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Louis van Gaal (l.) kam 2009 von AZ Alkmaar zum FC Bayern © imago

Der FCB fürchtet die Konsequenzen einer möglichen Pleite in Dortmund - und hat bei der angeblichen 30-Mio-Offensive ein Problem.

Von Martin Hoffmann

München - "Ich dachte, dass es ein Vorteil ist, dass ich dieselbe Mannschaft behalten habe. Aber wir haben gesehen, dass das nicht ausreichend war."

Louis van Gaals Eingeständnis, mit seiner sommerlichen Zurückhaltung auf dem Transfermarkt wohl falsch gelegen zu haben, ist ein bemerkenswertes Zeugnis der Selbstkritik.

Er glaube zwar zu 100 Prozent an den bestehenden Kader, aber durch das Fehlen der verletzten Spieler mangle es dem Team an Kreativität.

Als Ausrede für den Fehlstart seiner Mannschaft will van Gaal die Untätigkeit auf dem Transfermarkt aber nicht gelten lassen: "Wir wissen nicht, ob wir mit fünf Neuzugängen jetzt besser dastehen würden", sagte van Gaal auf Nachfrage von SPORT1.

Hohe Investitionen im Winter?

Dennoch haben die Aussagen des Niederländers und die prekäre Situation beim FC Bayern einiges in Bewegung gesetzt.

Es kursiert sogar schon die spektakuläre Meldung, dass die Münchner im Winter bis zu 30 Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben wollen.

Bei dem wichtigen Spiel in Dortmund (So., ab 17 Uhr im LIVE-TICKER) muss van Gaal nun einmal mit dem gebeutelten und formschwachen aktuellen Kader auskommen - und auch die angedachten Korrekturen werden nicht so leicht von der Hand gehen 293249(DIASHOW: Dort hakt es im Bayern-Kader).

Olic: "Dann ist die Hölle los"

"Gegen Dortmund braucht es einen Befreiungsschlag", weiß van Gaal.

Und auch die Spieler und Offiziellen des FCB haben realisiert, was die Stunde geschlagen hat. "Wenn wir verlieren, ist die Hölle los", unkt Stürmer Ivica Olic in der "Bild".

Und auch Präsident Uli Hoeneß reist "etwas besorgt" ins Ruhrgebiet: "Wir müssen gewinnen, um die Bundesliga aus unserer Sicht wieder spannend zu machen. Sonst wird es sehr schwer, die große Punktdifferenz bis Weihnachten noch aufzuholen."

Van Gaal: Viele Spieler "unter ihrem Niveau"

Van Gaal muss in Dortmund möglicherweise mit dem nächsten Ausfall leben: Hamit Altintop konnte wegen Adduktoren-Problemen nicht trainieren und ist in jedem Fall nicht zu hundert Prozent fit.

Aber auch die, die es sind, bereiten van Gaal aktuell Sorgen: Er klagt, dass derzeit einfach "viele Spieler unter ihrem Niveau spielen".

Darum erwartet er auch kein Schützenfest im Stil seines ersten Gastspiels beim BVB: "5:1 in Dortmund - das war fantastisch. Aber das war einmalig." 65576(DIASHOW: Die heißesten Duelle zwischen Dortmund und Bayern)

Trotz allem betonte van Gaal beim Pressegespräch vor dem Dortmund-Spiel demonstrativ seine Zuversicht, dass sein Team wieder bessere Tage erleben werde ("Es kommt auch die Zeit, wo wir den Schwung haben") - und sein Vertrauen in den Kader.

Transfer-Offensive für die Abwehr?

Dem widerspricht der "Bild"-Bericht über die angeblich geplante Transfer-Offensive im Winter, in deren Zentrum Abwehr stehen soll. Was logisch wäre, zumal dort nicht nur ? wie in der Offensive ? Verletzungen und Müdigkeit das Problem sind.

Ein "Top-Außenverteidiger" solle demnach kommen, wobei in jedem Fall Diego Contento der Leidtragende wäre.

Denn egal, ob es einen Neuzugang für die linke oder rechte Defensivseite gäbe: Er würde in jedem Fall mit dem beidseitig einsetzbaren Philipp Lahm die Abwehrzange bilden.

Dazu soll Bayern auch eine Verstärkung für die Innenverteidigung erwägen, wenn ihre Verfassung sich bis zum Winter nicht ändert ? entweder, indem Daniel van Buyten sein Tief überwindet oder der bald zurückkehrende Breno schnell Anschluss findet.

Van der Wiel und Coentrao kein Thema

Auch mit großem Einkaufsbudget ist es allerdings schwierig, im Winter probate Verstärkungen auf Top-Niveau zu finden ? gerade in der Defensive, wo der Markt ohnehin schwieriger ist.

Das größte Problem: Bayern kann in dieser Champions-League-Saison keinen Spieler mehr einsetzen, der bei einem anderen Klub für Europas Königsklasse gemeldet ist.

Die Außenverteidiger Gregory van der Wiel von Ajax Amsterdam und Benfica Lissabons Fabio Coentrao, die im Sommer heiß gehandelt worden waren, sind wohl also kein Thema mehr.

Suche in der Nische

Die Bayern müssten bei ihren Transferbemühungen also in die Nische gehen und einen starken Außenverteidiger außerhalb der Champions-League-Klubs oder gleich außerhalb von Europa finden.

Ob sich da jemand findet, der den Ansprüchen genügt? Es gibt jedenfalls leichtere Aufgaben.

An konkreten Namen mangelt es derzeit in der Gerüchteküche.

Brasilianer im Gespräch

Nur der schon im Frühjahr gehandelte Innenverteidiger Miranda vom FC Sao Paulo ist für die Abwehr wieder ins Gespräch gekommen.

Der 26-Jährige hat sechs Länderspiele auf dem Konto und seinem Berater Pedro Panzelli zufolge hat es Gespräche mit Bayern gegeben.

Das könnte aber auch nur branchenübliche Koketterie sein.

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