

Seit drei Spielen haben die Bayern in der einstmals uneinnehmbaren Festung Allianz Arena nicht mehr gewonnen.

"Eine prekäre Situation", schlussfolgerte Manager Christian Nerlinger bei "LIGA total!", in der "langsam die Alarmglocken angehen". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und weiter: "Ich bin verwundert, wie wir uns präsentiert haben. Das war eine desolate Leistung. Ich dachte nach dem Hoffenheim-Spiel, dass wir den Schalter umgelegt haben."

Und die Alarmglocken klingeln nicht nur bei Nerlinger. Auch FCB-Trainer Louis van Gaal kam zu der Erkenntnis: "Wir haben schlecht gespielt - das ist das erste Mal."

Trotz der schon zuvor mageren Ausbeute von acht Punkten aus den ersten fünf Partien war van Gaal bisher noch der Meinung gewesen, sein Team sei bereits weiter als in der Vorsaison.

Doch davon war am Samstag beim Münchner Starensemble, in dem die verletzten Franck Ribery und Arjen Robben schmerzlich vermisst wurden, nichts zu sehen.

"So können wir nicht bestehen"

Nicht nur Karl-Heinz Rummenigge vermisste "Aggressivität, Leidenschaft und Laufbereitschaft".

"So können wir nicht bestehen. Weder in der Champions League noch in der Bundesliga", ärgerte sich der FCB-Boss an seinem wenig erfreulichen 55. Geburtstag.

70 Prozent Ballbesitz und 31 Flanken sollten eigentlich für eine Mannschaft sprechen - nicht so beim FC Bayern.

In der Verteidigung lassen Daniel van Buyten und Philipp Lahm ihre Souveränität der Vorsaison weiter vermissen und auch im Sturm sind die Probleme nicht zu leugnen.

[kaltura id="0_j9epqsv7" class="full_size" title="Mainz schockt Bayern"]

Auch das Glück fehlt

"Uns fällt es schwer, ein Tor zu erzielen, obwohl wir die Chancen dazu haben", brachte es van Gaal bei "LIGA total!" frustriert auf den Punkt.

Auch das häufig zitierte "Bayern-Dusel" scheint die Münchner verlassen zu haben.

Miroslav Klose, der hinter Stürmer Ivica Olic die zentrale Mittelfeldposition besetzte, hatte in der 44. Minute die größte Chance zum Ausgleich: "Mein Ball geht an den Pfosten, da fehlt auch etwas das Glück."

Eine Minute später kamen die Münchner dann aber durch ein Eigentor von Mainz-Verteidiger Bo Svensson doch noch zum Ausgleich.

Zehn Punkte Rückstand auf Mainz

Den schlechten Start kennt van Gaal bereits aus dem vergangenen Jahr. Auch 2009/10 hatte der FC Bayern nach fünf Spielen acht Punkte, dann kam jedoch die Wende.

"Wir müssen langsam die Kurve kriegen. In Dortmund müssen wir punkten. Wir können nicht glauben, dass es wieder so läuft wie letztes Jahr", warnte der 59-Jährige aber erneut.

Zehn Punkte Rückstand haben die Bayern nun schon auf Tabellenführer Mainz. "Das ist viel zu viel. Saisonende ist erst im Mai, aber es wird jetzt sehr schwierig", ergänzte van Gaal.

Er traue den Mainzern nach dem sechsten Sieg in Folge sogar die Meisterschaft zu: "Das hat Kaiserslautern auch einmal geschafft, warum nicht auch Mainz?"

"Mainz hat eine gute Phase"

"Ein beeindruckender Saisonstart", lobte auch Toni Kroos gegenüber SPORT1 den Gegner.

Entschieden sei aber noch lange nichts: "Mainz hat eine gute Phase, aber sie werden auch noch eine Schwächephase bekommen."

Im Moment ist daran aber nicht zu denken, denn Trainerfuchs Tuchel macht derzeit alles richtig.

Im Vergleich zum 2:0 gegen Köln veränderte der 37-Jährige seine Mannschaft wieder auf fünf Positionen. In der 64. Minute wechselte er Andre Schürrle ein, der 13 Minuten später den Siegtreffer vorbereitete.

Muskelverhärtung bei Holtby

Lediglich die verletzungsbedingte Auswechslung von Lewis Holtby zur Halbzeit trübt die Freude über den Sieg ein wenig.

Wegen einer Muskelverhärtung in der rechten Wade musste der U-21-Nationalspieler nach den ersten 45 Minuten passen.

"Eine Vorsichtsmaßnahme", sagte Holtby, der schon im nächsten Spiel wieder dabei sein will.

"Ein surrealer Sieg"

Für seinen Coach war der Sieg "ein bisschen surreal". Er brauche jetzt erst einmal etwas Zeit um wieder klar zu denken.

"Ich bin froh, dass wir zwei Tage frei haben, das tut auch mir gut. Nach diesem außergewöhnlichen Sieg müssen wir erstmal wieder runterkommen", erklärte Tuchel.

"Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass uns die Luft reicht bis zum Ende ? und dass wir dann noch einen Lucky Punch setzen: Das setzt dem Ganzen die Krönung auf."

Für die Mainzer rückt nun sogar der Bundesliga-Startrekord von Bayern München (1995/96) und des 1. FC Kaiserslautern (2001/02), die einst mit sieben Erfolgen begonnen hatten, in greifbare Nähe.

Nicht nur deshalb will Tuchel so schnell wie möglich "wieder zur Normalität zurückkehren": "Wir dürfen den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren."

Damit ist er gut beraten, denn schon am nächsten Samstag kommt es zum Spitzenspiel gegen den Tabellen-Dritten 1899 Hoffenheim.

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