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Piotr Trochowski bestritt bislang 177 Bundesliga-Spiele für Bayern München und den HSV © imago

Nach der Tirade von Armin Veh steht Piotr Trochowski beim HSV vor dem Aus. Doch auch auf Hamburgs Trainer steigt der Druck.

Von Eric Böhm und Andreas Kloo

München - Die Kritik des Trainers fiel vernichtend aus:

"Das ist Profifußball, das geht nicht. Ich ärgere mich maßlos, weil ich jetzt wieder eine Niederlage erklären muss", wetterte HSV-Coach Armin Veh nach Piotr Trochowskis verhängnisvollen Ballverlust im Nordderby gegen den SV Werder Bremen.

Den Hamburgern kostete Trochowskis Fehler zwei Punkte, da Hugo Almeida den folgenden Bremer Angriff mit dem 3:2-Siegtreffer abschloss.

Trochowski könnte der Fehler viel mehr kosten.

Vertrag läuft aus

Sein Vertrag bei den Hanseaten läuft am Saisonende aus. Ob der Verein mit Trochowski verlängern will, ist nun fraglicher denn je.

Um sich nicht noch unbeliebter zu machen, gab sich der Nationalspieler zumindest einsichtig:

"Die Kritik des Trainers war berechtigt und ist nachvollziehbar. Es war ein blöder Fehler von mir, der dann am Ende zu dieser Niederlage geführt hat", sagte der 26-Jährige kleinlaut.

Schwäche Defensivarbeit

Bei Veh hat Trochowski ohnehin nicht viel Kredit. Erst einmal bot ihn der Trainer in dieser Saison von Beginn an auf.

Seit Januar 2005 spielt Trochowski für den HSV. Seitdem warten die Hamburger Verantwortlichen auf den großen Durchbruch des Technikers.

Seine beiden großen Schwächen, die Defensivarbeit und leichtsinnige Abspielfehler, konnte er nie ausmerzen.

Nominierung fürs Türkei-Spiel fraglich

Das gilt auch für Trochowskis Leistungen in der Nationalmannschaft.

Zwar absolvierte der Mittelfeldspieler schon 35 Länderspiele und stand bei EM 2008 und WM 2010 im DFB-Kader. Doch zu einer tragenden Rolle in der Nationalmannschaft hat es Trochowski noch nicht gebracht.

Und dem Bundestrainer dürfte Trochowskis Patzer nicht entgangen sein. Am Freitag benennt Joachim Löw sein Aufgebot für das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei am 8. Oktober.

Auf eine Einladung wird Trochowski wohl vergeblich warten müssen.

Reinhardt glättet Wogen

Aber nicht nur auf Trochowski steigt der Druck, auch Veh selbst steht nach seinem Ausraster in der Kritik.

Hamburger Medien werfen dem Trainer vor, mit der öffentlichen Schelte eine weitere Baustelle aufgemacht zu haben.

Auch Bastian Reinhardt wollte Trochowski nicht als Alleinschuldigen an der Niederlage sehen: "Es gab durchaus noch die Möglichkeit, das Tor zu verhindern", stellte der Sportchef gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" klar.

Veh selbst versprach inzwischen, für die Zukunft Standpauken vor TV-Kameras zu vermeiden: "Das war eine Ausnahme, im Normalfall behält man das für die Kabine."

Becker erhöht Druck

Ohnehin muss sich der Trainer jetzt erst einmal darauf konzentrieren, mit den Hamburgern wieder die Kurve zu kriegen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach zwei Siegen zum Auftakt gelang dem HSV in den letzten vier Spielen kein Dreier mehr. Das Team ist auf Rang acht abgerutscht.

Aufsichtsratsboss Horst Becker warnt angesichts der Tabellensituation in der "Morgenpost": "Wenn wir den Europacup nicht erreichen, hätten wir sicher ein Problem."

Die Hamburger müssten dann drastische Einsparungen vornehmen ? und Veh sich wohl einen neuen Job suchen.

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