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Der VfB mit Pogrebnyak, Marica und Delpierre (v.l.n.r.) belegt derzeit den letzten Tabellenplatz © imago

Der VfB Stuttgart steht am Tabellenende und präsentiert sich desolat. Gespräche sollen nun die dringend benötigte Wende einleiten.

Von Christian Stüwe

München - Dass der VfB Stuttgart schlecht in die Saison startet, ist nichts Neues.

Doch der Fehlstart der Schwaben in der aktuellen Spielzeit hat eine neue Qualität, es ist die schlechteste Auftaktbilanz seit der Spielzeit 1974/75.

Desolat gegen Leverkusen

Mit nur drei Punkten aus sechs Spielen belegt der VfB den letzten Tabellenplatz, "absolut nicht das, wo wir stehen wollen und was die Fans verdient haben", ärgerte sich Christian Gentner.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vielmehr als die reinen Zahlen dürfte aber das desolate Auftreten der Stuttgarter den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

"Wir hatten keine Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen", fand Christian Gross nach der 1:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen ungewöhnliche Worte für einen Trainer im Profibereich.

Die Lage sei ernst, noch schwieriger als im vergangenen Jahr, erklärte der Schweizer. Nun müsse harte Arbeit den Ausweg aus der Krise bringen.

Führungsspieler gesucht

Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass das Problem des VfB eher in den Köpfen der Spieler, beziehungsweise in der Zusammenstellung des Kaders verwurzelt ist.

Mit Jens Lehmann beendete ein Führungsspieler seine Karriere, mit Sami Khedira wanderte die treibende Kraft im Mittelfeld zu Real Madrid ab.

Die Neuzugänge wie Philipp Degen, Johan Audel sind verletzt oder konnten wie Mauro Camoranesi die entstandenen Lücken nicht schließen.

Und auch wenn der junge Torwart Sven Ulreich seinen Job bisher weitgehend ordentlich erledigt, kann er noch nicht über die Autorität Lehmanns verfügen

[kaltura id="0_2cmj4ua8" class="full_size" title="Rote Laterne in Stuttgart"]

"Uns fehlen die Persönlichkeiten", bemerkte Gross. Warum die rund 14 Millionen Ablöse aus dem Khedira-Transfer nicht in einen adäquaten Nachfolger investiert wurden, ist allerdings schwer nachzuvollziehen.

Leistungsträger in der Krise

Doch auch die verbliebenen Spieler haben mit Problemen zu kämpfen.

Cacau sucht nach der Form der vergangenen Rückrunde, Serdar Tasci wurde zu Beginn der Saison vom Trainer nicht berücksichtigt und schmollte.

Kapitän Mathieu Delpierre war lange verletzt und scheint noch nicht auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit.

Dennoch prangerte der Kapitän die Missstände an. "Uns fehlt die Geschlossenheit. Das ist ein Problem, das wir lösen müssen. Wir stecken jetzt im Abstiegskampf, nur durch harte Arbeit kommen wir da raus."

Aussprache gefordert

Ein Mannschaftsabend soll nun helfen, die Missstände in der Mannschaft aufzudecken. Dort könne man sich "Dinge direkt ins Gesicht sagen", sagte Delpierre den "Stuttgarter Nachrichten".

"Es muss geredet werden", forderte auch der neue Sportdirektor Fredi Bobic, der sich seine Aufgabe sicher einfacher vorgestellt hatte.

Viel Zeit zum Reden und für die geforderte harte Trainingsarbeit bleibt allerdings nicht.

Nächste englische Woche steht an

Schon am Donnerstag geht es in der Europa League nach Dänemark zu Odense BK, am Sonntag kommt Eintracht Frankfurt nach Stuttgart.

"Jetzt gilt es, wieder aufzustehen und in den nächsten beiden Spielen gegen Odense und Frankfurt wieder ein gutes Spiel für unsere Fans zu zeigen", fordert Ulreich.

Gross kündigt Änderungen an

Gross hat für die beiden Spiele bereits personelle Änderungen in seiner Mannschaft angekündigt. Mit frischen Spielern will er die Wende schaffen und den VfB wieder auf Kurs bringen.

In den beiden Spielzeiten zuvor kam der VfB erst gegen Ende der Hinrunde aus seinem Tief, startete dann jeweils eine sensationelle Aufholjagd und qualifizierte sich am Ende noch für den europäischen Wettbewerb.

Vehn und Babbel mussten gehen

Allerdings war in beiden Fällen auch eine Trainerentlassung die Initialzündung für die Aufholjagd. Im November 2008 musste Armin Veh gehen, im Dezember des vergangenen Jahres erwischte es Markus Babbel.

Diesmal soll der Worst-Case aber unbedingt vermieden werden. Auch deshalb steht Gross noch mehr unter Druck, mit den vorhandenen Spieler möglichst bald die Wende einleiten.

Sollte ihm dies nicht gelingen, steht dem VfB wieder mal ein heißer Herbst bevor.

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