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Uli Hoeneß spielte von 1970 bis 1978 aktiv beim FC Bayern München © getty

Bayern rauscht nach der Dortmund-Pleite auf Platz 12. Präsident Hoeneß attackiert die Mannschaft. Nerlinger streicht die "Wiesn".

Von Mathias Frohnapfel

München - Es wird ungemütlich beim FC Bayern.

Der Rekordmeister ist so schlecht in die Spielzeit gestartet wie seit 1966 nicht mehr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Platz 12 und die schlechteste Torausbeute aller (!) Bundesligisten lassen nach der 0:2-Pleite in Dortmund nun auch die Münchner Bosse losledern. 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

"Einigen ist die Höhenluft der vergangenen Saison nicht bekommen!", schimpfte Uli Hoeneß noch vor dem Heimflug aus dem Ruhrgebiet.

Und in der "Bild" forderte er: "Wir müssen jetzt mal den Mantel der Nächstenliebe wegnehmen und über die Dinge reden. Sonst gibt es ein böses Erwachen."

"Super-GAU für den FC Bayern"

Historische Konsequenzen hat die dritte Pleite im siebten Liga-Spiel für die FCB-Profis schon jetzt: Der obligatorische "Wiesn"-Ausflug ist gestrichen.

Hoeneß sprach nach dem anfangs bemühten, aber letztlich wirkungslosen Auftritt in Dortmund gar vom "Supergau für den FC Bayern" und warnte: "Wir dürfen uns jetzt nicht mehr in die eigene Tasche lügen."

Was nun auf die Seriensieger der Vorsaison zukommt, kann sich auch Christian Nerlinger nur allzu gut vorstellen.

"Wir müssen uns das jetzt alles anhören: Verfehlte Transferpolitik, schwache Abwehr, schwacher Angriff, schwaches Was-weiß-ich", schilderte der FCB-Sportdirektor am Sonntagabend das Szenario für die kommenden beiden Wochen.

Pause bis zur Hannover-Partie

Durch die Länderspiel-Pause werden die Münchner Qualen zusätzlich gestreckt, die Zeit zum Nachdenken ist lang, ehe am 16. Oktober gegen Hannover 96 irgendwie ein Erfolg gelingen soll.

"Wir müssen im nächsten Heimspiel in die Siegesspur kommen", sagte Nerlinger. Das ist im Moment nicht mehr als eine Durchhalteparole, doch intern wird er andere Töne anschlagen.

"Wir müssen allen zurufen: Hallo wach!", bereitete Nerlinger bereits das Team auf die kommenden Aussprachen vor.

Der erste Schuss sitzt

Nicht nur Nerlinger, sondern auch vielen Bayern-Fans drängte sich am Sonntag der Eindruck auf den Film bereits zu kennen.

"Wir investieren wahnsinnig viel, schaffen es aber nicht, den Ball über die Linie zu drücken. Und der erste Schuss auf unser Tor sitzt meistens", sinniert der Sportdirektor.

Nerlinger übernahm im Sommer 2009 von Uli Hoeneß das Amt des Sportdirektors, den Umgang mit den kleineren und größeren Krisen im aufgeregten Münchner Umfeld ist er seitdem gewohnt.

Kein Stürmertor

Nach dem "gewaltigen Genickschlag" hofft Nerlinger mit dem üblichen Arsenal an Appellen den Weg aus der Krise zu finden, betont, dass man jetzt "geschlossen durch diese Situation gehen" müsse.

Allerdings dürfte die anstehende Aufgabe weit schwieriger werden als alles andere in den vergangenen 15 Monaten. Die Bayern-Abwehr wackelt, Daniel van Buyten und Martin Demichelis scheinen einen Wettkampf der krassesten Fehler ausgerufen zu haben. In der Liga ist zudem kein einziges Stürmertor verzeichnet.

Und die Systemumstellung von Trainer Louis van Gaal, der Bastian Schweinsteiger auf die Zehnerposition beorderte, brachte kaum mehr Schwung ins Spiel, zerrte dafür gewaltig an der dem Niederländer sonst so heiligen Ordnung.

Beckenbauer ist ratlos

Selbst Franz Beckenbauer war angesichts dieses Dilemmas ratlos. "Man muss schauen, dass man die Zeit, in der Robben und Ribery fehlen, irgendwie überbrückt", sagte der "Kaiser" auf "sky".

Er träumte gar von der Allzweckwaffe früherer Zeiten, "Leuten wie Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic".

Van Gaal klagt über "individuelle Fehler"

Van Gaal wird die Forderungen nach solchen Kampfmaschinen kaum gefallen.

Während 80.000 Fans in Dortmund noch ihrem BVB huldigten, klagte er über "individuelle Fehler" in der Abwehr und schob die weitere Schuld der Offensivabteilung zu: "Wenn man aus zwei Meter das freie Tor nicht trifft, was soll ich dann als Trainer machen?" 293249(DIASHOW: Dort brennt es bei Bayern)

Bayerns "Null-Transferpolitik"

Bei der Ursachensuche für die Krise des Münchner Vorzeigeklubs dürfte jedoch auch van Gaal selbst nicht ausgeklammert werden. Schließlich war der 59-Jährige überzeugt, ohne Transfers die Mission Titelverteidigung stemmen zu können.

"Hinterher ist man immer schlauer", wehrte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummigge diese Kritik ab: "Wir haben mit dem Kader die Meisterschaft und den Pokal gewonnen."

Dennoch sagte auch er klar, wie unzufrieden er im Moment ist:

"Es kann nicht sein, dass wir mit diesem Kader 13 Punkte Rückstand haben. Das ist eine Situation, die nicht Bestand haben kann."

Noch ein Zeichen für die rauen Zeiten in München.

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