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Mit dem siebten Sieg im siebten Saisonspiel sichert sich Mainz gegen Hoffenheim einen Platz in den Geschichtsbüchern. Das junge Team um Lewis Holtby und Andre Schürrle feiert seine Tore vorzugsweise als Band. Das bringt ihm den Spitznamen "Bruchweg Boys" ein
Leadsänger der Mainzer Jubel-Choreografie: Lewis Holtby (r.) © imago

Der Mainzer Jungstar stellt beim siebten Sieg des Tabellenführers gegen 1899 alles in den Schatten - und verzückt auch Löw.

Von Martin Hoffmann

München - Wenn Thomas Tuchel über seine Schützlinge spricht, klingt das des öfteren mal so wie ein Waldorf-Lehrer beim Elternabend.

Nicht jeder Fußballer würde wahrscheinlich zu schätzen wissen oder auch verstehen, was der Mainzer Coach meint, wenn er sein "großes soziales Verständnis für Zwischenmenschliches, für Gruppendynamik und auch für seine Rolle" würdigen würde.

Lewis Holtby, der Empfänger des bei "Sky" verbreiteten Lobs, tut es. Er hatte ja schon vor dem 4:2 gegen Hoffenheim verbreitet, dass Tuchels Art ihm gerade "sehr gut tut" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das bewies er beim siebten Mainzer Sieg im siebten Saisonspiel eindrucksvoll. Schalkes Leihgabe war die alles überragende Figur des Tages - und das vor den Augen eines hingerissenen Bundestrainers 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag).

Schwärmender Löw

Tribünengast Joachim Löw hatte Holtby wie auch dessen Teamkollegen schon vorher ein Nationalmannschafts-Debüt noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt ? beim Test in Schweden am 17. November.

Beim Anblick des aufgehenden Sterns Holtby durfte sich Löw bei seiner ersten Dienstreise ins Bruchwegstadion vollauf bestätigt fühlen.

"Ich denke, wenn man sieht, wie er das erste Tor vorbereitet, das ist schon absolut klasse und das Eintrittsgeld eigentlich alleine wert", schwärmte er bei LIGA total!

Atemberaubender Aufstieg

Mit einem traumhaft präzisen Pass aus der Tiefe zu Stürmer Adam Szalai hatte Holtby das schnelle 1:0 durch Sami Allagui eingeleitet.

Und auch an allen anderen Treffern war der Mittelfeldregisseur beteiligt: Beim 2:1 bediente er wiederum Szalai, Luiz Gustavos Eigentor zum 3:1 erzwang er mit seinem Schuss aus spitzem Winkel, den Strafstoß, den Schürrle zum 4:2 verwandelte, holte ebenfalls Holtby heraus.

Die vorzeitige Auswechslung unter stehenden Ovationen des Mainzer Publikums verdiente er sich redlich.

Bei Schalke nicht durchgesetzt und nach Bochum abgeschoben, jetzt die Frontfigur beim Tabellenführer und Sensationsklub und angehender Nationalspieler - Holtbys Aufstieg ist atemberaubend.

"Einfach Wahnsinn"

Und bei allen professionellen Versicherungen, dass der Klub auf dem Teppich bleiben würde, kann und will Holtby seine Faszination über den Mainzer Lauf nicht verbergen.

Vor dem Spiel hatte er öffentlich vom Meistertitel geträumt, danach erklärte er: "Was hier abläuft, ist magisch! Das ist einfach Wahnsinn, das ist ein Traum."

Trotzdem bemühte er sich, seinen Teamkollegen nicht das Rampenlicht wegzunehmen: "Die Mannschaft", nicht nur er, hätte sich ihre "Lorbeeren reichlich verdient".

Und auch das Lob von Löw nahm er bescheiden hin: "Das freut mich natürlich sehr, aber es ist eine kurze Freude, ich muss dann wieder abschalten und aufs nächste Spiel schauen."

Tuchel auf dem Zaun

Die Ein-Jahres-Leihgabe Holtby ist zur Personifikation des Mainzer Märchens geworden.

"Zu 100 Prozent" verkörpere er "das, was wir wollen", meinte Tuchel, der sich der allumfassenden Begeisterung im Mainzer Bruchwegstadion auch nicht entziehen konnte.

Vehement von den Fans gefordert, kletterte er nach anfänglichem Widerwillen auf den Zaun und heizte die Anhänger mit dem Megaphon an.

Euphorie in neuen Dimensionen

Die Euphorie in Mainz erreichte am Samstagnachmittag noch einmal neue Dimensionen.

Erste Meisterschalen aus Pappe wurden im Stadion schon geschwenkt ? und auch außerhalb der Landesgrenzen wird inzwischen immer mehr nach Mainz geblickt.

Gegen Hoffenheim filmte ein brasilianisches TV-Team am Bruchweg ? und in die englischsprachigen Länder verbreitet die Agentur "AFP" die Kunde: "Magnificent seven for minnows Mainz".

Die "kleinen Fische" aus Rheinhessen sind also weiter die Herrscher im Bundesliga-Teich. Und geht es nach Holtby, darf das noch eine Weile so bleiben: "Wir sind noch nicht am Ende unserer Ziele.".

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