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Jörg Schmadtke war vor dem Engagement bei 96 Manager in Aachen © imago

Hannover kann mit einem Sieg gegen St. Pauli Zweiter werden. Der Manager versichert bei SPORT1, dass 96 trotzdem nicht abhebt.

Von Andreas Kloo

München - Man könnte denken, der FC Bayern habe sich in der AWD-Arena angekündigt.

Mit 49.000 Zuschauern ist das Stadion in Hannover ausverkauft. Dabei geht es "nur" gegen Aufsteiger FC St. Pauli (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).

Das zeigt, welch große Euphorie derzeit um Hannover 96 herrscht. "Die Leute in der Stadt sind begeistert und wollen gerne zum Fußball", schildert Sportdirektor Jörg Schmadtke bei SPORT1 die neue 96-Begeisterung in Hannover.

Innerhalb eines Jahres hat sich die Stimmung in der niedersächsischen Landeshauptstadt damit komplett gewandelt.

Abstiegskandidat Nummer eins

Im Herbst 2009 herrschte Tristesse in Hannover. Robert Enkes Tod war ein Schock, den die Mannschaft schwer verarbeiten konnte.

"Wir hatten im letzten Jahr eine außergewöhnliche Situation mit unvorhersehbaren Dingen, die da auf uns zugekommen sind. Da haben wir lange gebraucht, um das aus der Mannschaft rauszubekommen", blickt Schmadtke zurück.

Der sportliche Absturz folgte, nur durch einen immensen Kraftakt gelang Trainer Mirko Slomka nach einer anfänglichen Pleitenserie der Klassenerhalt.

Vor dieser Saison galt 96 aber in den meisten Prognosen - spätestens nach dem Pokal-Aus in Elversberg - als Abstiegskandidat Nummer eins.

Kühnste Optimisten überrascht

Doch Hannover überrascht bislang nicht nur die Kritiker, sondern selbst die kühnsten Optimisten.

Mit vier Siegen aus sechs Spielen gelang 96 der beste Bundesliga-Start der Klubgeschichte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Am Tag des Erscheinens von Robert Enkes Biografie steht Hannover 96 auf Tabellenplatz drei, fünf Punkte vor dem FC Bayern und mit der reellen Chance, durch einem Sieg gegen St. Pauli Zweiter zu werden.

Schmadtke-Transfers schlugen ein

Schmadtke hat seinen Beitrag dazu geleistet. Mohammed Abdellaoue, Moritz Stoppelkamp, Didier Ya Konan - der gegen St. Pauli mit einer Knieverletzung passen muss: Spieler die "fast keiner kannte" hat er bei eng begrenzten Mitteln kostengünstig nach Hannover geholt - nun sind sie Träger des Aufschwungs.

Dennoch bleibt man in Hannover auf dem Boden: "Wir bewerten unsere Situation nüchtern und sachlich. Da besteht keine Gefahr, dass jemand abhebt", versichert Schmadtke.

Bei einer Prognose für den weiteren Verlauf der Saison lässt er deshalb Vorsicht walten: "Wir haben erst sechs Spieltage gespielt. Man kann da noch nicht von einem Trend sprechen."

"Wir sind gespannt"

Zunächst einmal muss die Mannschaft sich ohnehin gegen St. Pauli beweisen und zeigen, wie sie mit der ungewohnten Favoritenrolle zurechtkommt: "Wir sind gespannt, wie die Mannschaft auf die neue Situation reagiert", sagt Schmadtke zur Partie gegen den Aufsteiger.

Wie es aussieht, lässt sich die Mannschaft vom Höhenflug nicht aus der Konzentration bringen, sondern arbeitet wie gewohnt weiter. Nach dem Mittwochstraining machten sechs Spieler sogar Überstunden.

Und selbst im Umfeld spricht noch niemand vom Europacup. Eine aktuelle Umfrage der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" lautet bezeichnenderweise: "Wann erreichen die Roten die Nichtabstiegsmarke von 40 Punkten?"

Selbstbewusst, aber nicht überheblich

In der Tat tritt das Team aber in dieser Saison anders auf als in den letzten Jahren:

"Die Mannschaft ist selbstbewusst, aber nicht überheblich, sondern motiviert", beschreibt Präsident Martin Kind im "kicker" die Einstellung der Mannschaft.

Schmadtke erklärt, was zu dieser Wandlung führte: "Wir haben einige Dinge verändert, was den Kader angeht. Und wir haben einen ganz anderen Trainer mittlerweile. Die Dinge greifen jetzt ineinander."

Zusammenarbeit klappt besser

Offenbar hat Slomka seine Arbeitsweise verändert, geht mehr auf die Mannschaft zu.

Dabei stand er nach der Pokal-Blamage im August in Elversberg schon vor dem Rauswurf.

Doch die Wende gelang, auch durch Personal-Entscheidungen wie die Ausmusterung von Jan Schlaudraff.

Die anfangs nicht reibungsfreie Zusammenarbeit mit Sportdirektor Jörg Schmadtke scheint aktuell, wo es sportlich läuft, ebenfalls zu klappen. "Darauf habe ich hingearbeitet", macht Kind deutlich, wer aus seiner Sicht für das bessere Verhältnis des Duos verantwortlich ist.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hannover: Fromlowitz - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto - Stoppelkamp, Rausch - Forssell, Abdellaoue (Stindl)

St. Pauli: Kessler - Lechner (Volz), Zambrano, Thorandt, Oczipka - Boll, Lehmann - Asamoah (Hennings), Takyi, Naki - Ebbers

Schiedsrichter: Markus Wingenbach

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