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Raul (l.) erzielte für Real Madrid für Real Madrid 228 Tore in 550 Ligaspielen © getty

Gegen Gladbach retten Huntelaar und Raul einen Punkt. Den Stärken in der Offensive stehen die Schwächen in der Abwehr gegenüber.

Von Thorsten Mesch und Jan Große-Geldermann

München/Gelsenkirchen - Es hatte wieder nicht zum ersten Heimsieg gereicht, aber am Ende waren dennoch alle zufrieden.

Die Schalker Fans bejubelten das 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach, als hätte ihre Mannschaft gewonnen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach dem 0:2-Pausenstand hatten die Fans ihr Team noch mit Pfiffen in die Kabine geschickt. 291324(DIASHOW: Der 6. Spieltag)

Doch nach dem Abpfiff feierten die Anhänger ihren Superstar Raul, der nach 599 Pflichtspielminuten endlich sein erstes Tor für die Königsblauen erzielt hatte.

Und sie freuten sich über Klaas-Jan Huntelaar, der in der Bundesliga bereits zum dritten Mal in Folge getroffen hatte.

Magath lobt Sturmduo

"Ich glaube, die Zuschauer haben heute honoriert und akzeptiert, dass wir nach vorne gute Szenen gehabt haben und dass zum Beispiel Raul und Huntelaar Spielwitz und Spielfreude verkörpern und wir gute Offensivaktionen hatten", sagte Trainer Felix Magath bei "LIGA total!".

Raul und Huntelaar, die einst zusammen bei Real Madrid gespielt hatten, retteten den Knappen gegen ebenfalls kriselnde Gladbacher wenigstens noch einen Punkt.

Rauls erstes Bundesligator

"Dieses erste Tor wollte ich unbedingt. Ich bin erleichtert, dass ich es geschafft habe", sagte Raul, der seit seinen Treffern im Ligapokal kein Erfolgserlebnis mehr gehabt hatte.

"Ich bin glücklich, aber noch glücklicher wäre ich natürlich gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Aber langsam finden wir zusammen."

Magath war voll des Lobes über den 33-Jährigen, der er aus Madrid geholt hatte.

"Ich weiß, dass es viele gibt, die an ihm gezweifelt haben. Wie er das Tor gemacht hat, war einfach klasse. Er hat gezeigt, was alles möglich ist", sagte er.

Nicht "eine Sekunde" habe er daran gedacht, Raul trotz erneut schwacher Leistung auszuwechseln.

"Es war ein wichtiges Tor für Raul und für Schalke", freute sich Huntelaar, der am Mittwoch den 2:1-Siegtreffer in Freiburg erzielt hatte.

Schwächster Heimstart seit 1967

Mit dem Ausgleich in der 87. Minute bewahrte Raul seine Teamkollegen und seinen Trainer vor der dritten Heimniederlage, mit der Schalke erneut einen Vereins-Negativrekord aufgestellt hätte.

"Klar hat es mich für ihn gefreut", erklärte Kapitän Manuel Neuer. "Wichtiger war aber, dass das 2:2 fällt."

Dennoch war es der schwächste Heimstart seit 1967. Doch das störte kaum. "Ich bin glücklich, wie die Mannschaft gekämpft und gefightet hat", meinte Magath.

Immer noch auf Abstiegsplatz

Mit vier Punkten aus sechs Spielen und zwölf Gegentoren ist Schalke zwar nicht mehr Tabellenletzter, steht aber immer noch auf Platz 17.

Mit einem Sieg hätten die Königsblauen die Abstiegsränge verlassen. Dass dies nicht gelang, lag an einer schwachen ersten Halbzeit.

Da "hat die Mannschaft zu wenig Mumm gezeigt und Gladbach spielen lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir ein anderes Gesicht gesehen, da war scheinbar die Handbremse gelöst", analysierte Magath.

Deswegen sei es "ja ärgerlich, dass wir, wenn wir konkreter gestört und aggressiver gespielt hätten, sicherlich gewonnen hätten, denn offensiv haben wir es heute am besten gemacht".

Probleme hinten rechts

Defensiv haperte es aber mal wieder gewaltig. Besonders die Position des Rechtsverteidigers bereitet weiterhin Probleme.

Magath hatte diesmal Innenverteidiger Benedikt Höwedes auf die Außenposition gestellt. Und der verursachte prompt den Elfmeter zum 0:1 durch Filip Daems (15.) mit einem Foul an Raul Bobadilla.

Beim 0:2 durch Michael Bradley (43.) lief Höwedes dem Amerikaner hinterher.

"Irgendeinen Fehler können sie mir ja immer anhängen", giftete Magath einen Reporter an, der ihn auf diese Maßnahme ansprach.

Fakt ist jedoch, dass der Schalker Trainer in den ersten acht Pflichtspielen sieben Rechtsverteidiger ausprobiert hat.

Kein Ersatz für Rafinha und Bordon

Einen gleichwertigen Ersatz für den nach Italien gewechselten Brasilianer Rafinha hat Magath immer noch nicht gefunden.

In der Innenverteidigung lieferte Christoph Metzelder zwar wieder eine ordentliche Leistung ab, doch klafft auch dort seit dem Abschied von Marcelo Bordon immer noch eine große Lücke, die auch der Franzose Nicolas Plestan allem Anschein nach nicht füllen kann.

Hinten pfui, vorne hui - in der Abwehr noch mit viel Sand im Getriebe, im Sturm läuft es fast schon wie geschmiert.

Und auf Schalke hatte man sich am Samstag eben entschieden, sich über das Positive zu freuen statt sich über die Schwächen zu ärgern.

Frontzeck lobt seine Mannschaft

Und auch die Gäste haderten nicht allzu sehr mit den verlorenen zwei Punkten.

"Riesenkompliment an die Mannschaft für dieses Auswärtsspiel"; sagte Trainer Michael Frontzeck.

Sein Team hätte wohl gewonnen, wenn nicht Verteidiger Roel Brouwers wegen eines brutalen Fouls an Huntelaar (78.) Rot gesehen hätte.

Platzverweis schwächt Borussia

In Unterzahl verloren die Niederrheiner schließlich die Ordnung und kassierten den Ausgleich.

"Wir haben eine sehr starke erste Halbzeit gespielt", sagte Frontzeck.

"Aber wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die sicherlich noch nicht ins Rollen gekommen ist, die aber natürlich in Zukunft um die Meisterschaft spielen will und die individuell sehr gut ist."

Auch Frontzeck musste anerkennen: Huntelaar und Raul waren die Männer des Tages.

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