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Bremens Stürmer Claudio Pizarro (r.) schirmt den Ball vor Hamburgs Guy Demel ab © getty

Mit dem Sieg im Nord-Derby über den Erzrivalen legen die kriselnden Bremer den Schalter um. Veh macht Trochowski zum Buhmann.

Bremen - Den Schalter umgelegt, den Erzrivalen besiegt, Inter Mailand den Kampf angesagt:

Für Werder Bremen war der 3:2 (2:0)-Erfolg im 93. Bundesliga-Nordderby gegen den Hamburger SV Befreiungsschlag und Wendepunkt zugleich.

"Ich hoffe doch sehr, dass es jetzt klick gemacht hat. Wir dürfen mit diesem einen Sieg aber auf keinen Fall zufrieden sein", sagte Mannschaftskapitän Torsten Frings und beschwor seine zuletzt leidenschaftslosen Mitspieler, die erst durch die direkte Konfrontation mit dem HSV aus ihrer Lethargie gerissen wurden.

Zwar war eine Leistungssteigerung bei den Grün-Weißen unverkennbar, dennoch hätten genauso gut auch die Gäste als Sieger vom Platz gehen können. 291324(DIASHOW: Der 6. Spieltag)

"Wir sind hier schließlich beim Profifußball"

Ein durchaus verdientes Unentschieden verdarben sich die Hamburger fünf Minuten vor dem Abpfiff:

Der kurz zuvor eingewechselte Piotr Trochowski verlor einen überflüssigen Zweikampf gegen den Bremer Daniel Jensen, aus diesem Ballverlust resultierte der dritte Werder-Treffer durch den Portugiesen Hugo Almeida (85.).

Wutentbrannt und mit Zornesröte im Gesicht verpasste HSV-Trainer Armin Veh dem Mittelfeldspieler nach Spielende einen mächtigen Einlauf, Trochowski ist bei seinem Coach erst einmal unten durch.

"Wenn man gerade erst ein paar Minuten im Spiel ist, muss man Leistung bringen. Wir sind hier schließlich beim Profifußball. Jetzt bleibt mir nur noch, diese unnötige Niederlage zu erklären", schimpfte der Coach, der schon nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg trotz beachtlicher Leistung mit leeren Händen dagestanden hatte .

Allofs nun auch gegen Inter zuversichtlich

Dieses Los blieb den Platzherren diesmal erspart, weil sich zur sportlichen Aufwärtsentwicklung auch eine Portion Glück gesellte, die Ex-Nationalspieler Frings natürlich gerne annahm:

"Wenn man großen Aufwand betreibt und Vollgas gibt, gehen die Dinger hinten eben auch mal nicht rein, und vorne erspielt man sich wieder mehr Chancen."

Fortune werden die Bremer auch brauchen, wenn sie am Mittwoch in der Königsklasse beim Titelverteidiger Inter Mailand antreten.

"Für die Champions League bedeutet der Sieg gegen den HSV allerdings nichts. Für die Ruhe in unserem Umfeld war er natürlich wichtig", sagte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs, der seine Zufriedenheit über den sportlichen Aufschwung aber nicht verhehlen wollte:

"Alle haben mehr getan als zuletzt, das war diesmal entscheidend. In dieser Verfassung ist auch bei Inter für uns etwas drin."

"Haben uns selbst belohnt"

Dass es dennoch vor 36.300 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion eng wurde, war das Resultat einer kurzen Schwächephase, in der Ruud van Nistelrooy (59.) und Jonathan Pitroipa (63.) die Bremer Führung ausglichen.

Werder hatte durch einen von Guy Demel abgefälschten Schuss von Marko Marin (25.) und einen Kopfballtreffer von Hugo Almeida (28.) 2:0 vorne gelegen.

"Nach dem 2:2 haben wir aber noch einmal guten Fußball gespielt und uns selbst belohnt", sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Bremen lag schon am Boden"

Genau dies taten die Gäste nicht und zogen daher nach nur zwei Punkten aus den letzten vier Spielen enttäuscht von dannen.

"Die cleverere, nicht die bessere Mannschaft hat gewonnen. Bremen lag schon am Boden, wir haben ihnen wieder aufgeholfen", sagte HSV-Kapitän Heiko Westermann. Nationalspieler Marcell Jansen sprach davon, "dass wir unbedingt einen negativen Sog vermeiden müssen".

27 Verletzte nach Abpfiff

Negativer Schlussakkord des hanseatischen Derbys war nach dem Schlusspfiff ein Gedränge auf einer Treppe des Weserstadions, bei dem sieben Fans und 20 Polizisten verletzt wurden.

Ein HSV-Anhänger musste sogar reanimiert und ins Krankenhaus gebracht werden, befand sich aber am Sonntag schon wieder auf dem Weg der Besserung.

Ansonsten blieb es bei leichten Gehirnerschütterungen, Prellungen und Schürfwunden.

Auf dem Weg durch die Bremer Innenstadt zurück zum Hauptbahnhof gab es keine nennenswerten Auseinandersetzungen.

Auch vor der Partie war es weitgehend bei verbalen Attacken der rivalisierenden Fangruppen geblieben.

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